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Sommer-Special

Geschlechter-Stereotype vorführen

von Franz Bertenbreiter

In Kürze

La Malinche, die Übersetzerin und Geliebte des Eroberers Hernán Cortés, ist eine von vielen Frauen, die in El Eterno Feminino mitspielen.

La Malinche, die Übersetzerin und Geliebte des Eroberers Hernán Cortés, ist eine von vielen Frauen, die in El Eterno Feminino mitspielen.

Die Rolle der Frau hat sich in der Geschichte immer wieder verändert. Die Art und Weise, wie wir die Geschlechter heute sehen, ist ganz anders als in der Vergangenheit. In ihrem belustigenden und fabelhaften Stück aus dem Jahr 1974 hat die mexikanische Feministin Rosario Castellanos alle Vorurteile über Frauen vorgeführt. Dieser Beitrag gehört zu unserer Sommer-Spezial-Reihe, in der wir in der Rubrik "In Kürze" Ferienliteratur empfehlen. Von Franz Bertenbreiter

Besonders in Lateinamerika waren und sind die Geschlechterrollen aufgeteilt. Männern wird eine starke patriarchale Rolle zugesprochen. Frauen hingegen werden als das schwache Geschlecht betrachtet, das sich um die Belange der Familie kümmert. Der Vater soll der Brotverdiener sein, der das Geld heimbringt, während die Mutter sich um Kinder und Haus kümmern soll. Deshalb verkörpern Männer Stärke und Frauen Gefühle. Irgendwann begannen die Frauen selbst an diese Stereotypen zu glauben. Castellanos Komödie beschäftigt sich mit diesem Thema. Es beginnt an einem Ort, der vorwiegend von Frauen besucht wird: einem Schönheitssalon. Ein Händler versucht der Besitzerin des Salons eine neue, innovative Maschine zu verkaufen. Diese lässt die Kundinnen Träume erleben, während sie ihnen die Haare trocknet. Die Hauptdarstellerin des Theaterstücks Lupita ist das Versuchskaninchen, an der die Maschine getestet wird. Lupita möchte sich für ihre Hochzeit verschönern lassen, die in wenigen Stunden stattfindet.

Lupita hat jedoch allerlei unangenehme Träume. Sie erlebt darin übersteigert alle Phasen eines typischen Frauenlebens. Erst heiratet sie und lebt mit ihrem Mann. Dann wird sie schwanger. Ihre Mutter berät sie in allen Phasen der Schwangerschaft und rät ihr, den Traditionen zu folgen, die sie von ihrer Mutter gelernt hat. Am Schluss ist die Hauptdarstellerin von der Richtigkeit dieser archaischen Verhaltensnormen überzeugt. Schließlich gibt sie dieselben Konventionen an ihre Tochter weiter und rät ihr die Schule zu verlassen, um ihr Leben der Ehe zu widmen, so wie Lupita es auch getan hat, weil Frauen für ihre Männer leben. Jahre später findet Lupita heraus, dass ihr Mann sie betrügt und sie bringt ihn um. Ihre Tat macht sie berühmt und Menschen auf der ganzen Welt bewundern sie dafür, dass sie eine unkonventionelle Frau ist. Im Alter ist sie aber einsam, offensichtlich wegen ihres rebellischen Verhaltens. Die Träume machen Lupita Angst und sie wacht verärgert auf.

Lupitas Frisur ist noch nicht fertig und sie muss ihr Haar noch weiter trocknen, deshalb benutzt sie die Maschine noch einmal. Dieses Mal sieht sie ein Theaterstück, in dem einige wichtige Frauen mitspielen. Das Stück beginnt mit der christlichen Entstehungsgeschichte aus Sicht von Eva, die in satirischer Weise dargestellt wird. Die auftretenden Personen sind wichtige Frauen der lateinamerikanischen Geschichte wie zum Beispiel La Malinche, die Übersetzerin und Geliebte des Eroberers Hernán Cortés, Carlota, die Frau von Kaiser Maximilian von Mexiko und die berühmte mexikanische Schriftstellerin Sor Juana Inés de la Cruz. Jede Figur erzählt ihre Geschichte und erklärt, warum sie wichtig war. Dieser Traum endet, weil es einen Stromausfall gibt.

Weil Lupitas Frisur immer noch nicht fertig ist, muss sie schließlich eine Perücke tragen. Es gibt eine breite Auswahl und jede Perücke repräsentiert ein weibliches Stereotyp. Als Lupita die Perücken trägt, wird sie in verschiedene Situationen versetzt. Sie wird beispielsweise eine Prostituierte, dann die Geliebte eines verheirateten Mannes oder eine berühmte Wissenschaftlerin.

Castellanos Stück zeigt die Bedeutung der Frauen in der Gesellschaft auf einfache und lustige Weise. Die Autorin glaubt an einen Wandel, an echte Gleichstellung statt Sexismus. Sie möchte uns die Ungerechtigkeit vor Augen führen, die Frauen Hunderte von Jahre erleiden mussten und will uns dazu anregen, diesen Zustand zu ändern. Der einzige Weg um Veränderung zu erreichen ist sinnlose Traditionen über Bord zu werfen. Denn Frauen und Männer sind gleich und beide verdienen den gleichen Respekt.

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