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Editorial

Langfristig einflussreich

von Hans Dembowski

Meinung

Worker at Indian Tata Steel Works in Jamshedpur

Worker at Indian Tata Steel Works in Jamshedpur

Multinationale Unternehmen sind Riesen, die weit über nationale Grenzen hinaus wichtig sind. Dass ihnen solche Grenzen egal wären, ist aber eine Illusion. Selbst für Banken, deren Branche besonders stark globalisiert ist, bleibt entscheidend, welche Regierung im Notfall einspringt. Das hat die globale Finanzkrise gezeigt.

In vergangenen Jahrzehnten galt als fast selbstverständlich, dass Multis aus Industrieländern kamen und dass deren Wettbewerber aus ärmeren Ländern nicht aufholen würden. Die Herausforderungen schienen zu groß. Doch mittlerweile wächst die Bedeutung von Konzernen aus Schwellenländern in der Weltwirtschaft. Das ist unter anderem eine Folge der Liberalisierungen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO). Fitte Unternehmensführer aus Asien, Lateinamerika und Afrika wittern Chancen – und nutzen sie. Die Multis aus Schwellenländern sind nicht alle gleich. Manche gibt es seit Jahrzehnten, andere sind noch recht jung. Viele, wenn auch nicht alle, haben eine auf Spitzenleistung ausgerichtete Firmenkultur entwickelt, und zwar nicht nur mit Blick auf Gewinne sondern auch in Bezug auf gute Arbeitsbedingungen und Kundendienst. In fremden Kulturkreisen finden sich alle gut zurecht.

Politik bleibt allerdings wichtig. Auch wenn sie nicht regierungsgesteuert sind, profitieren Multis aus Schwellenländern vielfach von staatlicher Unterstützung. Die älteren wurden in der Ära groß, in der Entwicklungsländer ihre Märkte vor internationalem Wettbewerb schützten. Viele Konzerne wurden damals träge und vernachlässigten Innovationen. Diejenigen aber, die ehrgeizig blieben und weiter modernisierten, konnten schnell expandieren als die globale Liberalisierung einsetzte.

Dass die meisten Schwellenland-Multis aus vergleichsweise großen Volkswirtschaften kommen, ist kein Zufall. Heimisches Wachstum ist die Grundlage für internationalen Erfolg. Wenn Regierungen klug agieren, kann regionale Integration auch die Chancen von Firmen aus kleinen Ländern verbessern. Andere Formen staatlicher Unterstützung sind auch wichtig – von billigen Förderbank-Krediten bis hin zum Ausbau geschäftsrelevanter Infrastruktur. Wenn öffentliche Hochschulen die richtigen Fächer unterrichten, finden Konzerne kompetentes Personal. Staatliche Stellen können Rat und Marktinformationen liefern, und Botschaftsangehörige können sich im Ausland für Firmenanliegen einsetzen. Um internationale tätige Unternehmen zu fördern, nutzen Schwellenländer heute dieselben Mittel wie Industrieländer.

Manche Leute meinen, der Erfolg von Aufsteigern aus ärmeren Weltgegenden müsse auf Korruption und Rechtsbrüchen beruhen. Schmutzige Geschäfte mögen durchaus vorkommen, aber in der harten Konkurrenz des Weltmarkts muss ein Unternehmen viel richtig machen, um Erfolg zu haben. Und Multis aus Industrienationen sind auch nicht immer makellos, wie jüngst die Volkswagen-Affäre und davor eine ganze Serie von Bankskandalen bewiesen haben.

Auch wenn sie den Unternehmensriesen aus etablierten Nationen vielfach ähneln, ist der Aufstieg der Multis aus Schwellenländern wichtig. Große Unternehmen setzen Maßstäbe, sie prägen die nationale Politik und sie tragen zur Gestaltung der Globalisierung bei. Derzeit drohen den Schwellenländern konjunkturelle Rückschläge, die sich als schmerzhaft erweisen dürften. Sie werden aber den Aufstieg einiger Großunternehmen nicht beenden. Diese Multis werden sich langfristig als einflussreich erweisen.

 

Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammen­arbeit / D+C ­Development and ­Cooperation.
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