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Kindheit

Bildung als Schlüssel

von Frank Masanta Jr., Sabine Balk

Hintergrund

Unterricht in der Sun-spring Charity School in Lusaka, Sambia.

Unterricht in der Sun-spring Charity School in Lusaka, Sambia.

Sambia ist ein sehr ungleiches Land. Bis 2014 gehörte es zu den 10 am schnellsten wachsenden Ökonomien Afrikas, aber diese Entwicklung spiegelte sich nicht in höherem Lebensstandard für normale Bürger wider. Das Land rangiert in den Top 10 der ungleichsten Gesellschaften. Zwei Drittel der 17 Millionen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze. Der Bildungsaktivist Frank Masanta Jr. setzt sich für einen Wandel ein, indem er eine Grundschule für benachtei­ligte Kinder, die Sun-spring Charity School, in Sambias Hauptstadt Lusaka betreibt.

Wie hängt Bildung mit sozialem Aufstieg zusammen?
In einer Gesellschaft mit höherem Bildungsstandard gibt es mehr Unternehmen und Innovation, und mehr Individuen arbeiten daran, Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu finden. Außerdem hilft Bildung armen Menschen, einen höheren sozialen Status zu erlangen. Gebildete Menschen erfahren weniger Diskriminierung und haben mehr Chancen im Leben. In Sambia haben wir Pflichtfächer in den Lehrplänen der Primär- und Sekundarstufe. Schüler werden in Grundfächern unterrichtet und lernen Fähigkeiten und ein Verhalten, das ihnen hilft, die soziale Leiter aufzusteigen und eine Wirkung in der Gesellschaft zu erzielen.

Wie gut ist das staatliche Schulsystem?
Nicht gut. Sambia kommt nicht annähernd an die 20 besten Schulen heran. Unser Lehrplan wird zwar als einer der besten in Afrika betrachtet, aber das staatliche Schulsystem ist trotzdem schlecht. Laut der Washingtoner Brookings Institution hinkt der Bildungsstandard in Entwicklungsländern denen der Industrieländer 100 Jahre hinterher. Ein gutes Bildungssystem braucht entsprechende Finanzierung, und die haben wir nicht. Deshalb schicken Sambier ihre Kinder lieber auf Privatschulen.

Was sind die Defizite an staatlichen Schulen?
Sie fördern nicht die Fähigkeiten benachteiligter Schüler, wie solche mit Behinderung. Es gibt Geschlechterdisparitäten und einen großen qualitativen Unterschied zwischen Stadt und Land. Einige Kinder gehen nicht zur Schule, weil der Weg zu weit ist und es keine Transportmöglichkeit dorthin gibt. Und, auch wenn die Regierung eine kostenfreie Grundschulbildung anbietet, gibt es doch versteckte Kosten wie die für Bücher oder Schuluniform oder Testgebühren. Auch diese geringen Kosten machen einen Unterschied, in einem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung von der Kaufkraft von weniger als einem Dollar pro Kopf und Tag lebt. Vielen öffentlichen Schulen fehlt es auch an Fachräumen, Bibliotheken, Möbeln und Computern. Die Lehrer-Schüler-Rate ist unakzeptabel. Es gibt nicht genügend Lehrer, währen die Schülerzahlen immer weiter steigen. Zu einem guten Schulsystem gehören adäquate Ressourcen, qualifizierte und motivierte Lehrer sowie Klassenräume und Bücher für jedes Kind. Die Folge ist, dass fast 90 Prozent der Kinder zwischen sechs und 14 Jahren in Sambia nicht richtig lesen und rechnen können. Arme Kinder, allen voran Mädchen, gehen massenhaft frühzeitig von der Schule ab.

Welche Privatschulen gibt es in Sambia, und wer schickt seine Kinder da hin?
Es gibt zwei Arten von Privatschulen: gewinnbringende und Non-profit-Schulen. Letztere kommen eher den Armen zugute, haben aber einen schlechten Ruf, weil sie finanziell unzureichend ausgestattet sind. Die meisten armen Leute schicken ihre Kinder auf sogenannte Gemeindeschulen. Diese sind privat, verlangen aber nur geringe Gebühren. Manche Arme können sich aber nicht einmal das leisten. Es gibt auch teure, gewinnbringende, vor allem internationale Privatschulen. Sie dienen hauptsächlich den wenigen Privilegierten wie Kindern von Politikern, Unternehmen und ausländischen Diplomaten und ausländischen Gemeinden wie Indern, Weißen oder Chinesen. Einige teure Schulen richten sich nach dem sambischen und/oder dem internationalen Lehrplan.

Wie wichtig ist Englisch als Unterrichtssprache und im Arbeitsleben?
Sehr wichtig. Englisch ist das Tor zu weltweiten Interaktionen. Einer von fünf Menschen auf der Welt spricht Englisch. Es ist Amtssprache in Sambia. Wir haben 72 Sprachen, und deshalb ist Englisch sehr wichtig als sprachliches Bindeglied, sowohl in Schulen, in der Wirtschaft und auch im Allgemeinen. Die Sprache dominiert Politik, Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und die Medien. Ich habe noch keine Website in einer sambischen Sprache gefunden. Im heutigen digitalen Zeitalter können Berufstätige direkt von ihrem Computer und Smartphone die globale Arbeitswelt betreten.

Wie stark hängen Englischkenntnisse von der Familienherkunft und der besuchten Schule ab?
Gut betuchte Familien haben in der Regel hervorragende Englischkenntnisse, während arme Menschen Probleme damit haben. Bei den Reichen kommen die Kinder immer mit Englisch in Berührung, sei es via Internet, Fernsehen, Musik, Filme oder Bücher. In den Schulen, in die sie gehen, werden Englisch oder andere Sprachen wie Französisch gesprochen. Die Reichen schicken ihre Kinder manchmal sogar zu Schulen im Ausland, wo sie ihre Heimatsprache nicht nutzen können. Armen Eltern ist es sehr wichtig, dass ihre Kinder sehr früh Englisch in der Schule lernen.

Welche Sprache benutzen Sie in der Sun-spring Charity School, der von Ihnen gegründeten Gemeindeschule?
Wir nutzen Englisch, aber wir fangen mit Nyanja, einer lokalen Sprache an, die unsere Kinder sprechen, wenn sie zu uns kommen. Sie können kaum Englisch. Deshalb ist unser Ziel, ihnen möglichst schnell gut Englisch beizubringen.

Wie hängt das Einkommen mit formaler Bildung zusammen?
Das Einkommen spiegelt in der Regel die Fähigkeiten und das Wissen einer Person wider sowie ihre beruflichen Entscheidungen. Die Jobchancen und das Einkommen hängen auch von dem erworbenen Bildungsstand ab. Frauen haben in Sambia in der Regel keine oder nur eine geringe formale Ausbildung, und deshalb haben sie schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt und können nur schwer eine formale Anstellung finden. Daher stecken sie häufig in informeller Beschäftigung fest und werden diskriminiert. Berufstätige mit guter formaler Ausbildung haben hingegen gute Einkommen, etwa als Arzt, Anwalt oder Buchhalter. Diejenigen, die die Schule vor dem Abschluss der Sekundarstufe verlassen, haben mit vielen Hürden zu kämpfen. Laut Studien erhöht ein zusätzliches Jahr in der Schule den Verdienst um bis zu zehn Prozent.

Hängen Karriere und sozialer Aufstieg von der Familienherkunft ab?
Ja, Familienkontakte sind sehr wichtig. Die Reichen werden reicher, während die Armen in ihrem Elend feststecken. Nepotismus ist weit verbreitet. Er ist der Krebs, der unsere Gesellschaft zerfrisst und die Werte der Gleichberechtigung aushöhlt.

Welche Chancen haben Ihre Schüler im Leben?
Die Schüler unserer Sun-spring Charity School haben bessere Zukunftsaussichten als andere:

  • Erstens glauben wir in die Kraft der Menschenrechte, von denen Bildung ein fundamentales Prinzip ist.
  • Zweitens ist Vor- und Grundschulbildung notwendig, damit Kinder kognitive Fähigkeiten und rationales Denken entwickeln.
  • Drittens fokussieren wir uns nicht nur auf Lesen und Schreiben, sondern bereiten unsere Schüler auf lebenslanges Lernen und Entwicklungschancen vor. Wir agieren nach dem Motto von Frederick Douglass, einem afro-amerikanischem Sozialreformer aus dem 19. Jahrhundert, der sagte: „Wenn du lesen gelernt hast, bist du für immer frei.“

Welchen Herausforderungen müssen Sie sich stellen?
Wie viele Non-profit-Organisationen, die auf Geber und Freiwillige angewiesen sind, haben wir Finanzierungsprobleme. Aber wir versuchen auf kreative Weise Fördermittel zu akquirieren. Wir achten darauf, fähige und motivierte Lehrer zu bekommen, ohne die wir keine gute Lernumgebung schaffen können. Wir wollen zu sozialer Gleichheit beitragen und tun unser Bestes, um lokale und internationale Akteure zu mobilisieren, um zu ermöglichen, dass kein Kind zurückgelassen wird.

Wer muss was tun, um Ungleichheit zu reduzieren?
Ungleichheit ist ein globales Problem. Es betrifft jeden, und Frauen sind besonders benachteiligt. Regierungen sind hauptsächlich in der Pflicht, Ungleichheit zu reduzieren. Sie müssen das Bewusstsein schaffen, politische Maßnahmen ergreifen und die Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen gewährleisten. Bürger, unabhängige Organisationen und die Wirtschaft haben ebenfalls eine Verantwortung. Sie sollen eine Kultur pflegen, die Inklusion und Chancengleichheit im Alltag lebt. Die sambische Regierung hat sich den Nachhaltigkeits-Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals – SDGs) verpflichtet wie auch ähnlichen Zielen der Southern African Development Community (SADC). Nun muss sie ihre Versprechen umsetzen.


Frank Masanta Jr. ist ein Bildungsaktivist in Sambia. Er hat 2011 die Sun-spring Charity School in Ng’ombe, einem Armenviertel in Lusaka, gegründet und leitet diese auch. Seine Schule bietet Vor- und Grundschulbildung für mehr als 100 Mädchen und Jungen.
[email protected]

Link
Facebook-Seite der Sun-spring Charity School:
https://www.facebook.com/Sun-spring-Charity-School-150168021809120/
 

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