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Leichtathletik

Kenianer laufen an die Weltspitze

von Isaac Sagala

Hintergrund

Die kenianischen Athleten Stanley Biwott und Mary Kaitany gewannen 2015 den New York City Marathon.

Die kenianischen Athleten Stanley Biwott und Mary Kaitany gewannen 2015 den New York City Marathon.

Viele junge Kenianer träumen davon, der Armut durch eine Karriere in der weltberühmten Nationalmannschaft der Langstreckenläufer des Landes zu entkommen. Der Großteil von ihnen stammt aus einer Gegend des Rift Valleys, wo augenscheinlich die besten Voraussetzungen für Leichtathletik bestehen. Der Sport ist jedoch von Doping und Korruption bedroht.

Bei den Olympischen Spielen 1968 lief der Kenianer Naftali Temu das Rennen seines Lebens – ein kräftezehrendes Duell in der Hitze von Mexico City. Er schlug den äthiopischen Läufer Momo Wolde im 10 000-Meter-Lauf um nur 0,6 Sekunden und wurde so Kenias erster olympischer Goldmedaillengewinner. Sein Erfolg inspirierte die ganze nächste Generation des jungen ostafrikanischen Landes, das nur wenige Jahre zuvor seine Unabhängigkeit von der Kolonialherrschaft errungen hatte.

Seitdem dominiert Kenia weltweit die Langstreckenläufe. Vergangenen August in Peking überraschte Kenia traditionelle Leichtathletik-Supermächte wie die USA, Jamaika und Russland, indem es zum ersten Mal bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften die meisten Medaillen gewann. Das Land triumphierte mit sieben Goldmedaillen.

Eine Generation großer Athleten folgt der anderen aufeinander. Ihre Idole sind kenianische Champions wie der Weltrekordhalter über 800 Meter, David Rudisha, und der Meister über 3 000 Meter Hindernislauf, Ezekiel Kemboi.


Zur Schule rennen

Interessanterweise stammen fast 80 Prozent von Kenias erfolgreichen Athleten aus einer einzigen Volksgruppe, den Kalenjin. Die Kalenjins leben im Rift Valley im Westen des Landes. Experten haben verschiedene Theorien entwickelt, um dieses Phänomen zu erklären. Manche sagen, die Kalenjins hätten eine genetische Veranlagung für Langstreckenläufe; andere sind der Ansicht, es sei eine Kombination aus Armut und der Tatsache, dass Kinder lange Strecken zur Schule laufen müssten. Schulen sind in der Regel kilometerweit entfernt, und die meisten Kinder können nur zu Fuß dorthin gelangen.

Die meisten Athleten stammen aus den Städten Iten und Eldoret (siehe Kasten unten). Hier treffen junge Kenianer auf Athleten aus aller Welt, die an diesen Orten trainieren. Bezüglich der Voraussetzungen für zukünftige kenianische Läufer sagt Benjamin Limo, der Gewinner der World Cross Country Championships 1999: „Kinder laufen weite Distanzen zur Schule; so gewöhnen sie sich ans Rennen. Jeder kämpft für ein besseres Leben, für eine Gelegenheit, berühmt zu werden. Aber die Regierung investiert nicht in sie.”

Laut Limo hat das Geschäft mit dem Langstreckenlauf seine eigenen Dynamiken. Es ist eine teure Angelegenheit: Laufschuhe sind hochpreisig, und Trainingseinrichtungen zu buchen ist für viele unerschwinglich. „Du brauchst einen Manager, der dich mit einer Laufschuh-Firma zusammenbringt. Wenn du Preisgeld bekommst, wird Steuer davon abgezogen, zwischen 20 bis 35 Prozent. Der Manager nimmt weitere 20 Prozent. Reisekosten können bis zu 30 oder 40 Prozent deines Einkommens ausmachen. Am Ende bleiben dir vielleicht noch 20 Prozent deines Preisgeldes.”

Obendrein plant die kenianische Regierung, auch das bei internationalen Wettkämpfen gewonnene Preisgeld zu besteuern. „Das ist keine gute Idee”, sagt Limo. „Sie sollten den Sport fördern, indem sie Trainingseinrichtungen von der Steuer befreien. Wenn die Regierung Steuern von uns haben will, sollen sie unsere Grundstücke besteuern, nicht das Preisgeld, für das wir schon im Ausland Steuern bezahlen mussten.”

Es gibt keinen Anreiz seitens der Regierung, um Läufer zu motivieren. Wiederholte Versprechen, überall im Land Trainingszentren zu bauen, sind nicht umgesetzt worden. Aufstrebende Läufer sind auf sich allein gestellt, und die meisten Elite-Athleten fühlen sich zu Hause nicht anerkannt.

Firmen sehen Geschäftsmöglichkeiten in Sportveranstaltungen und verdienen Millionen Dollar mit den Anmeldegebühren. Jeden Monat gibt es Marathons, die von Banken, Telekommunikationsfirmen, Medienhäusern, Molkereien und anderen Firmen organisiert werden.

Nicht jeder, der ein professioneller Athlet werden will, schafft dies auch. Manche, denen es an Talent oder Ausdauer mangelt, versuchen zu betrügen. Vergangenes Jahr erwischten Leichtathletik-Funktionäre einen Läufer, der sich bei einem Marathon auf den zweiten Platz schmuggeln wollte, um 7000 Dollar Preisgeld zu ergattern. Der Läufer hatte sich unter die Zuschauer gemischt und ging erst auf dem letzten Streckenabschnitt ins Rennen.


Doping und Korruption

In jüngster Zeit war die kenianische Leichtathletik von Doping- und Korruptionsvorwürfen belastet. In den vergangenen zwei Jahren sind rund 40 kenianische Athleten positiv auf Dopingmittel getestet worden. Der Weltleichtathletikverband (IAAF) droht damit, das gesamte Leichtathletik-Team von der Olympiade in Rio im kommenden August auszuschließen, wegen Nichterfüllung der Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Kenia wird beschuldigt, Doping zu verschleiern.

Im Zuge von Korruptionsvorwürfen und Anschuldigungen, Anti-Doping-Maßnahmen zu unterlaufen, sind drei leitende Funktionäre vom IAAF vorläufig für 180 Tage suspendiert worden. Den Funktionären wird vorgeworfen, Sponsorengelder veruntreut zu haben, indem sie heimlich fast 700 000 Dollar vom Sportartikelhersteller Nike eingesteckt hätten.

Dutzende Athleten stürmten vergangenen November das Gebäude des kenianischen Leichtathletik-Verbandes Athletics Kenya und forderten die leitenden Funktionäre in einem Sit-in dazu auf, wegen der Korruptions- und Missmanagement-Vorwürfe zurückzutreten.

 

Isaac Sagala ist Journalist und Radiotrainer. Er lebt in Nairobi, Kenia.
[email protected]

 

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