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Reform

Langsam, aber nachhaltig

von Dagmar Wolf

In Kürze

Cotton is Mali’s most important export good

Cotton is Mali’s most important export good

Die Modernisierung des Baumwollsektors kam in Mali nur zögerlich in Gang, bezieht jetzt aber alle wichtigen Beteiligten ein. Eine Studie des Overseas Development Institute (ODI) betont, Geberinstitutionen müssten sich auf örtliche Akteure und Eigenheiten eines Landes einlassen. Es gehe nicht nur darum, Hindernisse möglichst schnell zu überwinden. Von Dagmar Wolf

Die Studie entstand im Rahmen des Africa Power and Politics Pro­gramme (APPP). Unter dem Titel „Cotton Sector Reform in Mali: Explaining the Puzzles“ analysiert Renata Serra anhand der politischen, ökonomischen und sozialen Faktoren die Ursachen für die – im Vergleich zu anderen Ländern Westafrikas – nur langsam voranschreitenden Reformen in der Baumwollwirtschaft Malis.

Baumwolle ist Malis wichtigstes Exportgut. Laut einem OECD-Papier von 2006 hängt ein Viertel der Bevölkerung von diesem Wirtschaftszweig ab, der etwa acht Prozent zum BIP beiträgt. Obendrein treibt das Baumwollgeschäft, wie Serra ausführt, die Modernisierung der Landwirtschaft generell an. Es schafft also einerseits Einkommen für die Elite (Beamte, Angestellte und Politiker), trägt andererseits aber auch zu weitgefächerter Entwicklung und somit zur Armutsreduzierung bei. Der Baumwollsektor in Mali ist folglich mehr als ein wichtiger Wirtschaftszweig: Er ist Objekt nationalen Stolzes, eine Basis für die Organisation von Dorfgemeinschaften und Quelle symbolischen und kulturellen Kapitals.

Entsprechend dieser doppelten Bedeutung des Baumwollsektors gibt es zwei unterschiedliche Reformansätze:
– Erstens wird er als separate und autonome Branche gesehen, die möglichst hohe Gewinne erwirtschaften soll. Diesen Ansatz („sector approach“) verfolgen in erster Linie die internationalen Finanzinstitute und die Geber. Sie drängen auf hohe Profitabilität und Unabhängigkeit vom Staat.
– Zweitens wird der Baumwollsektor als integraler Teil eines weitgefächerten ländlichen Entwicklungsprozesses an­gesehen, der für Nahrungssicherheit, Armutsminderung und den Ausbau der ländlichen Infrastruktur wichtig ist. ­Diesen „holistic approach“ vertreten vor allem die einheimischen Interessensgemeinschaften.

Unterschiedliche Sichtweisen führten regelmäßig zu Spannungen. Weltbank und Internationaler Währungsfonds bestanden immer wieder auf ihre eigene ­Reformagenda und knüpften weitere Kredite für Mali an deren Erfüllung. Malis Regierung konnte aber die Position wichtiger Akteure wie der CMDT (Compagnie Ma­lienne du Développement des Textiles) und der Vereinigung der Baumwollproduzenten nicht ignorieren. Um Reformen durchzusetzen, braucht sie die Unterstützung aller Beteiligten.

Um unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden, gründete die Regierung eine Task Force zur Umstrukturierung des Baumwollsektors, die MRSC (Mission de Réstructuration pour le Secteur Coton). Diese sollte in Absprache mit allen Beteiligten Reformvorschläge formulieren, um sowohl die Produktivität dieses Sektors zu stärken, als auch den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern und wirtschaftliches Wachstum anzustoßen. Erst nach vielen Konsultationen und unter Einbeziehung der Baumwollproduzenten kam in Mali ein Reformprozess in Gang, der bis heute andauert.

Der Studie zufolge war es nötig, dass der Reformprozess nur langsam begann, auch wenn das anfangs teuer war. Erreicht wurden dadurch aber Maßnahmen in der Eigenverantwortung („Ownership“) Malis. Die Autorin bestätigt damit, was bereits andere Untersuchungen des Africa Power and Politics Programme postuliert haben, nämlich die Notwendigkeit, über den als „best practices“ bezeichneten Standardansatz hinauszugehen. Diesen Ansatz befolgen die Geber aber in der Regel. Die Bedingungen, die sie stellen, gehen dann auf die spezifischen Gegebenheiten des betroffenen Landes nicht ein. Sie können deshalb die Umsetzung von Reformen sogar blockieren, warnen APPP-Autoren. Das sei der Fall, wenn Regierungen in schwierige Zwangslagen geraten und der Dialog zwischen den ­Akteuren nicht gelingt.

Dagmar Wolf