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Rassismus

Tägliche Diskriminierung

von Virginia Mercado

In Kürze

Die einen haben einen kleinen Shop, die anderen einen guten Job. Den Unterschied macht in Mexiko unter anderem die Hautfarbe.

Die einen haben einen kleinen Shop, die anderen einen guten Job. Den Unterschied macht in Mexiko unter anderem die Hautfarbe.

Auch wenn Mexiko kein wirkliches Kastensystem hat, korreliert die Verteilung von Privilegien sehr oft mit der soziokulturellen Herkunft der Betroffenen. Die Mehrheit der Mexikaner nimmt Differenzen zwischen sozialen Klassen wahr sowie Rassismus gegenüber Menschen mit dunklem Teint. Das gehört quasi zur Normalität.

Allerdings hat eine im April dieses Jahres vom Instituto Nacional de Estadística y Geografía (INEGI), einer staatlichen Einrichtung Mexikos für die wirtschaftliche und geographische Datensammlung, veröffentlichte Studie eine Debatte ausgelöst. Für die Befragung benutzte das Institut ein Klassifizierungssystem mit 11 Hautfarbtönen. Den Ergebnissen zufolge gab es einen großen Bildungsrückstand bei Menschen mit dunkler Hautfarbe, während die Befragten mit helleren Hauttönen einen höheren Bildungsstand angaben. Das gleiche Ungleichgewicht ergab sich bei der beruflichen Anstellung: Helle Haut scheint ein Faktor für das Erreichen besserer Arbeitsplätze zu sein.

In den sozialen Netzwerken kochten umgehend die Emotionen hoch. Die einen stimmten den Ergebnissen der Studie zu und hielten sie für Binsenweisheiten. Die anderen sahen in der Befragung den Versuch, die Gesellschaft zu spalten. Augenscheinlich stimmt die Repräsentation der ethnischen Gruppen in den Medien mit den Erkenntnissen überein. Ob die Vorurteile stimmen, ist freilich eine ganz andere Frage.

Ein weiteres Beispiel ist die Sprache, die täglich in Foren und sozialen Medien anzutreffen ist, die sich mit gesellschaftlichen Themen befassen. Die politischen, wirtschaftlichen und intellektuellen Eliten benutzen häufig Adjektive und Zuschreibungen, die eine moralische Überlegenheit ausdrücken sollen. Bestimmte Begriffe – wie etwa „Indio“ – definieren „die anderen“ als wirtschaftlich unterlegen und von dunkler Hautfarbe, um ihre Anliegen zu disqualifizieren und geringzuschätzen.

Umgekehrt entstehen Begriffe, um die Eliten zu beschreiben – teilweise mit kolonialer Konnotation. „Mirrey“ etwa klingt so ähnlich wie „virrey“ (Vizekönig) und bedeutet „Mein Herr“. Das Wort wird für ein Mitglied der privilegierten Klasse verwendet, der er nicht aus eigenem Verdienst angehört, sondern aufgrund seiner Abstammung. Ein „Mirrey“ trägt seinen Reichtum und seinen Einfluss zur Schau und drückt zugleich Verachtung für den sozialen Zustand des Landes aus – ohne freilich anzuerkennen, dass seine Position dessen Folge ist. Ein „Mirrey“ muss sich nicht an die Regeln halten, die für die anderen gelten, und genießt Straflosigkeit, was er auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausnutzt. (vm)

 

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