Gender

Menstruationsgerechtigkeit in Mexiko

Sehr lange Zeit war Menstruation in Mexiko ein Tabu. Sie wurde in der Gesellschaft nicht erwähnt, und staatliche Stellen scheuten sich, darüber zu sprechen. In jüngster Zeit hat sich der Ansatz der Regierung jedoch geändert, und sie fördert nun Menstruationsgerechtigkeit. Es sind bemerkenswerte Fortschritte zu verzeichnen, auch wenn einige Menschen nach wie vor nicht oder nur unzureichend informiert sind.
Würde in der Menstruation wird in ganz Lateinamerika, wie hier in Kolumbien, eingefordert. picture-alliance/ZUMAPRESS.com/Perla Bayona Würde in der Menstruation wird in ganz Lateinamerika, wie hier in Kolumbien, eingefordert.

In gewissem Maß wird Menstruation weiterhin tabuisiert und stigmatisiert. Zu den Folgen gehören mangelhafte Gesundheitsinfrastruktur und begrenzter Zugang zu Menstruationsprodukten. Bis Januar 2022 galten Menstruationsprodukte in Mexiko sogar als Luxusartikel, da sie steuerlich wie nicht lebensnotwendige Produkte behandelt wurden. Heute sind Binden, Tampons und Menstruationstassen zwar steuerfrei, aber dennoch hat nicht jede Frau wirklich Zugang zu diesen Produkten.

Mehr als die Hälfte der mexikanischen Bevölkerung lebt mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze, und 17 % haben nicht die Kaufkraft, um alles zu kaufen, was sie für den täglichen Bedarf benötigen. Ausreichende Lebensmittel und Materialien für die Menstruationshygiene bleiben oft unerreichbar. Außerdem haben viele Frauen keinen Zugang zu sauberen und sicheren Toiletten, und die Hygieneprobleme werden während der Menstruation noch verschärft. Es ist die Pflicht der Regierung, hier einen Wandel herbeizuführen.

Seit 2021 hat sich die Situation in Mexiko verbessert. Bis zu einem gewissen Grad sind Menstruationshygienematerialien zumindest im öffentlichen Schulsystem inzwischen kostenlos erhältlich. Neun von 32 mexikanischen Bundesstaaten haben den kostenlosen Zugang gewährt, insbesondere für Mitglieder benachteiligter ländlicher und indigener Gemeinschaften. Michoacán war der erste Bundesstaat, der darauf bestand, dass die Schulen diese Waren kostenlos zur Verfügung stellen müssen. Menstruationserziehung ist dort außerdem als Teil einer umfassenden Sexualerziehung in die Lehrpläne integriert. Das ist wichtig, denn viele Mädchen erleben ihre erste Regelblutung als Schock, weil sie nicht wissen, was mit ihrem Körper geschieht. Das ist in vielen Ländern ähnlich.

Die Verteilung kostenloser Menstruationsprodukte sollte mit anderen ergänzenden Maßnahmen einhergehen, etwa einer umfassenden Aufklärung und der Erhebung fundierter Daten über Menstruation in Mexiko, um so evidenzbasierte öffentliche Maßnahmen und Programme entwickeln zu können.

Einen Meilenstein zur Datenerhebung stellt die im Oktober 2022 veröffentlichte erste nationale Studie zum Menstruationsmanagement in Mexiko dar. Sie wurde von den Organisationen Menstruación Digna México und UNICEF zusammen mit dem Hygieneartikelhersteller Essity erhoben. Die Studie zeigt auf, wie Mädchen und Frauen mit ihrer Menstruation leben und wo Lücken in der Gesundheitsinfrastruktur und der Gesetzgebung sowie soziokulturelle Hindernisse bestehen. In der Studie wurden 3000 Frauen im Alter zwischen 12 und 70 Jahren, die menstruieren oder menstruiert haben, befragt.

Pamela Cruz ist Koordinatorin bei Comunalia, einem Netzwerk von Bürgerstiftungen in Mexiko, und strategische Beraterin bei MY World Mexico.
pamela.cruzm@gmail.com

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