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Streitkräfte

Konfliktpotenzial früh erkennen

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Libyan tank taken over by a rebel group

Libyan tank taken over by a rebel group

Die Sicherheitslage einer Region hängt von vielen Faktoren ab: Feindseligkeiten zwischen Staaten, Grenzstreitigkeiten und Religionskonflikte – aber auch Umweltfragen sind wichtig. Aufgrund des Klimawandels knapper werdende Ressourcen ziehen ernsthafte Sicherheitsfragen nach sich. Von Sheila Mysorekar

Die Folgen des Treibhauseffekts können nur im Kontext beurteilt werden, sei es auf politischer, ökonomischer oder sozialer Ebene. In einem Land, das vor allem von klimaabhängigen Sektoren wie Landwirtschaft oder Tourismus lebt, können langfristige Wetteränderungen zu schweren Einkunftseinbußen führen und in Folge auch zu politischen Unruhen. Es ist jedoch nicht einfach, die Effekte des Klimawandels für eine bestimmte Weltregion vorherzusagen, da weder die Wetterveränderungen noch die vielfältigen und komplexen Faktoren eines einzigen Landes präzise hochgerechnet werden können.

Die Bundeswehr hat ein Dezernat für Zukunftsanalyse. Dessen Wissenschaftler und Sicherheitsexperten beurteilen die politischen Dimensionen des Klimawandels, vor allem in Bezug auf Entwicklungsländer. Weil viele betroffene Nationen hart mit dessen Folgen zu kämpfen haben, erwarten die Experten auch erhebliche Sicherheitskonsequenzen. Ihrer Ansicht nach ist es wichtig, Warnzeichen früh zu erkennen, um Stabilisierungsmaßnahmen einzuleiten – und dazu gehören auch multilaterale Militär­operationen mit UN-Mandat.

Ende Oktober hat das Bundeswehr-Dezernat eine Studie über die Implikationen des Klimawandels im Nahen Osten und Nordafrika (MENA-Länder) veröffentlicht. In der Region herrscht bereits Wasserknappheit, folglich wird sie besonders hart von Klimaveränderungen betroffen sein. Jegliche Destabilisierung kann Folgen für Deutschland und seine Alliierten haben, sagen die Bundeswehr-Experten.

Der Report beschäftigt sich mit drei zentralen Fragen:
– Inwiefern könnte der Klimawandel zukünftig die Stabilität der Länder im MENA-Raum gefährden?
– Welche Folgen ergeben sich aus mög­lichen Destabilisierungspotenzialen für die Sicherheit Deutschlands und seiner Verbündeten?
– Welche Rolle könnten Streitkräfte im Allgemeinen und die Bundeswehr im Besonderen beim Umgang mit solchen sicherheitspolitisch relevanten Entwicklungen spielen?

Die Studie besagt, dass politische Umbrüche wie der Arabische Frühling sich in sehr unterschiedliche Richtungen ent­wickeln können. Die Experten zeichnen eine Reihe regionaler Szenarien für die nächsten 30 Jahre. Darin ziehen sie die Möglich­keit von dynamischen demokratischen Re­gierungen ebenso in Betracht wie even­tuelle Entwicklungshemmnisse. Andere Schlüsselfaktoren, die sie mit einbeziehen, sind beispielsweise Bildung und Urbani­sierung.

Klimawandel wird wahrscheinlich zu mehr Migration führen, sagt die Studie voraus, da mehr Bauern ihr Land verlassen, wenn sich die Bedingungen für Landwirtschaft verschlechtern. Eine der Herausforderungen für die EU wird es sein, die Mi­gration im mediterranen Raum zusammen mit den Regierungen der MENA-Länder zu managen (siehe auch Essay von Steffen Angenendt in dieser Ausgabe).

Die Autoren betonen, dass die Stabilisierung einer Region nicht eine militärische Aufgabe sei, sondern vorrangig eine gesamtgesellschaftliche. Entsprechend erwarten sie auch nicht, dass die Bundeswehr in MENA-Staaten eingesetzt wird, außer um zivile Akteure in einer gefährlichen Lage zu unterstützen. Im schlimmsten Fall, so meinen sie, werde ein einflussreiches Land wie Ägypten zu einem undemokratischen System zurückkehren, und eine Welle ähnlicher Rückfälle könnte in anderen MENA-Staaten folgen.

Um Konflikten vorzubeugen, ist laut Studie der richtige Weg, die generelle ­Stabilität der MENA-Länder zu stärken. Es werden mehrere Schlüsselfaktoren aufgezählt, bei denen Deutschland und Europa den arabischen Ländern helfen können, zum Beispiel Nahrungssicherheit, Wasser und landwirtschaftliche Entwicklung, Wirtschaftswachstum, Energie und Infrastruktur, Urbanisierung und soziale Inklusion.

Sheila Mysorekar