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Bangladesch

Mehr als 50 Prozent unter dem Marktpreis

von Zafrullah Chowdhury

In Kürze

GK-Dialyezentrum in Dhaka.

GK-Dialyezentrum in Dhaka.

Die zivilgesellschaftliche Organisation Gonoshasthaya Kendra (GK) hat in Dhaka ein neues Dialysezentrum eröffnet. Es soll Patienten mit Nierenversagen erschwinglichen Zugang zu diesem lebensrettenden Verfahren verschaffen, wie GK-Gründer Zafrullah Chowdhury erläutert.

Wie kommt es zu Nierenversagen?
Diabetes und Bluthochdruck können dazu führen, aber das können auch Hauterkrankungen in der Kindheit, Nierenentzündungen, häufiger Wechsel von Antibiotika oder kontaminierte Lebensmittel. Das Risiko besteht auch, wenn jemand sehr viel Schmerzmittel nimmt. Die Nieren sind kleine, faust-große Organe, die das Blut reinigen. Wenn sie versagen, braucht der betroffene Mensch Dialyse, und dafür sind große Maschinen nötig. Das Verfahren ist einfach und rettet Leben, aber es ist auch teuer und langwierig. Patienten brauchen wöchentlich drei Sitzungen à vier Stunden.

Wie viele Patienten sind in Bangladesch auf Dialyse angewiesen?
Rund eine Million – und jedes Jahr kommen weitere 50 000 hinzu. Viele können sich die Behandlung aber nicht leisten. Private Kliniken verlangen pro Sitzung 3000 bis 8000 Taka. Das entspricht etwa 30 bis 80 Dollar. Jede Woche ist zudem ein Zusatzmittel zur Stärkung von Hämoglobin nötig, und das kostet weitere 1800 Taka. Alle drei Monate muss das Blut untersucht werden, wofür nochmal 3000 Taka verlangt werden. Es fällt vielen Familien schwer, das Geld aufzubringen. Irgendwann verkaufen sie ihr Land oder ein Haus, aber dann gehen ihnen die Mittel doch aus, und die Patienten kommen nicht mehr zur Dialyse. Das ist ein Todesurteil. Bei uns hängen Menschen von ihren Angehörigen ab, denn Bangladesch hat kein nationales Gesundheitssystem, das – wie in Iran, Taiwan oder Britannien der Fall – alle Menschen versorgen würde.

In Deutschland haben wir dafür die gesetzlichen Krankenkassen.
Genau – und Bangladesch bräuchte auch solch ein System. Stattdessen kopieren wir das amerikanische Vorbild privater Krankenversorgung. Multilaterale Institutionen wie die World Health Organization (WHO) oder die Weltbank achten zu wenig auf die ökonomischen Bedingungen im Gesundheitswesen. Meiner Meinung nach sollten sich europäische Regierungen für die Art von staatlichen Gesundheitssystemen einsetzen, die in ihren eigenen Ländern so gut funktionieren. Wir stehen vor einer doppelten Herausforderung. Gesundheitsdienstleistungen müssen nicht nur angeboten werden; sie müssen auch erschwinglich sein. Die Dynamik des freien Marktes leistet das nicht. Um alle Menschen abzusichern, ist Solidarität, nicht Wettbewerb erforderlich. Was nichtübertragbaren Krankheiten angeht, müssen wir darüber Bereitstellung und Bezahlbarkeit langfristig sichern. Wenn Sie an Diabetes oder Bluthochdruck leiden, müssen Sie Ihre Pillen Ihr ganzes restliches Leben lang täglich nehmen. Das ist etwas anderes als ein paar Tage lang ein Antibiotikum zu schlucken. Wer Dialyse braucht, braucht sie jeden zweiten Tag. Das zu ermöglichen, ist eine riesige Aufgabe.

Welchen Beitrag leistet GK dazu?
Wir haben in unserem Krankenhaus im Zentrum von Dhaka ein neues Dialysezentrum eingerichtet, um in vier Schichten täglich insgesamt 400 Patienten zu behandeln. Aktuell behandeln wir täglich 215. Einige reisen von weither dafür an, bis zu 400 Kilometer weit. Wir verlangen weniger als die Hälfte des Marktpreises. Unsere Raten liegen zwischen 800 und 3000 Taka. Wir arbeiten mit Quersubventionen, um arme Menschen versorgen zu können. Unsere eigenen Kosten belaufen sich auf 2000 Taka und wir rechnen damit, dass sich unsere Investitionen innerhalb von drei Jahren amortisieren werden.

Wie Ihr Kollege Rezaul Haque vor einem Jahre in E+Z/D+C (e-paper 2017/05) ausgeführt hat, betreibt GK eine nichtstaatliche Krankenversicherung, die wohlhabende Menschen mehr zahlen lässt, um auch schlechter gestellte Menschen versorgen zu können. Wer so abgesichert ist, zahlt dann je nach Einkommensgruppe auch pro konkreter Dienstleistung unterschiedliche Raten. Dadurch, dass Sie Ärzte sparsam einsetzen und sich stark auf Paramedics stützen, senken Sie die Kosten. Im Gegensatz zu kommerziellen Anbietern legen Sie auch keinen großen Wert auf Profitmaximierung. Doch obwohl Ihr Zentrum für Südasien sehr groß ist, ähnelt seine Arbeit angesichts des Bedarfs einem Tropfen im Ozean. Sie versorgen von hunderttausenden Patienten, die Dialyse brauchen, nur ein paar hundert. Und selbst 800 Taka sind für die ärmsten in Bangladesch sehr viel Geld.
Das stimmt, und wir versorgen deshalb 25 besonders arme Patienten gratis. Richtig ist auch, dass GK nicht alle Gesundheitsprobleme in Bangladesch lösen kann. Wir tun unser bestes und setzen beispielhaft um, was möglich ist und entsprechend auch geschehen muss. Wir wollen auch unsere Dienstleistungen dezentralisieren und planen zwei kleinere Dialysezentren in Sylhet und Rangpur. Das Zentrum in Dhaka soll zudem weiter ausgebaut werden.

Wie finanziert GK solche Großinvestitionen?
Bisher sind keine ausländischen Geldgeber involviert. Wir werden von örtlichen Unternehmen und Philanthropen unterstützt. Der deutsche Hersteller der besten Dialysemaschinen hat mir die Geräte zudem zu günstigen Konditionen verkauft. Das könnte und sollte allerdings alles einfacher laufen als bisher. Wenn Sie industrielle Maschinen nach Bangladesch einführen, zahlen sie ein Prozent Steuern. Für medizintechnische Geräte werden mindestens 31 Prozent verlangt. Philanthropische Spenden sind bei uns auch nicht von der Steuer absetzbar. Es gibt viele Schwierigkeiten, aber Spenden sind selbstverständlich immer willkommen – auch aus Deutschland und anderen reichen Nationen, wenn Menschen dort uns unterstützen wollen.


Zafrullah Chowdhury ist der Gründer von Gonoshasthaya Kendra (GK), einem nichtstaatlichen Gesundheitsversorger in Bangladesch.
[email protected]

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