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Gesundheitswesen

Westafrika: Gesundheitswesen schon ohne Pandemie überlastet

von Karim Okanla

Heutzutage

Schülerinnen in Cotonou im Mai 2020.

Schülerinnen in Cotonou im Mai 2020.

Anfang Oktober mahnte Benins Gesundheitsminister Benjamin Hounkpatin die Bevölkerung im Fernsehen eindringlich weiter zur Vorsicht wegen Covid-19. Der Appell war begründet. Viele Menschen sind die Schutzmaßnahmen leid.

„Manche glauben, das Virus sei verschwunden, weil die Zahl der Todesfälle niedrig ist“, sagte Hounkpatin. Das sei fatal. Einige pflichten ihm bei. Laut Philosophielehrer Jean-Benoît Akpovi nehmen zu viele die Infektionsgefahr nicht mehr ernst: „Ich beobachte eine eklatante Missachtung von Vorsichtsmaßnahmen. Die meisten Leute tragen keine Masken mehr. Einige waschen sich nicht mal mehr die Hände vorm Essen.“ Er präzisiert: „Ich spreche von Beamten.“

Auch der Jurastudent Hubert Gnonlonfoun von der Universität Abomey-Calavi beklagt verbreitete Ignoranz. „Gewohnheiten lassen sich schwer ablegen“, sagt er. „Ich sehe Leute Hände schütteln, als wäre das Virus besiegt.“ Ihn beunruhigen die steigenden Fallzahlen. Tatsächlich sitzen Leute in Bars, Pubs und Restaurants, wo Bier in Strömen fließt und Afro-Pop dröhnt, dicht zusammen. Sie reißen Witze, lachen laut und klopfen sich auf den Rücken. In ihrer Freizeit wollen die Menschen wohl Spaß, ohne über Gesundheitsrisiken nachzudenken.

An Arbeitsplätzen und in Schulen werden Auflagen dagegen meist eingehalten, Abstandsregeln befolgt und Gesichtsmasken getragen. Benins öffentlicher Sender  ORTB strahlt regelmäßig nützliche Spots aus, die vor Achtlosigkeit und unverantwortlichem Verhalten warnen. 

Im März registrierte Benin die erste offizielle Covid-19-Infektion. Die Politik reagierte schnell mit einem ersten, partiellen Lockdown in den Ballungsräumen für einige Tage. Einige Straßenverkehrsverbindungen wurden eingeschränkt, die Landesgrenzen – und auch der internationale Flugverkehr – teilweise geschlossen. Schulen und Universitäten setzten den Lehrbetrieb aus, öffneten aber später mit neuen Sicherheitsregeln wieder.

Bis zum 22. November registrierte Benin über 2900 Covid-19 Fälle und 43 mit der Krankheit in Verbindung stehende Todesfälle. In einem Land mit über 12 Millionen Einwohnern finden viele, die Zahlen rechtfertigten keine harten Einschnitte. „Warum Panik machen?“, fragt ein junger Mann. „Wir müssen weiterleben.“ Das unsichtbare Virus dürfe das Land nicht im Griff haben.   

Tatsächlich passen die Präventionsmaßnahmen kaum zu Benins Kultur. Menschen sind gewohnt, sich bei jedem Treffen die Hände zu halten und viel zu umarmen. Das Gesundheitswesen ist aber schwach und selbst in guten Zeiten überlastet. Zum Glück verläuft die Pandemie hier vergleichswese mild. Ein Vorteil ist sicherlich, dass die Bevölkerung im Schnitt sehr jung ist – die Hälfte ist jünger als 19 Jahre alt. Doch wo es nur wenig Ärzte gibt, bleibt Heilung oft illusorisch. Deshalb ist Vorbeugen wichtig – und die Warnung des Gesundheitsministers bleibt sinnvoll.


Karim Okanla ist Mediendozent und freiberuflicher Autor in Benin.
[email protected]

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