D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Bio-Höfe

Großes Potenzial in ­Europas ärmstem Land

von Eduard Nedelciu

Hintergrund

Hektar, auf denen in Moldawien Ökolandbau betrieben wird

Hektar, auf denen in Moldawien Ökolandbau betrieben wird

Die Biolandwirtschaft bietet armen Ländern wichtige Vorteile. Sie produziert auf umweltfreundliche Weise hochwertige Güter. Sie beschäftigt viele Menschen, erfordert aber keinen teuren Input. Moldawien nutzt diese Chancen.

Die Republik Moldau ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von nur 2136 Dollar pro Kopf das ärmste Land Europas, noch hinter der Ukraine und Albanien. Im länd­lichen Raum leben 42 Prozent der Menschen in Armut. In Kleinstädten gilt das für 28 Prozent und in Großstädten für 14 Prozent.

Die Agrarregionen haben derweil auch ernsthafte ökologische Probleme:

  •  Auf mehr als 40 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen sind die Böden heruntergewirtschaftet.  
  •  Agrochemikalien und Gülle verunreinigen das Wasser.
  •  Pestizide gefährden Menschen und das Ökosystem.
  •  Wasserreservoirs sind eutroph.

 Der Klimawandel wird extreme Wetterereignisse voraussichtlich häufiger werden lassen.

Moldawien ist ein Agrarland, aber dennoch ist die Landwirtschaft zu einem unsicheren Wirtschaftszweig geworden. Die Gründe sind wachsende Umweltprobleme, politische Instabilität und geringe Investitionen. Die Folgen für die Wirtschaftsentwicklung und die Menschen sind gravierend. Im Jahr 2007 vernichtete eine lange Dürreperiode rund 70 Prozent der Getreideernte. Das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) schätzte den Gesamtschaden auf 1 Milliarde Dollar.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Die Biolandwirtschaft ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen (Grafik). 2009 brachte der Export von Bioprodukten rund 48 Millionen Dollar ein, das entsprach elf Prozent der Agrar­ausfuhren. Zum Vergleich: Die Ukraine mit 20-mal größerer Landesfläche kam nur auf 36 Millionen Dollar Erlöse aus Bio-Exporten. Die meisten moldawischen Bioausfuhren gehen in die EU. Auf Deutschland entfielen im Jahr 2009 rund zwölf Prozent. Derweil wurden 15 000 Tonnen Bioprodukte in Moldawien selbst an Endverbraucher vermarktet.  

Unter den ehemaligen Sowjet­republiken hat Moldawien den am weitesten entwickelten Biosektor. Der kommerzielle Erfolg beruht dabei auf kluger Politik und kompetentem Staatshandeln. Die Regierung hat eine Strategie zur Förderung der ökologischen Land­­­wirtschaft und des Handels mit ihren Produkten. Sie will die heimische Nachfrage stärken und neue Exportmärkte erschließen. Ihren Plänen zufolge sollen 2020 rund 150 000 Hektar Land öko­logisch bewirtschaftet werden.  
Öffentlich-private Partnerschaften und ausländische Hilfe für den Ökolandbau haben sich als wertvoll erwiesen. Zum Beispiel wurde das Projekt EcoAgriNet im Jahr 2011/2012 vom Joint Operational Programme der EU für Rumänien, Moldawien und die Ukraine finanziert. So entstand ein grenzüberschreitendes Netzwerk zur Förderung der Biolandwirtschaft. Eine weitere wichtige Initiative ist die Bauernschule, die in Balti vom Selectia Forschungsinstitut, der Agrarfakultät der örtlichen Universität und der zivilgesellschaflichen Organisation AO Pro Cooperate Regional geführt wird. Sie vermittelt interessierten jungen Landwirten Wissen und Informationen. Viele von ihnen nutzen die neuen Einsichten bereits und erzielen damit gute Ergebnisse.

Die ökologische Landwirtschaft eröffnet der armen Landbevölkerung Moldawiens neue Chancen. Sie macht es möglich, gute Erträge zu erwirtschaften und gleichzeitig die Umweltzerstörung aufzuhalten. Die Politik der moldawischen Regierung ist stimmig und Unterstützung durch die EU willkommen. Die Pro-Europa-Haltung der Regierung ist dabei sicherlich hilfreich.