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Geringe Gebühren

Privater Profit, öffentlicher Verlust

von Hans Dembowski

Meinung

Titel des Global Campaign for Education Reports.

Titel des Global Campaign for Education Reports.

Manche Ketten von gewinn­orientierten Privatschulen behaupten, sie dienten benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Experten zivilgesellschaft­licher Organisationen lehnen deren Geschäftsmodelle, die auf geringen Schulgebühren beruhen, ab. Der bekannteste Anbieter solcher Schulen ist Bridge International Academies aus den USA.

Die Global Campaign for Education ist ein Dachverband zivilgesellschaftlicher Organisationen. Mit redaktioneller Unterstützung von Oxfam und Action Aid veröffentlichte sie 2016 eine Studie mit dem Titel „Private profit – public loss“. Ihr zufolge sind gewinnorientierte Schulen mit niedrigen Gebühren keine angemessene Antwort auf die Grundschulkrise, die viele Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen plagt. Ein Fazit lautet: „Weitere Investitionen in Privatschulen mit niedrigen Gebühren wären ein gefährliches Experiment, das eine Generation der ärmsten Kinder der Welt ihrer besten Chance, im Leben Erfolg zu haben, berauben könnte – mit langfristigen Folgen für das öffentliche Bildungswesen.“

Die Fachleute räumen ein, staatliche Schulen seien in vielen Ländern ihren Aufgaben nicht gewachsen. Das liege allerdings an unzureichender Finanzierung. Folglich fordert der Bericht höhere Steuern und eine Finanzpolitik, die ausreichende Investitionen ermöglicht, um die Leistungsfähigkeit von Schulen sicherzustellen. In Ländern mit hohen Einkommen funktioniere das öffentliche Bildungswesen nämlich meist gut und diene der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung.

Die Autoren halten es für ein Alarmzeichen, dass in entwickelten Ländern nur fünf Prozent der Grundschüler private Einrichtungen besuchten, die entsprechende Quote in Entwicklungsländern aber 13 Prozent betrage. Derweil sei der öffentliche Sektor in einigen Ländern wie Taiwan, Thailand und Luxemburg dem privaten sogar überlegen. Anderswo seien Privatschulen oft nicht gut, sondern nur nicht so schlecht wie dysfunktionale und vernachlässigte Staatsschulen.

Bridge ist dem Bericht zufolge nicht die einzige problematische Schulkette. Genannt werden auch Omega in Ghana und APC auf den Philippinen. Ähnliche Marken gäbe es auch in Südafrika und Nigeria. In reichen Nationen erwarte niemand, dass die Ärmsten Geld für Privatbildung ausgäben. Ihnen müssten öffentliche Dienstleistungen gratis zur Verfügung stehen. In vielen Entwicklungsländern gelte das erst recht, denn die Staatsfinanzen stützten sich häufig auf Verbrauchs- und Mehrwertsteuern, die zu einem erheblichen Anteil von armen Menschen bezahlt würden.

Die Experten werteten empirische Untersuchungen aus und stellten fest, dass die Schulketten mit niedrigen Gebühren viele Erwartungen nicht erfüllten. Sie seien beispielsweise für die Ärmsten nicht erschwinglich. Betroffene Familien hätten oft viele Kinder und könnten auch niedrige Gebühren nicht für alle bezahlen. Viele Eltern würden zudem eher Geld für ihre Söhne als ihre Töchter ausgeben. Kinder mit Behinderungen würden erst recht vernachlässigt.

Generell wird angenommen, Privatschulen sein innovativer und hätten bessere Lehrer. Auch das stimmt dem Urteil der zivilgesellschaftlichen Experten nach nicht. Länder mit niedrigen Einkommen hätten ohnehin nicht genügend ausgebildete Pädagogen, und an den Schulen der Billigketten hätten Lehrkräfte oft gar keine Ausbildung. Es verschärfe die Probleme, dass deren Geschäftsmodelle auf Standardisierung und Skalenvorteile abzielten, was moderner, lernendenzentrierten Pädagogik offensichtlich widerspreche.

Privatschulen sind aus Sicht der Autoren kein Mittel der Armutsbekämpfung. Ihr Urteil lautet: „Das Versagen öffentlicher Bildungsinstitutionen ist nicht systemimmanent, sondern kann mit ausreichender Finanzierung, starken Konzepten und politischem Willen behoben werden.“


Link
Global Campaign for Education, 2016: Private profit – public loss.
https://www.campaignforeducation.org/en/2016/06/29/private-profit-public-loss/

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