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Technische Lösungen

Projektsteuerung aus der Ferne hilft nicht nur in Krisenzeit

von Jochen Harnisch, Meinhard Rögner

Hintergrund

Anhand des mit einer Vermessungsdrohne aufgenommenen Bildes kann die KfW ein Bewässerungsvorhaben in der malischen Region Sikasso bewerten. Die Farben lassen die unterschiedlichen Feldfrüchte erkennen: Kohl ist blau, Salat hellgrün, Zwiebeln dunkelgrün.

Anhand des mit einer Vermessungsdrohne aufgenommenen Bildes kann die KfW ein Bewässerungsvorhaben in der malischen Region Sikasso bewerten. Die Farben lassen die unterschiedlichen Feldfrüchte erkennen: Kohl ist blau, Salat hellgrün, Zwiebeln dunkelgrün.

Die Corona-Pandemie hat das tägliche Leben und Arbeiten in den meisten Ländern dieser Welt auf den Kopf gestellt. Seither sind vielfach neue Wege und kreative Lösungen gefragt. Die Arbeit der KfW Entwicklungsbank bildet dabei keine Ausnahme. Dabei eingesetzte neue, innovative Instrumente helfen, die Situation zu meisten. Sie sind auch nicht nur für den jetzigen Krisenfall hilfreich, sondern können die finanzielle Zusammenarbeit in Zukunft generell verbessern.

Seit Beginn der Krise im März 2020 ist die KfW-Arbeit in den Partnerländern schwierig: Vorort-Kontrollen sind nicht oder meist nur noch sehr eingeschränkt möglich. Andererseits ist der Bedarf an internationaler Unterstützung durch die Pandemie mit all ihren Folgen noch deutlich gestiegen. Projekte weiter zu verfolgen und zu begleiten oder neue auf den Weg zu bringen ist daher noch dringlicher geworden.

Normalerweise reisen KfW-Projektmanager regelmäßig in ihre Partnerländer, sprechen mit Beteiligten, bereiten neue Vorhaben vor oder prüfen, ob sich Projekte wie vorgesehen entwickeln. Manches lässt sich in Hauptstädten oder regionalen Zentren klären, besonders wenn es um Maßnahmen im Finanzsektor oder Reformfinanzierungen mit der Zentralregierung geht.

Eine der zentralen Aufgaben der Entwicklungszusammenarbeit bleibt aber der Aus- und Wiederaufbau von Infrastruktur. Bei Projekten zum Bau von Straßen, Schulen, Krankenhäusern, Getreidelagern oder Wasserleitungen kontrolliert die KfW die Baufortschritte direkt vor Ort. Wiederholte Besuche im Partnerland stellen sicher, dass Vorhaben erfolgreich verlaufen und die gewünschten Wirkungen erzielen – auch wenn sie zum Teil auf Stichproben beruhen. Die Pandemie hat diese Routine unterbrochen.

Die KfW kann auf Erfahrungen aus Regionen zurückgreifen, in denen Kontrollen vor Ort schon länger nicht mehr möglich sind, wenn auch aus anderen Gründen als Corona: Das gilt besonders für Afghanistan und Pakistan und für Teile von Afrika, wo eine Einreise oder Fahrt in das Hinterland zu gefährlich wären.

Der Sahel mit den Ländern Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad ist eine teilweise instabile, aus europäischer Sicht jedoch strategisch wichtige Region. Deshalb verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Krisenherde zu befrieden, zu stabilisieren und den Menschen Zukunftsperspektiven zu schaffen. Die Entwicklungszusammenarbeit ist dafür ein wichtiger Baustein.


Remote Management

Wegen der angespannten Sicherheitslage begleitet die KfW ihre Projekte in dieser Region allerdings immer häufiger von außerhalb: „Remote Management, Monitoring and Verification“ lautet das Stichwort. Dabei werden Projekte aus der Ferne gesteuert (Management), nachgehalten (Monitoring) und überwacht (Verification). Hierfür stehen technische Hilfsmittel wie mit Satelliten, Flugzeugen oder Drohnen gewonnene Bilder, georeferenzierte Datenbanken sowie digitale Anwendungen für die Projektsteuerung zur Verfügung.

Aber auch Personal im Land, entweder lokale Mitarbeiter der KfW oder Consultants, die weiterhin Zugang zur Projektregion haben, spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie sind sozusagen das „Auge und Ohr“ vor Ort. Meistens braucht man beides in Kombination, etwa im Online-Dialog oder mittels Online-Bildübertragung und Virtual-Reality-Anwendungen.


Beispiel Mali

Vor allem im Norden Malis begleitet die KfW Projekte aus der Ferne. In der Region gibt es immer wieder Unruhen und Gewaltausbrüche. Sie ist entlang des Niger-Flusses aber gut für Landwirtschaft geeignet. Doch von den geschätzten 2,2 Millionen Hektar nutzbarer Fläche werden erst rund 20 Prozent bewirtschaftet. Mit geeigneter Bewässerung ließe sich diese Fläche um ein Vielfaches steigern. Kleine Perimeter (abgegrenzte Areale), Staudämme, Pumpen, Kanäle, Brunnen sowie Maßnahmen zum Erosionsschutz können hier viel bewirken. Um dieses Potenzial trotz der widrigen Umstände zu nutzen, begleitet die KfW ihre Bewässerungsprogramme dort mit digitalen Instrumenten aus der Ferne.

Drohnen empfehlen sich für kleinere Flächen mit einem Radius von rund drei Quadratkilometern. Sie sind batteriebetrieben und direkt an ein Smartphone des Durchführungsconsultants vor Ort angeschlossen. Das optische Material kann anschließend direkt vom Handy aus weiterverarbeitet und versendet werden. Es ist so präzise, dass man größere Gebäude oder Staumauern und vor allem Unterschiede zur letzten Aufnahme gut erkennen kann.

Auch Satellitenbilder kommen dort zum Einsatz; sie eignen sich für größere Flächen und können Fragen beantworten wie: Ist die Anbaufläche insgesamt gewachsen, gab es Erosionserscheinungen, sind Kanäle gebaut, Perimeter etabliert? Mit ihrer Hilfe lassen sich dann sogar einzelne Pflanzenarten wie Mais, Reis, Salat, Kohl oder Zwiebeln klar voneinander unterscheiden. Allerdings liegen die Kosten dafür meist höher als bei Drohnen, weil das Bildmaterial eingekauft werden muss. Deshalb nutzt die KfW diese Technologie eher zum gezielten Abgleich in größeren Abständen und festgelegten Zyklen.


Grenzen technischer Lösungen

In Westafrika gibt es bereits 50 Vorhaben, bei denen Methoden der Fernsteuerung zum Einsatz kommen. Die bisherigen Erfahrungen damit zeigen, dass sie ein guter Ersatz für Kontrollen vor Ort sind, aber an Grenzen stoßen: So fehlt der Kontakt zur Zielgruppe und zu den Trägern. Bei Fortschrittskontrollen spricht man sonst auch mit Nutznießern, fragt Eltern, ob sie mit der neuen Schule wirklich zufrieden sind, geht zum örtlichen Bauern und prüft, ob der Brunnen tatsächlich funktioniert und so weiter.

Kurz gesagt: Man sammelt Eindrücke rechts und links des Weges, ungefiltert und jenseits der offiziellen Informationen. Diese Möglichkeit entfällt. Die Wahrnehmung bleibt eingeschränkt, trotz technisch hochauflösenden Bildmaterials.

Weitere Grenzen solcher Lösungen: Sie müssen, um längerfristig zu wirken, an die Situation und die Systeme vor Ort angepasst werden, was Kosten nach sich zieht. Die Partner in den Ländern müssen ins Boot geholt, geschult und mit den Abläufen vertraut gemacht werden. Dies zeigt, dass Fernüberwachung in vielen Fällen weder Geld noch Zeit spart. Wer nur sieht, dass Reisen und damit Kosten entfallen, irrt leider. Die Ausgaben entstehen an anderer Stelle.


Chancen technischer Lösungen

Sind solche Systeme aber erst einmal etabliert, können sie die Arbeit spürbar erleichtern und vor allem Infrastrukturprojekte in Gebieten zulassen, in denen Entwicklungszusammenarbeit sonst nicht möglich wäre.

So hat sich gezeigt, dass Fernüberwachung auch in „normalen“ Zeiten gute Dienste leisten kann, nämlich immer dann, wenn ein Programm kleinteilig ist und seine einzelnen Standorte weit verstreut sind. Den Bau eines Krankenhauses zum Beispiel kann man mit einem Besuch relativ unkompliziert und effizient nachverfolgen. Bei vielen kleinen Infrastrukturprojekten, die über eine ganze Gegend oder sogar ein ganzes Land verteilt sind, wird das schwieriger.

Wo man sich früher mit Stichproben behelfen musste, sind heute über solche Lösungen sogar umfassendere Kontrollen möglich. Auch größere Flächen etwa in der Landwirtschaft, einem Naturschutzgebiet oder einem Waldgürtel lassen sich mit digitalen Hilfsmitteln sehr viel besser erfassen und kontrollieren als früher. Das gilt auch für die Evaluierung von Projekten nach deren Ende.


Jochen Harnisch ist KfW-Teamleiter Landwirtschaft, Wasser und Biodiversität für Westafrika.
[email protected]

Meinhard Rögner ist technischer Sachverständiger für den Wassersektor in der Westafrika-Abteilung der KfW.
[email protected]

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