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Lebensmittel

Sicherheit „vom Feld bis auf die Gabel“

von Philippe Bacac

Meinung

Hygiene ist in der gesamten Wertschöpfungskette wichtig.

Hygiene ist in der gesamten Wertschöpfungskette wichtig.

Metro Cash & Carry ist ein internationales Großhandelsunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. Seine Kunden sind Gewerbetreibende und Selbständige, beispielsweise aus Einzelhandel, Restaurants und Hotels. Metro benötigt qualitativ hochwertige Produkte und muss die Lebensmittelsicherheit gewährleisten. Um dies in Vietnam zu tun, schult die lokale Metro Cash & Carry-Tochter nicht nur ihre Mitarbeiter, sondern auch Zulieferer und Kunden. Philippe Bacac, der Landesgeschäftsführer von Metro Cash & Carry Vietnam, hat Hans Dembowski in einem Interview die Sachlage erläutert.

Warum brauchen Landwirte, die Ihrem Unternehmen Gemüse und Obst verkaufen, spezielle Schulungen?

Metro Cash and Carry hält in allen Ländern, in denen wir tätig sind, strenge Qualitätsstandards ein. Das gilt auch für Vietnam. Wir wollen unseren gewerblichen Kunden immer qualitativ hochwertige Agrarprodukte zur Verfügung stellen. Dafür sind wir gern bereit, unsere breite Expertise und unser Knowhow über Nahrungsmittelsicherheit und -qualität mit lokalen Landwirten zu teilen – und zwar für die gesamte Lieferkette. 2002 begann Metro Cash & Carry Vietnam zusammen mit internationalen Agenturen und der vietnamesischen Regierung in verschiedenen Private Public Partnerships (PPPs) zusammenzuarbeiten. Diese zielen darauf, die Qualität von Agrarprodukten zu verbessern und ein modernes Vertriebssystem mit ununterbrochener Kühlkette zu schaffen. Unsere Schulungen helfen den Bauern, höherwertige Produkte zu liefern, die Produktion zu steigern, die Kosten zu senken und Nach-Ernteverluste zu reduzieren. Entsprechend steigen auch die Einkommen der Bauern, die meist Kleinproduzenten sind. Dank dieser Maßnahmen können wir sichere Nahrungsmittel mit hoher Qualität für den Bedarf unserer gewerblichen Kunden anbieten.

 

Was bringen sie denn den Kleinbauern bei?

Wir haben Kurse über die sichere Produktion von Obst und Gemüse sowie Fisch angeboten. Wir schulen die lokalen Erzeuger in verschiedenen Dingen - von Anbaumethoden über die Behandlung nach der Ernte bis hin zur Rohstoffverarbeitung. Ziel ist, die gesamten Arbeitsprozesse internationalen Qualitätsstandards anzupassen. Dazu gehören etwa die Good Agricultural Practices (GAP), die zu den am breitesten anerkannten Standards für Lebensmittelsicherheit gehören. Bauern, die eine Zertifizierung haben, profitieren davon normalerweise, weil diese ihren Zugang zum heimischen Markt und Exportmärkten verbessert.

 

Unterstützen Sie die Bauern auch noch auf andere Weise?

Über die Schulungen für Bauern arbeiten wir mit diversen Interessengruppen zusammen, um die Kleinproduzenten in ein modernes Vertriebssystem zu integrieren. In Vietnam haben wir im zentralen Hochland und im Mekong-Delta Zentren für die Sammlung, Verarbeitung und Verteilung von frischem Gemüse und Fisch eingerichtet. Sie dienen dazu, die Produktion stärker an die Marktnachfrage anzupassen. Zugleich verbessern sie für lokal erzeugte Produkte die Vertriebseffizienz.

 

Was haben die Bauern davon?

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • verbesserte Produktqualität und höhere Produktivität, weniger Verluste nach der Ernte wegen des besseren Umgangs mit der Ware und schnellerer Lieferung an den Markt,
  • stabile, regelmäßige Einkommen dank größerer, Nachfrage-getriebener Bestellungen in einem modernen Vertriebsnetzwerk sowie
  • geringere Kosten für Mittelsmänner und höhere Effizienz in der Lieferkette.

 

Inwiefern profitieren Ihre Kunden und die Endverbraucher?

Unser Großhandelsmodell unterscheidet sich vom Einzelhandel. Wir wollen gewerbliche Kunden bedienen, wie beispielsweise Restaurants, Imbisse, Lebensmittelläden, Bürokantinen, Handwerker und diverse Institutionen. Anstatt direkt an den Endverbraucher zu verkaufen, agieren wir als Schnittstelle zwischen unseren gewerblichen Kunden und den Bauern, Produzenten und sonstigen Zulieferern. Wir verkaufen professionellen Abnehmern Produkte von verlässlicher Qualität, und wir teilen mit ihnen unser Wissen über Lebensmittelsicherheit und Hygiene, um sicher zu stellen, dass sie selbst in ihren Firmen die nötigen Standards einhalten. Davon profitieren dann auch die Endverbraucher. Wir sorgen für Hygiene und Nahrungsmittelsicherheit „vom Feld bis zur Gabel“. Außerdem sorgen wir für niedrige Marktpreise, weil wir Mittelsmänner umgehen. Wir stellen sicher, dass die Verbraucher Qualitätsprodukte zu günstigen Preisen bekommen.

 

Wer sind die Bauern, die Ihnen zuliefern? Was für Höfe haben sie?

Die meisten unserer Schulungsteilnehmer sind lokale Bauern mit kleinen und mittleren Höfen, sowie Lebensmittel verarbeitende Produzenten aus verschiedenen Provinzen Nord-, Zentral- und Südvietnams. Sie bauen Obst und Gemüse an; manche betreiben auch Aquakultur-Fischzucht.

 

Weshalb brauchen Ihre Kunden Schulungen? Was bringen Sie denen bei?

Wir können die Qualität und die Sicherheit der Lebensmittel in unseren eigenen Großmärkten garantieren. Um allerdings Hygiene über die gesamte Lieferkette hinweg sicherzustellen, ist ein weiterer Schritt nötig. Unsere Kunden im Lebensmittelbereich müssen wissen, wie man Nahrung sicher und hygienisch verarbeitet, behandelt und lagert. Anfang 2013 haben wir zusammen mit der DEG, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, und einer Non-Profit-Organisation das Projekt HEALTHY gestartet. Das Ziel ist, die Gesundheit der Menschen zu fördern, indem wir unsere Mitarbeiter, unsere Kunden, unsere Lieferanten und Hochschulstudenten in Fragen der Hygiene und Nahrungsmittelsicherheit weiterbilden. Mit Präsentationen in einer mobilen Küche haben wir in allen unseren vietnamesischen Großmärkten Hotel-, Restaurant- und Catering-Kunden über optimale Hygienebedingungen informiert.

 

Bieten Sie auch ähnliche Schulungen mit Blick auf Fisch?

Ja, seit Ende 2011 arbeiten wir dafür mit dem vietnamesischen Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung und anderen Partnern in einem PPP-Projekt zusammen. Ziel des „Fresh Fish Supply Chain Project“ ist, den vietnamesischen Verbrauchern qualitativ hochwertige Ware zu liefern, die auf nachhaltige Weise produziert wird und internationalen Standards für Hygiene- und Lebensmittelsicherheit entspricht. Nach zwei Jahren Laufzeit hat das Projekt über 400 Aquakultur-Betriebe geschult, deren gesamtes Verkaufsvolumen mittlerweile fast 4000 Tonnen beträgt. Wir haben ein Vertriebszentrum im Mekong-Delta geschaffen, das eine wachsende Rolle spielt. Es sichert die Kühlkette für frischen Fisch im hiesigen Markt. Es schließt die Produzten an eine moderne Handelsstruktur an, verbessert ihr Einkommen und unterstützt das Wissen über geeignete Erzeugungsmethoden.

 

Weshalb arbeiten Sie in diesem Kontext mit der DEG zusammen?

Wir finden, dass Metro und DEG die gleiche Vision haben, nämlich zu einer nachhaltigen Entwicklung der hier lebenden Menschen und ihrer Gemeinschaften beizutragen. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit, gemeinsam daran zu arbeiten, die Lebensqualität unserer Kunden, Mitarbeiter und allen Lieferanten zu steigern und dabei auch die Umwelt und die Gesellschaft, in der wir leben, zu schützen.

 

Philippe Bacac leitet Metro Cash and Carry Vietnam (MCC VN). Das Unternehmen betreibt 19 Großmärkte. Die KfW-Tochter DEG (Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) arbeitet mit Metro Cash & Carry Vietnam bei der Fortbildung von Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden in Sachen Hygiene und Lebensmittelsicherheit zusammen. Das Programm wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziell unterstützt.

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