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Kryptowährungen

Licht- und Schattenseiten

von Chris-Oliver Schickentanz

Meinung

Facebook will den Markt der Kryptowährungen mit seinem neuen virtuellen Zahlungsmittel Libra revolutionieren.

Facebook will den Markt der Kryptowährungen mit seinem neuen virtuellen Zahlungsmittel Libra revolutionieren.

Wer sich als Wissenschaftler zum Thema Klimawandel äußert, muss damit rechnen, persönlich angegriffen zu werden. Vor allem Populisten und Rechtsnationalisten stellen Forschungsergebnisse in Frage und diffamieren und bedrohen Menschen, die sie verantworten oder veröffentlichen – besonders im anonymen Raum des Internets. Dagegen wehren sich Wissenschaftler nach Kräften.

Weltweit gibt es mittlerweile fast 2000 verschiedene Kryptowährungen. Die meisten führen ein Schattendasein und haben nur einen durchschnittlichen Handelswert von unter 1 Million US-Dollar. Aber andere wie Bitcoin, Ripple & Co. waren bereits zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge wert. Der gemeinsame Nenner aller Digitalwährungen: Sie werden nicht von einem einzelnen Staat oder einer Notenbank emittiert, sind rein virtueller Natur (es gibt weder Banknoten noch Münzen) und werben mit Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Möglich macht dies die so genannte Blockchain-Technologie (siehe Piet Kleffmann im E+Z/D+C e-Paper 2019/10, Schwerpunkt).

Die Frage ist: Sind virtuelle Währungen wirklich Geld? Laut Volkswirtschaftslehre haben Währungen drei Grundfunk­tionen: als Tausch- und Zahlungsmittel, als Recheneinheit und als Wertaufbewahrungsmittel. Was für den Euro oder den Dollar gilt, müsste also auch auf Cyberwährungen zutreffen. Und ja: Als Recheneinheit lassen sich Kryptowährungen gut verwenden. Schließlich werden sie meist 24 Stunden am Tag gehandelt und haben damit fast immer einen Referenzkurs.

Schwieriger wird es schon mit der Wertaufbewahrungsfunktion. Denn Kryptowährungen sind viel volatiler als klassische Währungen. So schwankte der Bitcoin beispielsweise allein im Verlauf des Jahres 2019 zwischen 3 400 Dollar und 13 400 Dollar – eine Spannbreite, bei der kaum noch von einer stabilen Wertaufbewahrung gesprochen werden kann. Leider sind die Cyberwährungen auch vor Kriminellen nicht sicher und können gehackt und damit geklaut werden.

Auch bei der Zahlungsfunktion sind Zweifel berechtigt, ob Kryptowährungen ihren Namen tatsächlich verdienen. Denn selbst im Internet werden sie nur selten als Zahlungsmittel akzeptiert. Viele Händler haben angesichts der irren Kursausschläge kapituliert. Das Ziel des weltweit akzeptierten Geldersatzes ist also noch weit entfernt.

Facebook, das größte soziale Netzwerk weltweit, könnte die Welt der digitalen Währungen aber in den kommenden Monaten revolutionieren. Denn der Konzern plant seine eigene Digitalwährung Libra. Sie hat gegenüber den anderen Kryptowährungen mehrere Vorteile: Zum einen soll sie an etablierte Währungen wie den Dollar und den Euro gekoppelt werden. Dadurch wird Libra weitaus weniger schwanken. Zum anderen hat Facebook bereits zum Marktstart viele Zahlungsabwickler und Einzelhändler für sein Projekt gewinnen können. Allerdings sind beispielsweise die Kreditkartengiganten Visa und Mastercard und die Online-Plattform Ebay mittlerweile wieder ausgestiegen. Gleichwohl hat Facebook eine nicht zu unterschätzende Marktmacht, die in Asien und Afrika hilfreich sein dürfte.
 

In Entwicklungsländern ist die Nachfrage nach digitalen Währungen hoch. Hier sorgt die Kombination aus hoher Inflation und politischer Instabilität für Misstrauen in die nationalen Währungen. So gibt es in Ländern wie Venezuela, Simbabwe, dem Sudan oder Liberia Teuerungsraten im Bereich der Hyperinflation. Hier haben sich im Alltag Ersatzwährungen wie der Dollar etabliert. Da in diesen Ländern gleichzeitig die Verbreitung von Smartphones weit fortgeschritten ist, sind die grundsätzlichen Voraussetzungen für digitale Währungen ideal. Libra könnte hier auf besonders fruchtbaren Boden fallen.

Aber leider haben die bestehenden Kryptowährungen für Entwicklungsländer auch eine Schattenseite: Denn in vielen dieser Staaten versuchen Menschen, mit dem sogenannten Währungs-Mining Geld zu verdienen. Einfach gesprochen geht es darum, Rechendienste für eine virtuelle Währung durchzuführen und dafür im Gegenzug mit der entsprechenden Währung entlohnt zu werden. Das Problem: Dieses Währungs-Mining ist sehr ressourcenintensiv. Es braucht moderne IT-Ausrüstung und vor allem viel Strom. Dadurch werden in vielen Entwicklungsländern wichtige Ressourcen zweckentfremdet, anstatt für schulische Ausbildung oder den Aufbau von Kleinunternehmen zur Verfügung zu stehen.


Chris-Oliver Schickentanz ist Chefanlagestratege bei der Commerzbank in Frankfurt.
[email protected]

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