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Entwicklungsfinanzierer

Größere Märkte, größere Chancen

von Christiane Laibach, Hans Dembowski

Hintergrund

Textilarbeiterin in einer nigerianischen Fabrik, die mit DEG-Geld unterstützt wird.

Textilarbeiterin in einer nigerianischen Fabrik, die mit DEG-Geld unterstützt wird.

Freihandel ist für Entwicklung wichtig. DEG-Vorstandssprecherin Christiane Laibach erläutert die Gründe.


Weshalb brauchen Entwicklungsländer eine liberale Welthandelsordnung?
Die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass Exporte für Industrialisierung und Wohlstandsentwicklung immer wichtig waren. Ausfuhren führen zu mehr Arbeitsplätzen und zusätzlichen Einkommen. Das war bei der Entwicklung der Industrieländer so, und das ist auch heute noch so.

Selbst ein bevölkerungsreiches Land wie Bangladesch mit doppelt so viel Einwohnern wie Deutschland braucht für das Wachstum seiner Textilwirtschaft den Zugang zu internationalen Märkten. Liegt es daran, dass wegen weitverbreiteter Armut die inländische Nachfrage nicht stark genug ist?
Die Inlandsnachfrage spielt für Wirtschaftswachstum sicherlich eine wichtige Rolle. Viele Entwicklungsländer sind sehr klein, und ihre Wirtschaft ist kaum diversifiziert. Das ist in Afrika besonders der Fall. Kleine Märkte bieten generell weniger Chancen – das gilt nicht nur für den Konsumgüterabsatz, sondern für sämtliche Produkte und Dienstleistungen. Dass der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland stark ist, liegt auch daran, dass die Binnennachfrage nach diesen Gütern hier stark ist. Je größer die Märkte sind, desto größer sind die Chancen.

Die Welthandelsorganisation (World Trade Organization – WTO) verliert derzeit rasant an Ansehen. Bieten Regionalorganisationen wie etwa die EAC (East African Community) oder die ECOWAS (Economic Community of West African States) zusammen mit den Handelsabkommen, die sie mit der EU geschlossen haben, ausreichend Schutz für die Mitgliedsländer?
Ein zoll- und quotenfreier Marktzugang zu den EU-Märkten ist natürlich sehr wertvoll. Die Erfahrung lehrt, dass der Zusammenschluss zu regionalen Märkten die ökonomischen Aussichten für alle Beteiligten verbessert. Regionalabkommen sind wichtig, aber der WTO kommt eine starke globale Koordinierungsfunktion zu, die erhalten bleiben sollte.

Und entsprechend sind die Pläne für eine panafrikanische Freihandelszone sinnvoll?
Auf jeden Fall. Gemeinsame Regeln zu beschließen und durchzusetzen ist sicher eine große Herausforderung, und Integration ist keine leichte Aufgabe. Das zeigt auch die Entwicklung der Europäischen Union. Wo das aber gelingt, winken große wirtschaftliche Vorteile. Unter anderem locken regionale Handelsabkommen ausländische Investoren an, denn sie können nun eine größere Nachfrage bedienen. Natürlich verbessern sich auch die Absatzchancen örtlicher Unternehmen, und in dem Maß, wie sie expandieren, brauchen sie selbst auch wieder mehr Arbeitskräfte, Zulieferungen, Betriebsstätten, Dienstleistungen und so weiter. Je weniger Aufwand und Kosten durch Grenzen verursacht werden, desto leichter fällt den Unternehmen zudem die Integration in internationale Lieferketten.

Integration in Lieferketten bedeutet aber doch Unterwerfung kleinerer Unternehmen unter die Interessen multinationaler Konzerne. Ist das wirklich erstrebenswert?
Die Unternehmen erkennen die Chancen, die aus der Zusammenarbeit mit Großunternehmen resultieren. Etwa Technologie- und Know-how-Transfer, wenn sie Teilprodukte zum Beschaffungsprogramm großer, international tätiger Unternehmen beitragen. Integration in Lieferketten bedeutet Anschluss an den Weltmarkt mit riesigen Absatzpotenzialen. Wichtig ist dabei auch zu lernen, internationale Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten, denn das wird zunehmend vorausgesetzt. Wir stellen in Gesprächen mit unseren lokalen Partnern fest, dass die Unternehmer heute sehr viel klarer die Vorteile nachhaltiger Betriebstätigkeit sehen und offener reagieren, wenn wir solche Themen ansprechen.

Welche Art von Unternehmen ist denn für soziale und ökologische Entwicklung besonders wichtig?
Es sind oft mittelständische Familienfirmen. Auch dafür gibt es historische Entsprechungen in den Industrieländern. Familienunternehmen wollen langfristig etwas aufbauen und nicht nur kurzfristig Gewinne maximieren. Sie sind oft auch über ihre Geschäftstätigkeit hinaus ins Community- Building involviert – nicht zuletzt, weil für ihre Betriebe auch ein stabiles Umfeld wichtig ist. Ihnen ist klar, dass es auch auf Bildung und Gesundheitswesen ankommt, wenn sie auf Dauer motiviertes Personal haben wollen. Der wichtigste Punkt ist aber, dass die Privatwirtschaft der Motor für die Schaffung von Arbeit und Einkommen ist. Ohne sie gibt es keine Wohlstandsentwicklung. Wir unterstützen solche Unternehmen nicht nur mit Finanzierungen, sondern bieten auch Beratung zu Themen wie Energieeffizienz, Personalentwicklung oder Corporate Governance. Wir nennen dieses Angebot „Business Support Services“.

Die DEG kooperiert mit Unternehmen aus Entwicklungsländern sowie Europa. Worauf legen deutsche Mittelständler Wert, wenn sie Investitionen zum Beispiel in Afrika erwägen?
Sie interessieren sich immer für das Marktpotenzial und für die örtlichen Rahmenbedingungen. Es geht also um die Zahl der möglichen Kunden und die Kaufkraft, aber auch um Dinge wie Ausbildung, Energieversorgung, Rechtssicherheit (siehe Christiane Rudolph im Schwerpunkt im E+Z/D+C e-Paper 2019/01). Entsprechend begrüßen und unterstützen wir daher auch gerne die Compact-with-Africa-Initiative, die die G20 auf deutsche Anregung hin beim Gipfel 2017 in Hamburg beschlossen hat. Das Ziel ist, die Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft systematisch zu verbessern. Allen Beteiligten ist klar, dass Afrikas Märkte nach wie vor vergleichsweise klein und fragmentiert sind – und dass das für Entwicklung auf Dauer keine gute Grundlage ist.


Christiane Laibach ist Sprecherin der Geschäftsführung der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Die DEG gehört zur KfW Bankengruppe und fördert die Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern.
[email protected]

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