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Erneuerbare Energie

Langer Draht zur Sonne

von Ernst Rauch
Wüsten bieten ein enormes Solar­potential. Laut Greenpeace würden zwei Prozent der Sahara-Fläche reichen, um die ganze Welt mit Strom aus Sonnenkraftwerken zu versorgen. Die Vision vom umweltfreundlichen Wüstenstrom ist alt. Doch nun zeigen große Unternehmen unter Führung des Versicherungsriesen Münchener Rück erstmals Interesse daran, in der Sahara Strom für Europa zu gewinnen. Ernst Rauch, der sich bei der Münchener Rück um Klimafragen kümmert, erläutert die Hintergründe der Investitionspläne in dreistelliger Milliardenhöhe. [ Ernst Rauch ]

Das Konzept für Desertec gibt es schon seit mehreren Jahren. Entwickelt wurde es von einem Netzwerk aus Wissenschaftlern rund um den Club of Rome. Warum beginnt die Umsetzung erst jetzt?
Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen sind die technologischen Voraussetzungen heute viel besser. Nutzt man die Hochspannungsgleichstrom-Übertragung (HGÜ), gehen selbst bei Entfernungen von mehr als 1000 Kilometern nur etwa fünf Prozent des Stroms verloren. Das war früher noch nicht möglich. Außerdem hat sich die politische Diskussion weiterentwickelt und große Unternehmen haben ein viel stärkeres Interesse an erneuerbaren Energien. Deshalb hat sich eben jetzt eine Industriegruppe gefunden, die versuchen will, dieses Konzept wirtschaftlich umzusetzen. Zudem lässt sich Solarenergie heute wesentlich billiger produzieren als noch vor wenigen Jahren.

Die Firmen, die wie Eon, Siemens und die Deutsche Bank ihr Interesse an dem Projekt bekundet haben, kommen größtenteils aus Deutschland. Warum?
Wir haben führende Firmen aus Technologie, Solar- und Energiewirtschaft und der Finanzindustrie aus Deutschland, Europa und Nordafrika eingeladen, sich an der Desertec-Initiative zu beteiligen. Verschiedene Firmen aus Deutschland und ein Schweizer Unternehmen haben schon zugesagt. Außerdem warten wir noch auf Rückmeldungen von Unternehmen aus den nordafrikanischen Ländern. Manche dieser Unternehmen kämpfen aber gerade mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Aber auch nach der Gründung im Juli wird die Initiative für alle interessierten Partner offen sein.

Wer wird denn von dem Projekt profitieren?
Alle. Wir sehen das wirklich als eine Win-Win-Win-Situation. Zum einen soll die regionale und lokale Industrie am Bau der Infrastruktur beteiligt werden. Das verschafft ihr einen ökonomischen Nutzen. Das Konzept sieht außerdem vor, dass ein erheblicher Anteil der erzeugten Energie in den Erzeugerländern verbleibt und damit der wirtschaftlichen Entwicklung zur Verfügung steht. Diese zusätzliche Energie kann auch zur Entsalzung von Meerwasser genutzt werden und so die Knappheit von Trinkwasser lindern, die es vor allem in Nordafrika gibt. Und außerdem wird natürlich Europa profitieren. Langfristig könnte der Sahara-Strom 15 Prozent des Verbrauchs in Europa decken.

Und wie viel Strom soll konkret in den Erzeugerländern bleiben?
Es ist viel zu früh, hier mit Zahlen zu operieren. Aber es besteht Konsens darüber, dass es nicht darum gehen kann, den gesamten Strom nach Europa zu transportieren.

Ab wann wird denn der Wüstenstrom fließen?
Es wird sicher noch Jahre dauern, bis die Vision realisiert ist. Im Moment gehen wir von fünf bis zehn Jahren aus. Am Wichtigsten ist jetzt erst einmal, den politischen und gesetzlichen Rahmen zu klären, um dort investieren zu können. Denn das ist ja eine politisch sehr inhomogene Landschaft. Außerdem sind viele wirtschaftliche Aspekte noch völlig offen.

Welche Rolle spielt denn die Mittelmeerunion für das Projekt Desertec?
Eine ganz wichtige. Momentan sind die Verhältnisse dort zwar relativ schwierig. Aber ohne die Mittelmeerunion oder eine ähnliche Verbindung ist das Projekt nicht umzusetzen. Deswegen haben wir auch die Arabische Liga mit eingebunden. Im Moment ist die Arabische Liga ein sehr wichtiger Kontakt für uns in die Region. Sie wurde schon im Vorfeld eingebunden und wird auch bei der Gründung der Desertec-Industrieinitiative in München mit dabei sein.

Die Fragen stellte Claudia Isabel Rittel.