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Sexuelle Minderheiten

Die LSBT-Brille

von Rebecca Renz

In Kürze

Teilnehmer des Gay Pride Johannesburg.

Teilnehmer des Gay Pride Johannesburg.

Homosexuelle haben es in Entwicklungsländern schwer. In Afrika beispielsweise sind homosexuelle Beziehungen in 38 Ländern strafbar. Konservative Regierungen, religiöse Fundamentalisten und rechte Gruppierungen hetzen gegen sie. Ihr gesellschaftliches Umfeld hält sie oft für krank, kriminell oder pervers.

Sie können ihr Menschenrecht auf sexuelle Orientierung und auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit nicht wahrnehmen. Aktivisten, die sexuelle Minderheiten unterstützen, beklagen eine Verschlechterung der Situation in Afrika, Lateinamerika und Asien.

Auf internationaler Ebene werden verstärkt Maßnahmen ergriffen, um dem entgegen zu wirken. In einer Resolution vom Mai 2014 kritisierte die Afrikanische Kommission der Menschenrechte und der Rechte der Völker gewalttätige Übergriffe auf Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung. Um diesem Missstand im täglichen Leben entgegenzuwirken und die Einstellungen der Menschen zu verändern, brauchen Aktivisten in Entwicklungsländern jedwede Unterstützung, ob finanzieller oder anderer Art. Diese bekommen sie zunehmend von den Entwicklungsorganisationen der reichen Länder.

Bis jetzt wurde diese Art der Unterstützung wenig dokumentiert. Das Deutsche Institut für Menschenrechte und Dreilinden, eine private Stiftung, die die Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt fördert, veröffentlichten kürzlich ihre dritte Studie über die Unterstützung sexueller Minderheiten durch deutsche Organisationen. Mit ihrer ersten Studie zu diesem Thema leisteten sie 2009 Pionierarbeit. Damals unterstützten nur elf der 65 befragten staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen die Rechte sexueller Minderheiten. Laut der aktuellen Studie „Regenbogen-Philanthropie 3“ von 2014 beträgt die Zahl nunmehr 26.

Es ist jedoch noch immer nur eine kleine Zahl von Entwicklungsorganisationen, die Projekte für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle (LSBT) unterstützten. Die Autoren der Studie plädieren dafür, generelle Menschenrechtsfragen nicht von der LSBT-Unterstützung zu trennen. Sie argumentieren weiter, dass Projekte, die die Meinungsfreiheit stärken, auch Homosexuelle einbeziehen sollten, so dass diese ihre sexuelle Orientierung frei leben können. LSBT haben genauso das Recht auf Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit wie alle anderen. Die Wissenschaftler schlagen vor, das Thema durch eine LSBT-Brille zu betrachten.

Die Autoren fordern weiter, dass deutsche Organisationen mehr tun sollten – auch wenn es hinderlich sei, dass in den Ländern, die Homosexualität unter Strafe stellen, die Unterstützung für LSBT untersagt ist. Die Autoren denken aber, dass lokale Organisationen mit ihrem Know-how den deutschen Partnern eine gute Starthilfe bieten könnten.

Die erhobenen Daten ermöglichen es den Autoren, deutsche Aktivitäten mit internationalen zu vergleichen. Während Organisationen aus anderen Ländern verstärkt sexuelle Minderheiten unterstützen, nahm die Höhe deutscher Fördergelder eher ab. Außerdem legten deutsche Organisationen ihre Zahlen nicht genügend offen, so dass Wissenschaftler die Daten nur mühsam sammeln konnten.

Der Studie zufolge floss ein Drittel der deutschen Förderung nach Afrika, mehr als in jeden anderen Erdteil. Das meiste kam südafrikanischen Organisationen für HIV-Vorsorge und Projekten für Transsexuelle zugute. Die Rechtslage in Südafrika ist vergleichsweise fortschrittlich und schützt die Rechte von LSBT. Ein weiterer großer Teil der Gelder ging an internationale Projekte, die nicht auf ein Land beschränkt sind.

Laut Studie sind mehr als die Hälfte aller Organisationen, die LSBT unterstützten, zivilgesellschaftlich organisiert. Doch gehört auch das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu den drei größten Gebern, die 60 Prozent der gesamten Fördersumme stellten. Das BMZ gab 250 000 Euro, Dreilinden 290 000 Euro und die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung, die auf öffentliche Spenden angewiesen ist, 300 000 Euro.

Letztendlich liegt es an den Organisationen, mehr zu tun, um die Lebenssituation von LSBT zu verbessern. Die Autoren der Studie betonen, dass noch viel getan werden muss und mehr Bewusstsein für das Thema geweckt werden muss.

Rebecca Renz

Link:
Regenbogen-Philanthropie 3:

http://www.institut-fuer-menschenrechte.de/uploads/tx_commerce/Regenbogen-Philanthropie-3_barrierefrei.pdf

 

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