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Migration

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

von Rayna Breuer

In Kürze

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind besonders verletzlich und schutzbedürftig: Kinder im Idomeni-Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind besonders verletzlich und schutzbedürftig: Kinder im Idomeni-Flüchtlingslager an der griechisch-mazedonischen Grenze.

Sie stellen eine gesonderte Flüchtlingsgruppe dar, die eines besonderen Schutzes bedarf. Ihre Herkunftsländer wie auch ihre Fluchtgründe sind unterschiedlich. Doch eins haben sie gemeinsam: Sie sind jung, allein und verwundbar. Unbegleitete Minderjährige sind Kinder und Jugendliche, die das 18. Lebensjahr noch nicht überschritten haben; sie sind von beiden Eltern getrennt und werden nicht von min­destens einer erziehungsbe­rechtigten erwachsenen Person unterstützt.

Es gibt viele Gründe, wieso Kinder flüchten: Krieg, Trauma, Armut, Mangel, Tod. Einige werden auf der langen Flucht von ihren Eltern getrennt. Andere sind Waisen und wollen dem Elend und der Gewalt in der Heimat entkommen; wieder andere begeben sich in die Hände von Schleppern und Schmugglern in der Hoffnung, einen sicheren Ort zu erreichen.

In Mitteleuropa stellen unbegleitete Kinder durchschnittlich zwei bis drei Prozent aller Asylanträge. Zwi­schen Januar und September 2017 kamen über 25 300 Kinder in Griechenland, Italien, Bulgarien und Spanien an, von denen mehr als 14 800 (58 %) unbegleitete und getrennte Kinder waren. Die Zahl stieg im dritten Quartal 2017 gegenüber dem zweiten Quartal 2017 um 33 % (14 800 gegenüber 11 100).

Mehr als 9 800 Kinder wurden 2017 bis Ende September von Griechenland und Italien in andere EU-Länder verteilt. Unter ihnen waren 329 unbegleitete und getrennte Kinder. Der Anteil der Jungen war im Vergleich zu den Mädchen höher (durchschnittlich 7 Jungen pro 3 Mädchen).

Im ersten Halbjahr 2017 war der Großteil der an­tragstellenden minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland 16 oder 17 Jahre alt (ca. 82 %) und männlich (ca. 86 %). Hauptherkunftsländer waren Af-ghanistan (25,2 %), Eritrea (22,3 %), Somalia (10,2 %), Guinea (8,2 %) und Syrien (7,8 %). Die Gesamtschutzquote, also die Quote derer, die ein Recht auf Flüchtlingsschutz hatten, betrug rund 80 %. Die Schutzquote ist gegenüber 2016 (ca. 89 %) leicht gesunken. 2015 haben insgesamt 22 255 Jugend­liche den Asylerstantrag gestellt, 2016 waren es 35 939, und im ersten Halbjahr 2017 waren es gerade mal 5 702.

Zuverlässige Daten über die Anzahl von unbegleiteten Minderjährigen, die in verschiedenen europäischen Ländern ankommen oder sich dort aufhalten, sind oft nicht verfügbar. Die Anzahl der Asylanträge dient als Hinweis auf Trends, liefert aber nicht notwendigerweise eine genaue Zahl. Gründe sind Rückstände in den nationalen Asylsystemen, fortgesetzte Migration oder gar keine Asylantragstellung.

Europol geht von deutlich höheren Zahlen aus: Für 2016 gab die EU-Polizeibehörde an, dass 27 % aller in Europa an­kommenden Flüchtlinge Min­derjährige seien. Und Europol weist darauf hin, dass rund 10 000 dieser in Europa registrierten, unbegleiteten Kinder nicht mehr auffindbar seien. Möglicherweise sind sie bei Verwandten untergekommen – oder sie sind von kriminellen Banden aufgegriffen worden, die diese schutzlosen Min­derjährigen ausbeuten oder zwangsprostituieren.

Mariyana Berket von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sagt, dass „unbegleitete Minderjährige aus Konfliktregionen die mit Abstand gefährdetste Gruppe unter den Flüchtlingen“ bilden. (rb)

 

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