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Unser Standpunkt

Weshalb die SDGs nötig sind

von Hans Dembowski

Meinung

Dorfschule in Sambia.

Dorfschule in Sambia.

Armutsbekämpfung ist eine vielschichtige Angelegenheit. Es ist wichtig, dass alle Menschen genug Essen bekommen, aber es geht um mehr.

Grundsätzlich muss das Familieneinkommen allen Mitgliedern einen würdigen Lebensunterhalt ermöglichen. Obendrein sollen erwachsene Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Armutsbekämpfung bedeutet also, denen Lebenschancen zu eröffnen, die bislang keine haben.

Nur wo breite Mehrheiten Möglichkeiten sehen, wirtschaftlich voranzukommen, gibt es soziale Inklusion. Andernfalls erzeugt Ungleichheit nur Frustration. Wie Chancengerechtigkeit zu schaffen ist, ist politisch umstritten. Laut Markt-Orthodoxie schaden zwar staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen; die Erfahrung lehrt aber, dass alle erfolgreichen Industrienationen Märkte mit sozialpolitischen Mitteln stabilisieren und ergänzen. Sie gewähren allen Bevölkerungsgruppen Schutz vor Not und sichern sogar in gewissem Maß den sozialen Status. Im Rahmen kompetenter Regulierungen entfaltet sich derweil die Wirtschaft – und auch Umweltschutz würde es ohne stimmige staatliche Vorgaben nicht geben. Etablierte Industrienationen haben jedenfalls Sozialstaaten mit den typischen Grundpfeilern:

  • allgemeiner Zugang zum Gesundheitswesen,
  • kostenfreie Schulbildung,
  • Renten- und Arbeitslosenversicherung und
  • materielle Grundsicherung für alle.

Dass der Sozialstaat der USA vergleichsweise schwach entwickelt ist, ist kein Gegenbeweis. Tatsächlich sind die Chancen dort besonders ungleich verteilt. Zum Beispiel ist die Lebenserwartung niedriger als in EU-Ländern, wobei reiche US-Bürger im Schnitt deutlich länger leben als arme. In den USA ist auch die Kindersterblichkeit höher als in vielen anderen wohlhabenden Ländern. Das liegt vor allem daran, dass viele Familien aus benachteiligten Schichten keine Krankenversicherung haben.

Soziale Inklusion und Armutsbekämpfung stehen weit oben auf der UN-Agenda 2030 mit den Nachhaltigkeits-Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDGs). Es gibt im Gesundheits- und Bildungswesen vielerorts Fortschritte, und auch Grundsicherungsmodelle kommen voran. Existenzielle und relative Armut bereiten aber weiterhin Probleme – und fast überall wächst die Ungleichheit. Letzteres trifft auf Länder mit niedrigen Einkommen ebenso zu wie auf solche mit hohen. Das liegt mit daran, dass marktradikale Politiker Sozialpolitik pauschal diskreditiert haben. Als legitim gilt oft nur noch, was Märkte von selbst produzieren. Die Trendsetter von Sozialabbau und Deregulierung waren Margaret Thatcher und Ronald Reagan in den 1980ern. Ihr Vorbild wurde vielfach kopiert, und die Schere zwischen Arm und Reich klafft nun in vielen Industrienationen weiter auseinander.

In der Theorie lösen Märkte alle Probleme. Wäre das im wirklichen Leben so, brauchten wir aber keine SDGs. Der informelle Sektor ist per Definition unreguliert und unterliegt nur dem Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wer von ihm abhängt, bleibt aber meist in Armut gefangen. Märkte verteilen Chancen nun mal nach Kaufkraft. Damit alle im Leben Chancen bekommen, ist kluge Politik nötig – und der aktuelle Weltentwicklungsbericht der Weltbank enthält dazu stimmige Vorschläge (siehe Beitrag hierzu). Sie können zur Erreichung der SDGs beitragen.


Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
[email protected]

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