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NGOs in Konflikten: Guter Wille reicht nicht

Ansgar Klein und Silke Roth (Hg.): NGOs im Spannungsfeld von Krisenprävention und Sicherheitspolitik. Verlag für Sozialwissenschaften, ­Wiesbaden 2007, 456 S., 39,90 Euro, ISBN 978-3-531-15516-6

Die Tätigkeit nichtstaatlicher Organisationen (NGOs) in Konflikten hat sich seit dem Ende des Kalten Krieges stark verändert. Für humanitäre Hilfe steht mehr Geld zur Verfügung als früher, sie wird aber von örtlichen Kriegsparteien missbraucht und immer öfter unter den Bedingungen militärischer Interventionen geleistet. NGOs sind darüber hinaus heute auch in der Konfliktbearbeitung tätig. Das Buch beleuchtet diese Trends und fragt, wie hilfreich oder schädlich die Strategien verschiedener NGOs sind.

Die Artikel fügen sich – wie oft bei Sammelbänden – nicht zu einem Ganzen, sind aber zum Teil sehr nützlich. So fassen Tobias Debiel und Monika Sticht wichtige Trends unter humanitären NGOs zusammen. Sie weisen auf die Vorherrschaft einiger großer NGOs und auf die Gefahr hin, sich von Kriegsparteien oder Interventionstruppen in Dienst nehmen zu lassen. Der Artikel empfiehlt den Organisationen eine Rückbesinnung auf ethische Normen, mehr Transparenz und eine selbstkritische Evaluation ihres Handelns. Brigitte Fahrenhorst kritisiert das Vorgehen vieler NGOS in der Konfliktbearbeitung. Sie bemängelt zum Beispiel, dass sie oft ohne genaue Analyse des Konflikts vorgehen und kaum den Staat in den Blick nehmen.
Weiterführend ist auch die Fallstudie von Jens Matthes. Er schildert, wie im Südsudan ein UN-Hilfskonsortium die Rebellen auf die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu verpflichten suchte. Das habe die Umsetzung dieses Rechts in lokale Normen befördert, in der Praxis aber nur wenig bewirkt, weil die reformbereiten Kräfte unter den Rebellen an Boden verloren haben. Das Konsortium habe den innovativen Ansatz ohnehin eher als Mittel zum Schutz der Nothilfe betrachtet und weniger als Versuch, langfristig die Achtung der Menschenrechte im Rebellengebiet zu stärken. Es seien deshalb nicht alle Chancen ausgereizt worden, die Rechte stabil zu verankern. Besser als viele theoretische Abhandlungen in dem Buch macht diese Fallstudie klar, zu welcher Gratwanderung nicht­staatliche Hilfsorganisationen in Konflikten gezwungen sind.

Bernd Ludermann