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Bodenrecht

Wie Spannungen in Sierra Leone abgebaut werden können

von Elijah Grega

Meinung

Traditionelle Kleinbauern haben Angst, ihr Land zu verlieren.

Traditionelle Kleinbauern haben Angst, ihr Land zu verlieren.

Privatunternehmen pachten heute 20 Prozent des nutzbaren Bodens in Sierra Leone. Traditionelle Kleinbauern haben ihre Lebensgrundlage verloren. Die Regierung hat eine neue Politik konzipiert – setzt sie aber noch nicht um.

Sierra Leone ist ein Land voller Widersprüche. Es hat Bodenschätze wie Diamanten, Bauxit und Eisenerz, und doch lebt die überwältigende Mehrheit der Einwohner in Armut. Der Bürgerkrieg, der 2002 endete, hat das Land zerstört und die Menschen traumatisiert. Vor dem Konflikt glänzte das Bildungswesen – heute sind zwei Drittel der Bevölkerung Analphabeten.

Die Regierung hat den Aufbau von Infrastruktur und Institutionen vorangetrieben. Aber es gibt noch große Lücken im Gesundheits- und Bildungswesen sowie in der Wasser- und Energieversorgung. Weil das Land auf die Ebola-Epidemie vor drei Jahren nicht vorbereitet war, starben 4000 Menschen.

Alle ökonomischen und sozialen Probleme in Sierra Leone hängen mit Armut und Landnutzung zusammen. Ob arm oder reich, gebildet oder arbeitslos – das Thema Grund und Boden betrifft alle. Die meisten Dorfbewohner leben als Bauern vom Ertrag ihrer Felder, wissen aber nicht sicher, dass diese ihnen wirklich gehören. Es gibt keine zuverlässigen Grundbücher und keine flächendeckende Erfassung der Flurstücke.

Die Verpachtung großer Flächen an ausländische Investoren, die Zuckerrohr-, Palmöl- und andere Plantagen anlegen, beunruhigt die Bevölkerung. Laut einer Studie des kalifornischen Thinktanks Oakland Institute, verfügen internationale Firmen bereits über 20 Prozent des nutzbaren Bodens.

Die Regierung argumentiert, Investoren würden Jobs und Wohlstand schaffen, und ausländische Anleger wie Addax aus der Schweiz oder SOCFIN machen in der Tat vollmundige Versprechen. Die Pachtverträge sind aber intransparent, und es ist nicht klar, ob die Preise wirklich den Wert des Bodens widerspiegeln.

Kleinbauern mussten ihr Land für einen Hungerlohn abtreten. Viele Hoffnungen auf ein besseres Leben, mehr Jobs und bessere Schulen haben sich zerschlagen. Laut der zivilgesellschaftlichen Organisation ALLAT (Action for Large-scale Lande Acquisition Transparency) haben großangelegte Pachtverträge „Tausende von Kleinbauern ärmer gemacht“.

Die Spannung im Land wächst. Die Leute sind wütend, weil die Unternehmen keine soziale Verantwortung übernehmen, die Regierung ihnen aber dennoch Steuererleichterungen gewährt. Zugleich unterdrückt sie Proteste und Widerstand. Landrechte-Aktivisten werden kriminalisiert; einige Gefängnisstrafen wurden bereits verhängt.

Dennoch wächst das öffentliche Interesse an dem Thema. Bauern tun sich mit Aktivisten zusammen. Sie haben immerhin erreicht, dass die Regierung eine neue Grundrechtspolitik formuliert hat, die zivilgesellschaftliche Akteure gut finden. Die Umsetzung allerdings steht aus – und sie wird nicht leicht. Denn damit es fair und gerecht zugeht, sind neue Institutionen sowie die Partizipation von Zivilgesellschaft und traditionelle, lokale Autoritäten nötig.

Um den Rechten aller Betroffenengruppen – etwa der Frauen – gerecht zu werden, muss deren besondere Lage berücksichtigt werden. Wie in vielen westafrikanischen Ländern leisten Frauen in Sierra Leone die meiste Feldarbeit. Große Grundstücksgeschäfte sollten zudem immer der Ernährungssicherheit dienen und tatsächlich die Armut mindern. Andernfalls sollten sie nicht genehmigt werden.

Bodenrechtsaktivisten klären die Bevölkerung nun über die „Freiwilligen Leitlinien zur verantwortungsvollen Regulierung der Land-, Fischbestands- und Waldnutzung (VGGT)“ der UN auf. Sie wurden 2012 vom Komitee für Ernährungssicherheit der FAO beschlossen. Auf ihnen basiert die neue Bodenrechtspolitik in Sierra Leone. Sie betonen die Rechte von Kleinbauern – und zwar besonders, wenn ihr Grundbesitz traditionell besteht, aber nicht formal dokumentiert ist.

Die aktuellen Spannungen werden abebben, wenn die politischen Entscheidungsträger den Willen zeigen, die neuen Regeln auch durchzusetzen. Umfangreiche Bodendeals sollten nun ausgesetzt und ihre Abwicklung zumindest gebremst werden. Zu viele Dorfbewohner haben bereits ihre Äcker verloren. Keinesfalls darf die Regierung Landrechtsaktivisten weiterhin verfolgen und kriminalisieren.


Elijah Grega ist Journalist bei Culture Radio in Free Town.

 

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