D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Entwicklungsfinanzierung

Ungenutztes Potenzial

von Mira Enders

In Kürze

Äthiopien braucht eine bessere Infrastruktur: Landfrauen laufen oft kilometerweit, um Wasser zu holen.

Äthiopien braucht eine bessere Infrastruktur: Landfrauen laufen oft kilometerweit, um Wasser zu holen.

Regierungen afrikanischer Länder tun sich schwer damit, Staatsanleihen an Mitglieder ihrer Diaspora zu verkaufen. Erste Erfolge zeigen aber, dass dieses Finanzinstrument entwicklungsrelevant sein kann. Das nicht-staatliche Südwind-Institut hat dazu eine Studie verfasst.

Viele Menschen, die in der Heimat keine Arbeit finden, suchen ihr Glück im Ausland. Wer dort Geld verdient, schickt meist einen Anteil davon an die Familie zuhause. Weltweit erhalten mehr als 800 Millionen Menschen regelmäßig solche Überweisungen, wie die Südwind-Autoren ausführen. Oft ist dieses Geld die Haupteinnahmequelle. Es wird unter anderem für Arztbesuche, Schulbildung und sonstige Dinge verwendet, die den Lebensstandard verbessern.

2018 flossen so fast 530 Millionen Dollar in Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen. Aus Sicht der Südwind-Autoren könnte das Geld systematischer genutzt werden – wenn es nicht nur der eigenen Familie zugutekäme, sondern größere Entwicklungsprojekte finanzieren würde. Dafür bieten sogenannte Diaspora Bonds eine Möglichkeit: Das sind verzinsliche Staatsanleihen, mit denen Regierungen Geld von Migranten einsammeln.

In ihrem aktuellen Fact Sheet stellt das Südwind-Institut Erfahrungen mit dem Instrument vor. Gut funktioniere es, wenn Migranten heimatverbunden seien und dem Staat des Heimatlandes vertrauen. Dann legen gut verdienende Migranten gern einen Teil ihrer Ersparnisse in Diaspora Bonds an. Auf diese Zielgruppe sollten Regierungen die Werbung für die Anleihen zuschneiden. Indien, Bangladesch, Pakistan, Libanon, Sri Lanka und die Philippinen haben bereits auf diese Weise Entwicklungsvorhaben finanziert, berichtet Südwind.

In Afrika hätten dagegen bisher nur sechs Länder solche Anleihen ausgegeben – mit tendenziell enttäuschenden Ergebnissen. Der Vorreiter sei Äthiopien gewesen, wo die Regierung erstmals 2008 Anleihepapiere an die Diaspora verkaufte. Das Geld sollte zur Finanzierung des Energieunternehmens Ethiopia Electric Power beitragen. Allerdings hätten sich nur wenige Käufer gefunden, denn die Risiken galten als hoch. Der nächste Versuch im Jahr 2011, mit Hilfe eines Bonds den Bau einer Talsperre am Blauen Nil zu finanzieren, sei ebenfalls an Misstrauen gegenüber dem Staat gescheitert.

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed Ali nahm 2018 einen neuen Anlauf. Laut Südwind forderte er Landsleute in der Diaspora auf, dem neuen Ethiopian Diaspora Trust Fund täglich einen Dollar zu spenden, um den Ausbau von Gesundheitswesen und Wasserversorgung zu unterstützen. Der Fonds sollte auch kleine und mittlere Unternehmen subventionieren. Bis Mai 2019 seien nur 4 Millionen Dollar zusammengekommen, berichten die Südwind-Autoren.

Kenia nahm dagegen 2009 mit einer ersten Anleihe umgerechnet 164 Millionen Euro für Projekte im Bereich Verkehr, Energie und Wasser ein, informiert die Studie. Darauf folgten sechs weitere Anleihen, die für alle Investoren, ob aus Kenia oder nicht, offen waren. 2011 sei eine erstmals nur auf die kenianische Diaspora ausgerichtet gewesen, habe aber nur ein Viertel der angestrebten Einnahmen gebracht. Anleihen für Investoren jeglicher Herkunft hätten sich als erfolgreicher erwiesen.

Ein positives Beispiel, wie Diaspora Bonds in Afrika funktionieren können, lieferte Nigeria 2017. Südwind zufolge bereitete die Regierung die Ausgabe vier Jahre lang vor und nahm dann 330 Millionen Dollar für Infrastrukturprojekte ein. Der Staat versucht sich so Unabhängigkeit von Öleinnahmen zu schaffen. Die Ausgangsbedingungen seien günstig gewesen, weil das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas auch die meisten Heimatüberweisungen erhält. 2018 seien es 25 Milliarden Dollar gewesen, was allerdings auch zeige, dass es noch großen Spielraum nach oben gibt.


Link
Südwind-Institut, 2019: Fact Sheet: Unentdecktes Potenzial: Remittances und Diaspora Bonds für Afrika.
https://www.suedwind-institut.de/alle-verfuegbaren-publikationen/fact-sheet-unentdecktes-potenzial-remittances-und-diaspora-bonds-fuer-afrika.html

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren