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Migration

Menschenhandel bekämpfen

von Peter Strack

In Kürze

Die patriarchale Kultur fördert Menschenhandel in Lateinamerika: Prostituierte in Guatemala.

Die patriarchale Kultur fördert Menschenhandel in Lateinamerika: Prostituierte in Guatemala.

Arme Migrantinnen aus Bolivien oder anderen lateinamerikanischen Ländern werden leicht Opfer von Menschenhändlern. Eine Reihe von Initiativen versucht, das Problem und seine Ursachen anzugehen.

Der Wunsch, die wirtschaftliche Situation zu verbessern, ist bei 90 Prozent der bolivianischen Frauen und Jugendlichen das Hauptmotiv dafür, dass sie nach Argentinien, Chile oder Spanien migrieren. Doch bei mehr als der Hälfte der Betroffenen war die daheim erlittene Gewalt der zweitwichtigste Grund zum Auswandern. Das berichtete die Sozialarbeiterin Sandra Condori kürzlich auf dem IV. Lateinamerikanischen Kongress gegen Menschenhandel in La Paz. Sie ist selbst vor 20 Jahren von Bolivien nach Argentinien ausgewandert und unterstützt dort heute ihre Landsleute.

Condori bedauert, dass viele Auswanderer Opfer von Menschenhändlern werden. Sie warnt zwar vor Verallgemeinerungen, etwa dem Klischee, dass alle Bolivianer, die in Buenos Aires eine Kleiderproduktionswerkstatt einrichten, dort ihre Landsleute ausbeuten. Doch gerade Frauen, die in ihrer Familie Gewalt erleiden, seien besonders gefährdet, von Menschenhändlern betrogen zu werden, sagt sie. Deshalb sei die Bekämpfung innerfamiliärer Gewalt ein wichtiger Beitrag zur Vorbeugung von Menschenhandel.

Jhoel Ibarra arbeitet für die Nichtregierungsorganisation CEADL, ein Mitglied des Bolivianischen Observatoriums gegen Menschenhandel, das Studien zum Thema in ländlichen und Grenzregionen durchgeführt hat. Ibarra weist auf den Zusammenhang zwischen einer patriarchalen Kultur und dem Handel mit Frauen hin. Besonders markant sei dies in Regionen, in denen Bodenschätze ausgebeutet würden, wie im Bergwerks- und Erdgassektor. Die Beschäftigten seien vorwiegend Männer. Die Frauen hingegen hätten mit den ökologischen Folgen, etwa Wassermangel und Krankheiten, zu kämpfen.

Als Beispiel nennt er einen Fall indigener Guaraní-Frauen im Chaco. Da dort jetzt nach Erdgas gesucht werde, verwehrten ihnen Wachmannschaften, ihr eigenes angestammtes Territorium zu nutzen. Dieses habe ihnen früher als Nahrungsquelle gedient. Nicht wenige Guaraní-Frauen landeten angesichts fehlender Einkommensalternativen in der Prostitution. Laut Ibarra seien Frauengruppen der Guaraní entstanden, die für die Rückgewinnung ihres Landes kämpfen. Die Grundlage dafür sähen sie in der Rückgewinnung der Kontrolle über ihre Körper.

Eine Mitschuld für die Situation im Chaco gibt Ibarra der Politik. Diese gebe der ertragreichen Ausbeutung der Rohstoffe den Vorrang vor der menschlichen Entwicklung. Dabei könnten politische Entscheidungsträger mehr tun. Die Gesetzeslage in Bolivien sei inzwischen gut, finden Menschenrechtsexperten. Und man habe auch Einrichtungen und Spezialabteilungen geschaffen, um den Menschenhandel zu bekämpfen. Doch den staatlichen Stellen fehle es am Personal und am Willen, die Gesetze umzusetzen.

Die Nichtregierungsorganisation Infante aus Cochabamba verbindet den Kampf gegen innerfamiliäre Gewalt mit Aktionen gegen Menschenhandel und kämpft besonders auch gegen kommerzielle sexuelle Gewalt an Kindern. Vor rund 15 Jahren hatte Infante als bolivianische Koordinationsinstanz der Internationalen Kampagne gegen Kinderhandel (ICACT) den Menschenhandel im Land überhaupt erst zum Thema gemacht. Miguel Gonzalez von Infante wertet fehlende Fachlichkeit als ein großes Problem. Fortbildungen der zuständigen Behörden liefen ins Leere, weil das Personal manchmal im Dreimonatsrhythmus ausgewechselt werde. Die Gründe dafür seien oft parteipolitisch statt fachlich.

Auf dem Kongress wurde deutlich, dass sich die inzwischen große Zahl unterschiedlicher staatlicher wie privater Initiativen, national wie international noch zu wenig koordinieren. Nötig sei ein aktuelles Register aller lateinamerikanischer Länder mit Aufgaben und Kontaktdaten, forderte eine argentinische Teilnehmerin. Dann könnte man in konkreten Fällen viel einfacher grenzüberschreitende Hilfe organisieren.

Peter Strack

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