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Kleinunternehmen

Mit Skorpiongift Geld verdienen

von Moutaz Ali

Heutzutage

Libyen ermutigt Jungunternehmer, ungewöhnliche Geschäftsideen umzusetzen und kleine Firmen zu gründen. Auszeichnungen sollen dies fördern. Mitten im Bürgerkrieg brauchen junge Menschen dringend Hoffnung und Perspektiven.

Von Hunderten Projektvorschlägen für Kleinunternehmen in Libyen wurden die drei besten vor einigen Wochen in Tunesien vorgestellt. „Dies ist, was die Europäische Union in Libyen gerne sehen würde: eine neue Unternehmenskultur“, sagte Bettina Mudscheidt, EU-Botschafterin in Libyen. Sie übergab den Gewinnern die Auszeichnungen. „Diese Projekte sind wirklich beeindruckend“, sagte sie.

Der Wettbewerb war im März 2017 ausgerufen worden. Expertise France, eine französische Entwicklungsorganisation, managte dies im Namen der EU und libyscher Behörden. Die Absicht ist, „Unternehmenskultur in Libyen zu entwickeln“, erklärt Nessrin Ghaddah von Expertise France. Über 1000 Bewerbungen gingen ein, von Menschen verschiedensten Alters, beiden Geschlechtern und aus unterschiedlichen Regionen des Landes. Die zehn besten wurden ausgewählt, und diejenigen, die sie eingereicht hatten, wurden zur Auszeichnung nach Tunis eingeladen.

Der erste Preis ging an „Sinbad“, ein Projekt, das in einfacher und interaktiver Weise die Grundlagen von Unternehmertum und Projektmanagement vermittelt. „Wir wollen das Leben für die Menschen einfacher machen, und Sinbad kann dabei helfen“, sagt Marwan Al-Abed aus Tripolis, einer der drei Erfinder der Idee. Der Name „Sinbad“ bezieht sich auf den Seefahrer aus dem arabischen Märchen. Laut Al-Abed war dieser ein „arabischer Abenteurer und eine Art Geschäftsmann, der sehr risikobereit war“. Al-Abed und seine beiden Partner planen, ihr Unternehmen im nächsten Jahr zu eröffnen.  

Den zweiten Preis erhielt Asem Ali aus Zawia für den Vorschlag, ein Elektrizitätswerk mit recyceltem Müll zu betreiben. „Abfall ist der Hauptgrund für Umweltverschmutzung“, sagt Asem. Seiner Ansicht nach kann seine Idee „dem Land ökonomisch, sozial und ökologisch helfen“. Die Finanzierung des Projektes sei jedoch noch ungeklärt.  

Das drittplatzierte Projekt schlägt vor, das Gift lebender Skorpione zu extrahieren und an Serum- und Medikamentenfabrikanten zu verkaufen. Hussein Kafu aus den Nafusa-Bergen hatte diese Idee. „Eines Tages erhielt ich einen Anruf eines Freundes aus dem Süden. Er war von einem Skorpion gestochen worden und brauchte ein Gegengift“, erzählt Hussein. „Da erfuhr ich, dass es Libyen solch ein Gegengift gar nicht gibt.“ Mit seinem neuen Projekt möchte Hussein Libyen mit dem begehrten Skorpion-Serum versorgen.


Moutaz Ali ist Journalist und lebt in Tripolis, Libyen.
[email protected]

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