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Internet

Das Band muss breit sein

von Claudia Isabel Rittel

In Kürze

Data storage: an operator fixing a server at a computer centre in Berlin.

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„Selbst in den kleinsten Entwicklungsländern fragen die Leute heute nicht, ob sie Internet haben oder nicht. Sie wollen lediglich wissen, wie schnell es ist“, sagt Sami Al Basheer Al Morshid, der das Büro für Telekommunikationsentwicklung bei der ITU, einer UN-Sonderorganisation, leitet. Der ITU zufolge haben heute zwei Milliarden Menschen Zugang zum Internet – ob zu Hause oder einem öffentlichen Ort.

Der UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft, der 2003 und 2005 stattfand, hatte das Jahr 2015 als Zielmarke gesetzt. Bis dahin sollten 50 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zum Internet bekommen. Schon jetzt gilt das Ziel erreicht, da zum Beispiel Kinder nicht eingerechnet werden. Gezählt werden Haushalte, in vielen Entwicklungsländern aber auch Internetcafés, Bibliotheken, Schulen und der Arbeitsplatz.

Nicht jeder hingegen, der Zugang hat, nutzt das Internet tatsächlich. Insgesamt taten das laut ITU 26 Prozent der Weltbevölkerung. Und immer mehr Menschen nutzen das Internet über ihr Handy. „Dass heute so viele Menschen ein Mobiltelefon haben, ist in allererster Linie das Verdienst von privaten Unternehmen“, sagt Geraldine de Bastion. Sie ist Beraterin bei newthinking, einer Berliner Agentur für Open-Source-Strategien. So weit die gute Nachricht. Die schlechte ist: Es tut sich ein neuer Graben auf.

Auf der einen Seite stehen dabei diejenigen, die erschwingliche Breitband­an­schlüs­se haben und zahlreiche neue Anwendungen wie Internettelefonie, Videos und andere Dienste nutzen können, die viel Platz in der Leitung brauchen. Auf der anderen Seite sind die, die selbst für einen einfache Modemanschluss mit niedriger Übertragungsrate viel Geld auf den Tisch legen müssen. Denn obwohl die Preise für Internetanschlüsse zwischen 2008 und 2009 in allen ITU-Mitgliedsländern um durchschnittlich 15 Prozent gesunken sind, ist eine schnelle Internetverbindung vor allem in Afrika ein absoluter Luxus, wie der aktuelle Weltbericht zur Telekommunikationsentwicklung ausführt. Ihm zufolge kostet ein Breitbandanschluss in Afrika etwa das 500-fache des durchschnittlichen Monatseinkommens.

Aus ITU-Sicht hat Breitband deshalb Priorität. ITU-Generalsekretär Hamadoun I. Touré hat die Initiative „Build on Broadband“ (Auf Breitband bauen) ins Leben gerufen. Zusätzlich haben ITU und UNESCO gemeinsam eine „Breitbandkommission“ eingesetzt. Unter dem Vorsitz des ruandischen Präsidenten Paul Kagame und dem mexikanischen Telekom-Milliardär Carlos Slim Hélu sollen 30 Personen aus Politik und Wirtschaft bis zum Entwicklungs­gipfel der UN im September Vorschläge
erarbeiten.

„Inzwischen wird vor allem über mobiles Breitband nachgedacht, um diese Lücke zu schließen“, sagt Monika Muylkens, die die ITU gelegentlich berät. Das Schlagwort heißt „3GN“ – Netzwerk der dritten Generation. Es steht für Technologien, die Breitbanddienste über Mobilfunkinfrastruktur bereitstellen - die bekanntesten sind UMTS und WIMAX. Die Frage ist nun, welche Technologie tatsächlich als Basisnetz in Frage kommt. Die Antwort ist besonders relevant für die Gegenden, die vom festen Breitband ausgeschlossen sind.

Neben Breitband beschäftigt sich das Büro für Telekommunikationsentwicklung mit einer Reihe anderer Themen. Dazu gehören ressourcenschonende Technologien, Ausbildung oder auch Datensicherheit. „Im Vergleich zu 2005 ist viel erreicht worden“, sagt Muylkens. Generell gehe es heute mehr darum, wie man das Internet nutze, als darum, ob man überhaupt Zugang habe. Die Ansprüche seien gestiegen. 161 von 191 Mitgliedsstaaten hätten bereits eine nationale Strategie, wie sie das Internet nutzen wollen, andere arbeiten gerade daran. „Damit sind die Probleme nicht gelöst“, sagt Meuylkens. Aber es zeige eben, wie wichtig das Thema sei.

Es ist unter Fachleuten unbestritten, dass neue Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) dabei helfen können, die Millenniums-Entwick­lungs­ziele der Vereinten Nationen zu erfüllen. Bildung, Gesundheitsdienste und andere Politikfelder profitieren nämlich von einer guten Anbindung ans Internet. Das war ein Fazit der Weltkonferenz zur Telekommunikationsentwicklung im Juni im indischen Hyderabad. (cir)