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Community-Medien

Vorsichtige Wortwahl

von Geraldine Fobang, Rosaline Akah Obah, Alexander Vojvoda

Hintergrund

Studenten produzieren eine Sendung im Studio von Protestant Voice Radio.

Studenten produzieren eine Sendung im Studio von Protestant Voice Radio.

Im krisengeschüttelten Kamerun kann konfliktsensible Berichterstattung dazu beitragen, die Lage zu entschärfen. Zu dem Ziel hat die presbyterianische Kirche mit Unterstützung des Zivilen Friedensdienstes ein Community-Medien-Netzwerk aufgebaut. Die Ergebnisse sind vielversprechend.

Kamerun driftet in einen bewaffneten Konflikt. Auslöser waren Streiks, zu denen englischsprachige Lehrer- und Juristengewerkschaften 2016 aufgerufen und damit eine größere Bewegung der englischsprachigen Minderheit angestoßen hatten. Sie kämpfen für mehr Rechte und Mitsprache in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Bildung und Gesetzgebung (siehe Kommentar von Jonathan Bashi im E+Z/D+C e-Paper 2017/04, Debatte).

Die Regierung geht massiv gegen die Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Akteure vor. Seit 2017 erschüttern gewalttätige Konflikte zwischen Separatisten und staatlichen Sicherheitskräften den anglophonen Teil des Landes. Sie münden oft in willkürliche Massenverhaftungen, Brandstiftungen in Dörfern und Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten. Der Konflikt hat viele Menschen das Leben gekostet.

Die Krise in Kamerun zeigt, wie wichtig konfliktsensibler Journalismus ist. Die presbyterianische Kirche Kameruns (Presbyterian Church in Cameroon – PCC) hat das bereits 2014 erkannt, bevor sich die Stimmung aufheizte, und ist eine Kooperation mit dem evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) und dem eigenen Community-Radiosender eingegangen, die vor allem auf konfliktsensible Berichterstattung und die Rolle von communityorientierten Medieninitiativen in Konflikten abzielte. Das sogenannte Radio CBS 95.3 MHz sendet aus Buea, der Hauptstadt einer der beiden anglophonen Regionen des Landes. Radio CBS kooperiert mit Partnerstudios in der Region, fördert konfliktsensitiven Journalismus und setzt sich für zivilgesellschaftliche und friedensfördernde Sendungen ein. Das Community-Programm stärkt den Dialog zwischen Medienorganisationen und lokaler Bevölkerung.

Laut einer Umfrage und Situationsanalysen von 2014 schaltete die lokale Bevölkerung viel lieber das Community-Radio ein als den staatlichen Rundfunk. Allerdings fehlte den Journalisten bei CBS und den Partnerstudios anfangs das journalistische Handwerk. Es entwickelte sich bald ein ungesunder Konkurrenzkampf, die Sensationsgier stieg und dadurch auch die Gefahr, die Konflikte weiter zu schüren.

Es lag deshalb nahe, ein dauerhaftes Mediennetzwerk aufzubauen. 2016 lud PCC Fachleute von 24 Medienhäusern aus den Bereichen Print, Audio, Video und Online in den Südwesten Kameruns ein. Sie sollten gemeinsam ein Modell für das Netzwerk entwickeln. Nach mehreren Treffen wurde das Cameroon Community Media Network (CCMN) gegründet und im Mai 2017 offiziell als unparteiische, nicht gewinnorientierte und nicht religiöse Vereinigung registriert. Die Mitglieder des Netzwerks konnten sich in mehreren Workshops, Seminaren und internen Trainings weiterbilden. Inzwischen hat das CCMN mehr als 70 Mitglieder und sendet aus vier von Kameruns zehn Regionen.

Die Erweiterung des Mediennetzwerks hat vor allem mit den verschiedenen Konflikten in Kamerun zu tun. Zu den Unruhen in den englischsprachigen Regionen kommt die Terrorgefahr durch Boko Haram im Norden des Landes. Im Osten machen kriminelle Banden und eine Flüchtlingskrise Schlagzeilen; in Zentralkamerun sowie im Westen und Litoral stießen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2018 auf heftigen Widerstand. Angesichts dessen ist konfliktsensibler Journalismus in allen zehn Regionen dringend nötig.


Anti-Terror-Gesetz bringt Journalisten zum Schweigen

Atia Tilarious Azohnwi ist Redakteur bei der Sun Newspaper in Buea. Er sagt, der Ansatz des CCMN habe ihm gezeigt, wie man achtsamer bei der Kriegs- und Konfliktberichterstattung vorgeht. „Hätte ich das schon früher gewusst, wäre ich nicht fast ein Jahr im Gefängnis gewesen“, sagt er. Grund für die Haftstrafe war seine kritische Berichterstattung während der Krise im anglophonen Teil des Landes. Nachdem 2017 die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Aktivisten gescheitert waren, wurden Azohnwi und weitere sieben Journalisten von einem Militärtribunal nachdem neuen Anti-Terror-Gesetz verurteilt.

Das Gesetz trat 2014 zur Bekämpfung von Boko Haram in Kraft. Es wurde allerdings schnell klar, dass es auch angewandt wird, um Journalisten mundtot zu machen. Im Juli 2015 wurde ein Korrespondent von Radio France International verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er angeblich die Aktivitäten von Boko Haram im Norden unterstützt hat. Zu kritische Radio- und Fernsehsender wurden geschlossen, Sendelizenzen vorübergehend entzogen oder keine Neuanträge mehr bearbeitet. Hinzu kam eine dreimonatige Internetsperre in den zwei englischsprachigen Regionen Kameruns.

Die inhaftierten Journalisten und Demonstranten sind inzwischen zwar wieder frei. Trotzdem wächst die Unsicherheit darüber, wie die Regierung auf Medienberichte und Demonstrationen künftig reagieren wird. Mit fortschreitender Eskalation machen nicht nur die Regierung und das Militär Druck auf Journalisten. Auch einige englischsprachige Separatisten bedrohen Reporter, die nicht kooperieren wollen.

Ambe Macmillian Awa ist Journalist und Blogger für die gemeindebasierte Online-Nachrichtenseite The Statesman und Vorsitzender der Cameroon Association of English-Speaking Journalists im Nordwesten. Er wurde im Februar von separatistischen Freiheitskämpfern entführt und erst wieder freigelassen, als das CCMN, Journalistengewerkschaften und Medienhäuser massiv Druck ausübten. Er sagt: „Seitdem ich keine polemischen, provozierenden und zugespitzten Formulierungen mehr verwende, helfen meine Berichte dabei, den Konflikt zu entschärfen.“

Die CCMN-Mitglieder bemühen sich, Hass schürende Sprache zu vermeiden. Das hat ihre Wortwahl und ihren Schreibstil stark verändert. Das Mediennetzwerk ist derzeit der einzige Akteur in Kamerun, der sie dabei unterstützt, noch besser zu werden. Das CCMN ist auch die einzige Alternative zu den konventionellen Medien.

Die CCMN-Mitglieder haben die Medienlandschaft inzwischen sogar völlig verändert. Sie geben der lokalen Bevölkerung selbst in Krisenzeiten eine Stimme. Sie sind Teil der Gemeinschaft, arbeiten für die Gemeinschaft und gehören der Gemeinschaft. Sie lassen Bürger am Geschehen teilhaben und bieten eine Plattform für koordinierten Dialog, der sozialen Zusammenhalt und Frieden anstrebt.

Zu den Produktionen des CCMN gehören Werbespots, Radiojingles, Senderkennungen und kurze Serien mit dem Slogan „We stand for peace“, die alle zugehörigen Studios senden. Das Netzwerk arbeitet außerdem mit Sierra Leone und der Demokratischen Republik Kongo an einem gemeinsamen Archiv für Hörfunksendungen. So macht das CCMN seine Plattform über die Grenzen Kameruns hinaus relevant.


Link
Cameroon Community Media Network:
www.communitymedia.cm


Pfarrerin Geraldine Fobang ist Koordinatorin bei CBS Radio 95.4 MHz in Buea in der Region Südwest und Präsidentin des Cameroon Community Media Network (CCMN) für die Sendegebiete Südwest und Litoral.

Rosaline Akah Obah ist Koordinatorin bei CBS Radio 101.0 MHz in Bamenda in Nord-West und Präsidentin des CCMN für die Sendegebiete Nordwest und West.

Alexander Vojvoda ist Soziologe und Community-Medien-Aktivist und arbeitete von 2014 bis 2019 als Berater des Zivilen Friedensdienstes bei CCMN.
[email protected]

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