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KfW

”Die Menschen ins Boot holen“

von Stephan Opitz, Friederike Bauer

Hintergrund

Marine protection is also benefiting traditional fishermen, like this one in Vietnam.

Marine protection is also benefiting traditional fishermen, like this one in Vietnam.

Die Meere sind bedroht: Klimawandel, Müll und Überfischung gefährden die Lebens­grundlagen von Millionen Menschen, vor allem in ärmeren Ländern. KfW-Bereichsleiter ­Stephan Opitz erläutert im Interview, warum sich die KfW inzwischen stärker im ­Meeresschutz engagiert und welche Strategien die größten Erfolge versprechen. Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer KfW-Beilage zu E+Z/D+C .

Bei den Vereinten Nationen hat im Juni die erste internationale Konferenz zu Ozeanen stattgefunden. Hat die Weltgemeinschaft den Handlungsbedarf erkannt?
Das denke ich schon. Bei der Bestimmung der Sustainable Development Goals im Jahr 2015 war der Schutz der Ozeane zunächst gar nicht vorgesehen, wurde erst auf Druck der kleinen Inselstaaten aufgenommen. Jetzt haben wir mit SDG 14 ein eigenes Ziel genau dafür. Und vor kurzem hat die erste globale Ozean-Konferenz in New York stattgefunden. Das sind alles Hinweise darauf, dass sich hier etwas verändert.

Warum hat das so lange gedauert, die Überfischung ist nicht erst seit gestern ein Thema?
Das hat viele Gründe. Anders als auf dem Land sieht man bei den Meeren nicht sofort, was passiert. Weder den Verlust noch den Erhalt. Bei Schutzgebieten an Land kann man Elefanten, Löwen und Pandas anschauen. Mit diesen „Schlüsseltieren“ können wir uns identifizieren; das erhöht den Druck. Nicht so beim Meer; hier liegen die Schätze unter Wasser: Korallen, Seegraswiesen und Fische sind nur zu sehen, wenn man abtaucht. Das macht den Meeresschutz in der Vermittlung schwieriger.

Trotzdem muss dringend etwas unternommen werden.
Ja, das ist die wichtige Botschaft, die wir von der Konferenz in New York mitgenommen haben. Die Meere sind ernsthaft in Gefahr – Stichworte Überfischung, Müll, wirtschaftliche Nutzung – und dagegen müssen wir dringend vorgehen.

Kann man das Ganze überhaupt noch umkehren?
Das hat man sich auch bei Naturschutzgebieten auf dem Land gefragt. Etwa in Amazonien, einem Gebiet, das entscheidend ist für den Klimaschutz. Die Entwaldungsrate sei nicht zu stoppen, hieß es damals. Binnen Jahrzehnten werde es dort keinen Wald mehr geben. Doch genau im Amazonas-Gebiet sehen wir: Die Entwaldungsrate ist zurückgegangen, weil hier – auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit – in vielen Gegenden Schutzkonzepte aufgelegt wurden. Konzepte, die die Menschen mitnehmen, ihnen eine wirtschaftliche Perspektive bieten, ohne den Wald zu zerstören. Das sind Erfolge mit Ansätzen, die man beim Meeresschutz ganz ähnlich anwenden kann.

Wie genau könnte das gehen?
Auch im Meer kann man schnell Wirkungen erzielen: Dort, wo Artenvielfalt respektiert, geschützt und nachhaltig gewirtschaftet wird, erholt sich das Meer erstaunlich schnell. Es ist noch nicht zu spät, aber wir müssen konsequent handeln.

Was muss Ihrer Ansicht nach als Erstes geschehen?
Als Erstes sollten wir bestehende Meeresschutzgebiete funktionsfähig bekommen. Manche Schutzgebiete existieren nur theoretisch; man nennt sie deshalb „paper parks“. Diese Parks so zu gestalten, dass sie Wirkung entfalten, dass sich Fischbestände erholen können, ist wichtig. Im Moment haben wir offiziell rund drei Prozent unter Schutz gestellt; zehn Prozent ist das internationale Ziel. Das heißt, wir müssen bestehende Gebiete aktivieren und neue einrichten.

Wie kann man erreichen, dass dort nicht oder nur so viel gefischt wird, wie erlaubt ist?
Wir müssen die Menschen ins Boot holen. Genau wie an Land. Wir wissen inzwischen: Sobald man irgendwo sogenannte „No-take-zones“ einrichtet und sich mit den örtlichen Fischern darüber verständigt, profitieren am Ende alle. Wichtig ist, dass die Fischer wissen: Hier ist ein Schutzgebiet, hier gelten bestimmte Regeln. Werden sie eingehalten, gibt es mittel- bis langfristig wieder höhere Erträge aus dem Meer.

Viele Fischer sind arm. Brauchen sie nicht einfach heute die Einnahmen, auch wenn sie dadurch weniger verdienen?
Das kann ein Zielkonflikt sein. Aber häufig ist die Situation so, dass Fischer nichts mehr finden, weil alles leer gefischt ist. Sie können sich schon keinen kurzfristigen Vorteil mehr verschaffen und verstehen deshalb genau, dass in Schutzgebieten eine Chance für sie liegt.

Sie sprechen von nachhaltiger Fischerei, gewissermaßen im Kleinen. Häufig kommen aber große Trawler und fischen mit nicht nachhaltigen Fangmethoden die Meere leer. Was kann man dagegen unternehmen?
Moderne Kommunikationsmittel bieten hier inzwischen gute Möglichkeiten zur Kontrolle, etwa mit satellitengestützter Technik. Damit kann man auch die großen Trawler orten und feststellen, welche Schiffe illegal gefischt haben.

Wir sind aber weit entfernt von einem international lückenlosen Kontrollsystem der Weltmeere …
Das gibt es bisher nicht, richtig, und wird auch so bald nicht kommen. Aber die Schutzgebiete besser zu kontrollieren, halte ich für ein wichtiges Ziel.

Ein weiteres Problem ist der wachsende Plastikmüll in den Meeren. Manche hoffen, dass man ihn bald mit schwimmenden Kläranlagen oder riesigen Rüsseln aus dem Wasser ziehen kann. Was sagen Sie zu solchen Ideen?
Ich halte solche technische Lösungen derzeit nicht für aussichtsreich, weil die Partikel sehr klein sind. Außerdem ist der Müll weit verstreut. Unserer Ansicht nach muss man vorher anfangen und versuchen, Müll erst gar nicht ins Meer gelangen zu lassen, durch geordnete Abfall- und Kreislaufsysteme.

Wie stark engagiert sich die KfW im Küsten- und Meeresschutz?
Er macht ungefähr zehn Prozent unserer Aktivitäten im Bereich Biodiversität aus, die wir im Auftrag und mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammen­arbeit und Entwicklung (BMZ) umsetzen. Wir betrachten ihn aber
als aufstrebendes Thema.

Die KfW hat gerade den „Blue Action Fund“ zum Meeresschutz gegründet. Warum?
Mit ihm können wir Projekte schneller, breiter und gezielter umsetzen, weil wir mit großen internationalen Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten. Im Moment verfügt er über ein Stiftungsvermögen von 24 Mio. EUR aus Mitteln des BMZ; wir streben durch weitere Geber ein Volumen in der Größenordnung von 100 Mio. EUR an. Der Bedarf ist da; es ist fünf vor zwölf.

Die Fragen stellte Friederike Bauer.


Stephan Opitz ist Mitglied der Geschäfts­bereichsleitung.


Link
KfW-Beilage in E+Z/D+C:
https://www.kfw-entwicklungsbank.de/PDF/Download-Center/PDF-Dokumente-Medienkooperation-mit-E-Z/2017_10_Engagement_fuer_saubere_Meere.pdf


 

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