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Frauenrechte

Zu jung verheiratet

von Khadija Farhana

Heutzutage

Khadija Farhana

Khadija Farhana

Die 14-jährige Salma Begum lebt mit ihrem 24-jährigen Ehemann Sumon in einer Blechhütte im Kalshi-Slum in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Sie heirateten, als Salma erst 13 Jahre alt war. Inzwischen haben sie eine sechs Monate alte Tochter.

„Ich dachte, das Familienleben würde schön“, sagt Salma, die früher regelmäßig zur Schule ging. „Jetzt denke ich, dass es schrecklich ist, so jung zu heiraten“, ereifert sich Salma. „Ich muss mich den ganzen Tag um Mann und Kind kümmern, den Boden putzen, Wäsche waschen und kochen.“ Bei der Geburt ihres Kindes hatte Salma schwere medizinische Komplikationen und schwor sich, „nicht noch einmal den Fehler zu machen, schwanger zu werden“. Legal dürfen Männer in Bangladesch mit 21 Jahren und Frauen mit 18 Jahren heiraten. Das Arrangieren von Kinderehen wird jedoch nicht hart bestraft: entweder mit einem Monat Gefängnis oder einer Geldstrafe von maximal 1000 Taka (etwa 11 Euro).

Eine Studie der Nichtregierungsorganisation Plan Bangladesh von 2013 bestätigte, dass 64 Prozent der Frauen zwischen 20 und 24 Jahren schon als Minderjährige geheiratet haben. Laut Quamrun Nahar, einer Wissenschaftlerin der Organisation, haben Mädchen, die als Teenager heiraten, „im Durchschnitt einen niedrigeren sozialen Status in den Familien ihrer Ehemänner und erfahren eher häusliche Gewalt als Mädchen, die später heiraten.“ Zudem sei die Sterblichkeitsrate bei sehr jungen Mädchen höher als bei älteren.

Im Februar 2014 verhinderte die Anwältinnen-Vereinigung Bangladesh National Women Lawyers’ Association, dass die zehnjährige Sonia eine 44-Jährigen heiraten musste. Die Eltern des Mädchens waren arm, ein Tagelöhner und eine Putzfrau. „Es war sehr schwer für mich, Sonias Ausbildung zu bezahlen“, erklärte ihr Vater, „deswegen wollte ich sie verheiraten.“

Armut ist meist der Kern des Problems. „Die Tradition der Mitgift führt dazu, dass Mädchen von ihren Familien oft als wirtschaftliche und soziale Bürde betrachtet werden“, sagt Maleka Banu, Generalsekretärin von Bangladesh Mohila Parishad, dem Frauenrat von Bangladesch. „Die Mitgift wird höher, je älter das Mädchen ist. Deswegen versuchen arme Familien, die Töchter so jung wie möglich zu verheiraten.“

Aber es gibt einen Ausweg: Frauen müssen wirtschaftlich gestärkt und besser ausgebildet werden. Laut einer Studie des International Center for Research on Women (ICRW) ist die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten für Frauen eines der wirksamsten Mittel gegen Kinderheirat in Bangladesch.

Trotz geringer Löhne, langer Arbeitszeiten, schlechter und rechtlich nicht abgesicherter Arbeitsbedingungen hat die Zunahme des Bekleidungssektors (ready-made garments) viel dazu beigetragen, dass junge Frauen später heiraten. Mit dem verdienten Geld können sie selbst für die höheren Mitgiftforderungen sparen, die ein späteres Heiratsalter mit sich bringt.

Leider ist Bangladesch nur eines von vielen Ländern, in denen Kinderheirat noch immer verbreitet ist. Nach Hochrechnungen des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) wird es im Jahr 2020 weltweit 50 Millionen Ehefrauen unter 15 Jahren geben.

 

Khadija Farhana ist freie Journalistin und arbeitet in der Entwicklungskommunikation. Sie lebt in Dhaka, Bangladesch.
[email protected]

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