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Senegal

Mehr Energie aus Wasser, Wind und Sonne

von Mansour Dahouenon, Annette von Lossau

Hintergrund

Kohleverkäufer in Dakar: Kohle soll im Senegal nicht mehr nur in Privathaushalten für Wärme sorgen, sondern auch ein geplantes Großkraftwerk befeuern.

Kohleverkäufer in Dakar: Kohle soll im Senegal nicht mehr nur in Privathaushalten für Wärme sorgen, sondern auch ein geplantes Großkraftwerk befeuern.

Der Senegal hat ein großes Potenzial zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Dies wird bislang kaum genutzt. Die entsprechenden Gesetze dafür sind vorhanden, die Umsetzung scheitert aber unter anderem an fehlenden Einspeisungstarifen.

Der Senegal leidet seit Jahren unter einer unzureichenden Stromversorgung. Dazu kommt die schlechte Stromqualität mit schwankender Spannung und schwankender Frequenz. Das hat zur Folge, dass ans Netz angeschlossene Geräte und Maschinen unter Umständen zerstört werden, auf jeden Fall aber eine deutlich kürzere Lebensdauer als normal haben. Dies ist ein echtes Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und eine Tatsache, die viele Investoren abschreckt. Denn, wer zuverlässig Strom haben will, muss sich ein Backupsystem oder womöglich gleich seine eigene Energieversorgung aufbauen. So machen es beispielsweise der Zuckerproduzent CSS und die Erdnussfabrik SONACOS.

Dabei könnte Strom aus erneuerbaren Energien wie Sonne, Wind und Wasser einen großen Teil des Bedarfs decken. Denn das Land hat ein beträchtliches Potenzial – vor allem im Solarbereich liegt es afrikaweit betrachtet im oberen Drittel. An den Küstenregionen könnte im Rahmen regionaler Kooperationen Strom aus Windkraft gewonnen werden, an den Flüssen Senegal und Gambia aus Wasserkraft.

Aufgrund dieser guten Rahmenbedingungen unterstützt die deutsche Entwicklungspolitik seit nunmehr über zwei Jahrzehnten den Ausbau der erneuerbaren Energien im Senegal; seit fünf Jahren liegt darauf sogar einer der Schwerpunkte. Zum einen unterstützen deutsche Experten die Senegalesen bei der ländlichen Elektrifizierung und helfen insbesondere bei der Errichtung von Inselsystemen zur dezentralen Elektrifizierung. Zum anderen beraten deutsche Entwicklungspolitiker die senegalesische Regierung bei der Schaffung verbesserter Rahmenbedingungen zur Nutzung erneuerbarer Energien.

 

Unvollständige ­Rahmenbedingungen

Dies hat dazu beigetragen, dass der Senegal inzwischen die Weichen für eine bessere Nutzung der erneuerbaren Energien gestellt hat. Im Jahr 2010 verabschiedete die Regierung ein entsprechendes Rahmengesetz, in den Folgejahren erließ sie dann die dazugehörigen Umsetzungsverordnungen und gründete eine nationale Agentur für erneuerbare Energien. Ihre Hauptaufgabe ist es, entsprechende staatliche und private Projekte umzusetzen und Gelder für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Senegal zu mobilisieren.

Die senegalesische Regierung ist ihrem Ziel, 20 Prozent ihres Strombedarfs bis zum Jahr 2020 aus erneuerbaren Energien zu decken, aber noch keinen Schritt näher gekommen. Bislang wurde keines der geplanten Vorhaben in die Tat umgesetzt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Es fehlen noch Anreizmechanismen, um in neue Anlagen zu investieren. Vor allem ist die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Ener­gien in das Stromnetz der SENELEC, der staatlichen Stromversorgungsgesellschaft, nicht gelöst. Ein entsprechendes Dekret, das sich derzeit im Ministerrat zur Abstimmung befindet, soll dies ändern.

Was ebenfalls noch fehlt, ist die Höhe und Ausgestaltung der Einspeisungstarife für Strom aus erneuerbaren Energien in das Leitungsnetz der SENELEC. Derzeit lässt die EU Energieinitiative entsprechende Modelle, auch für Verträge zwischen Stromproduzenten und Energieversorgungsunternehmen, erarbeiten. Von den Firmen, die ihr Interesse an neuen Stromanlagen bekundeten, wurden 70 durch ein staatliches Komitee zugelassen. Diesem Verfahren ging allerdings keine Ausschreibung voraus. Kritiker werfen der Regierung daher Intransparenz vor.

Einer, der versucht, die erneuerbaren Energien in seinem Land voranzutreiben, ist Louis Seck. Er war bis 2012 der zuständige Minister für erneuerbare Energien und ist jetzt der Westafrika-Koordinator der Initiative „Climate parliament". Ziel dieser Initiative ist es, senegalesische und andere afrikanische Parlamentarier dafür zu gewinnen, Blockaden im Energiesektor aufzuheben. Denn nach Meinung von Seck übe der Staatspräsident zu wenig Druck aus, um die Situation zu klären. So sieht es auch Secou Sarr, der Leiter der senegalesischen Nichtregierungsorganisation ENDA Energie. Daher sei es Aufgabe der Zivilgesellschaft, Lobbyarbeit für eine Energiewende im Land zu machen. Dafür biete „Climate parliament" einen interessanten Ansatzpunkt.

Ursache für die fehlende Dynamik im Energiesektor sei vor allem die fehlende langfristige Perspektive in der Energiepolitik und die „enge Problemanalyse" der Verantwortlichen, meint Secou Sarr. Klimaschutz sei derzeit kein Thema für die Regierung, auch wenn sie die Klimarahmenkonvention unterzeichnet habe. Dieser fehlende Blick über den Tellerrand habe auch zur Folge, dass die Regierung die Möglichkeit einer Querfinanzierung erneuerbarer Energien mit Geldern aus der internationalen Klimafinanzierung derzeit nicht in Erwägung ziehe, beklagen Sarr und Seck.

 

Mit Kohlekraft aus der Misere

Im Senegal dominiert nach wie vor die Stromerzeugung aus Erdöl, und das bedeutet eine starke Abhängigkeit vom Rohölpreis. Der ist in den vergangenen Jahren um das Zehnfache gestiegen, was sich aber nicht an den Verbraucherpreisen für Strom widerspiegelt. Zwar wurden sie nach oben angepasst, doch nicht in dem Maße, dass es kostendeckend wäre. Für eine Kilowattstunde bezahlt der Verbraucher im Schnitt 18 Eurocent. Sie liegt damit rund ein Drittel allein unter den Erzeugungskosten der SENELEC. Zu diesen kommen noch weitere Kosten hinzu, beispielsweise für die Stromverteilung. Die betragen im Senegal fast zehn Eurocent pro Kilowattstunde, das ist fast doppelt so viel wie in Deutschland. Die Differenz zwischen Erzeugungs- und Abgabepreis wird über staatliche Subventionen aufgefangen. Dafür gibt der senegalesische Staat jedes Jahr Millionen von Euro aus. 2011 waren es zum Beispiel rund 150 Milliarden CFA-Franc (rund 228 Millionen Euro), das entsprach laut Internationalem Währungsfonds etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Diese Situation hat nicht nur auf die Unabhängigkeit des Landes bei der Energieversorgung fatale Auswirkungen, sondern auch auf die Handlungsfähigkeit der SENELEC. Sie ist hoch verschuldet und hängt am Tropf des Staatshaushalts. Dringend benötigte Investitionen in die Energieproduktion, den Ausbau der Infrastruktur und die Erneuerung des überalterten Kraftwerkparks sind für den Energieversorger unmöglich.

Um die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern, ist jetzt in Sendou ein Kohlekraftwerk geplant. Der entsprechende Vertrag ist bereits mit dem koreanischen staatlichen Energieversorgungsunternehmen KEPCO unterzeichnet. Das moderne Kraftwerk, das von der Afrikanischen Entwicklungsbank finanziert wird, soll 2017 ans Netz gehen. Es liegt etwa 35 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Dakar an der Atlantikküste.

Auch wenn das Land selbst keine Kohlevorkommen hat und die Kohle aus Südafrika importieren muss, könnte, so meinen Fachleute, der hier erzeugte Strom stabilisierend auf die Energieversorgung und eine wirtschaftliche Konsolidierung des Stromsektors wirken.

 

Energieziel weiter anstreben

Trotz des relativen Stillstands beim Ausbau der erneuerbaren Energien, sind immerhin zwei konkrete Projekte im Senegal in Planung: ein Windpark mit
130 Megawatt und ein Solarkraftwerk von einem privaten Investor mit einer Leistung von 140 Megawatt. SENELEC soll voraussichtlich zehn Eurocent pro Kilowattstunde für den Strom aus dem Solarkraftwerk bezahlen, so viel ist bisher bekannt. Das bedeutet, die Kosten für diesen zugekauften Strom sind für die SENELEC deutlich niedriger als für den selbst erzeugten Strom. Sowohl der Windpark als auch das Solarkraftwerk sollen Ende 2016 ans Netz gehen.

Will der Senegal sein Energieziel erreichen, müssen vor allem die Rahmenbedingungen für die privaten Stromerzeuger endgültig und verlässlich geklärt werden. So muss neben der fehlenden Tarifverordnung die bislang auch noch fehlende Verordnung zur zollreduzierten Einfuhr von Komponenten für Kraftwerke zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien verabschiedet werden. Die Genehmigungsverfahren für die Stromproduktion müssen ebenfalls verlässlich geregelt werden. Mindestens ebenso wichtig sind klare und transparente Ausschreibungsverfahren für private Investoren.

Ein nicht zu vernachlässigendes Problem im Senegal ist das fehlende Know-how im Umgang mit erneuerbaren Energien. Zum Beispiel erfordert die Einspeisung dezentral erzeugter Energie in das Netz ein anderes als das bisherige Netzmanagement. Da die Erfahrung fehlt, ist die Unsicherheit bei der SENELEC groß. Ein anderes Problem ist der Zustand des Leitungsnetzes und die insgesamt fehlenden Leitungskapazitäten. Das könnte ein Hindernis beim massiven Ausbau der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien sein, sei laut Experten aber technisch möglich. Um solche praktischen Fragen zu klären und den Verantwortlichen die Unsicherheit zu nehmen, begleitet die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) das Energieministerium in Dakar in einem engen Dialog.

Um dauerhaft ein günstiges Klima für Investitionen in erneuerbare Energien zu schaffen, ist auch eine verstärkte Lobbyarbeit von der Gebergemeinschaft, aber auch der Privatwirtschaft auf hoher politischer Ebene wichtig. Parallel dazu sollte sich die Zivilgesellschaft stärker in den öffentlichen Diskurs einbringen und so das Interesse von Bevölkerung und Politik stärker auf die erneuerbaren Energien lenken. Zudem wäre vorteilhaft, wenn der Staat die Privatwirtschaft in den Dialog mit einbeziehen würde. Zusätzlich nötig ist, dass alle Geber an einem Strang ziehen. Die Stärkung der Geberkoordinierung ist zurzeit Aufgabe der Afrikanischen Entwicklungsbank. Das könnte auch bei der Mobilisierung von Geldern für die Erzeugung der erneuerbaren Energien helfen.

 

Annette von Lossau  ist Seniorfachplanerin im Bereich „Ländliche Entwicklung und Agrarwirtschaft" bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
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Mansour ­Dahouenon ist Koordinator des GIZ-Projekts „Förderung eines klimafreundlichen Stromverbundes in Westafrika".
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