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Sierra Leone

Wirtschaft im Auf- und Abschwung

von Anne Jung

In Kürze

Der Abbau von Rohstoffen hat die Lebensbedingungen der meisten Menschen nicht verbessert: Diamantenmine im Osten Sierra Leones.

Der Abbau von Rohstoffen hat die Lebensbedingungen der meisten Menschen nicht verbessert: Diamantenmine im Osten Sierra Leones.

Sierra Leone gilt mit seinen fruchtbaren Böden und reichhaltigen Rohstoffen eigentlich als ein reiches Land, in dem sich verbesserte Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen für die Bevölkerung problemlos erfüllen ließen. Der Abbau von Diamanten, Rutil, Gold sowie weiteren Rohstoffen hat jedoch allenfalls die Lebensbedingungen von wenigen Menschen verbessert. Die zwischen Regierung und Unternehmen geschlossenen Handelsvereinbarungen befreiten die Konzerne weitgehend von ihrer sozialen Verantwortung – massive Ausbeutungsverhältnisse, Umweltschäden, Enteignungen und Vertreibungen sind die Folge.

Mit Steuererleichterungen für die Bergbauunternehmen und der großflächigen Veräußerung des Bodens beraubt sich die Regierung sicherer Einnahmequellen und damit der Möglichkeit, für den Zugang zu Gesundheit und Bildung zu sorgen. 2012 waren die Steuererleichterungen für Bergbauunternehmen 15 Mal so hoch wie das Budget für Gesundheit und Bildung (Natural Resource Watch 2015). Hirten, Kleinbäuerinnen, Fischer, Landarbeiterinnen und Nomaden verlieren durch Landgrabbing den für ihre Ernährungsgrundlage wichtigen Zugang zu Land und Wasser und werden in Armut gestürzt.

In den vergangenen Jahren erlebte Sierra Leone einen gewaltigen Wirtschaftsboom, vor allem durch die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor. Auch wenn von den Verbesserungen der Infrastruktur im Straßenausbau oder der Stromversorgung viele im Land profitierten, blieben die Lebensbedingungen der Bevölkerungsmehrheit ebenso prekär wie in den Nachkriegsjahren. Staatliche Institutionen wurden im Zuge des Wirtschaftsbooms nicht gestärkt, die Korruption nahm zu.

Wuchs das Bruttoinlandsprodukt 2013 noch um satte 20 Prozent, sank es 2015 in Folge der Ebola-Epidemie und des globalen Einbruchs der Rohstoffpreise um den gleichen Prozentsatz. Die politische Reaktion anderer Länder auf die Seuche ist in erster Linie für diese katastrophale Entwicklung verantwortlich: „Die von Ebola betroffenen Länder sind in eine vollständige ökonomische und politische Isolation hinabgestoßen worden“, konstatiert die Wissenschaftsjournalistin Laurie Garrett. Infolge des Ebola-Ausbruchs hatten 40 Mitgliedstaaten gegen die ausdrückliche Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eigenmächtig Reisebeschränkungen erlassen. British Airways hatte als erste Fluggesellschaft die Anbindung der Region unterbrochen. Dies verstieß nicht nur gegen die eigentlich bindenden gemeinsamen Vorschriften der Mitgliedsländer der WHO im Epidemie-Fall über Beschränkung von Handel und Reisen, sondern erschwerte auch massiv die Arbeit der Hilfsorganisationen. Regionale und internationale Handelsbeziehungen brachen zusammen, die Preise für Lebensmittel verdoppelten sich mancherorts. Der Rohstoffsektor Sierra Leones, der schon länger unter einem Preisverfall von Eisenerz litt, ist in einen Abwärtsstrudel geraten.


Source
Natural Resource Watch: Report on Sierra Leone.
http://ibissierraleone.org/sites/default/files/media/pdf_global/sierra_leone_pdf/sierra_leone_nrw_final.pdf

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