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Gender

Akute Gesundheitskrise

von Hans Dembowski

In Kürze

2016 waren 18 % der Weltbevölkerung Inder, aber 36,6 % der Frauen, die sich das Leben nahmen, waren Inderinnen und 24,3 % der Männer Inder. Die Selbstmordrate von Frauen lag 2,1-Mal über dem weltweiten Durchschnitt, die von Männern 1,4-Mal darüber. Diese Daten veröffentlichte die medizinische Fachzeitschrift The Lancet im September 2018.

Finanziert von der Bill & Melinda Gates-Stiftung und Behörden der indischen Bundesregierung, untersuchte ein Forscherteam die Suizidraten von 1990 und 2016 (India state-level disease burden initiative suicide collaborators, 2018). Es zeigte sich, dass die Zahlen bei den Männern nahezu stabil geblieben waren: 1990 lag die Rate bei 18,6 Suiziden pro 100 000 Personen jährlich, 2016 war sie auf 19,9 pro 100 000 leicht gestiegen. Bei den Frauen waren die Zahlen von jährlich 19,4 im Jahr 1990 auf 14,9 im Jahr 2016 gesunken – und lagen damit immer noch ungewöhnlich hoch. Der globale Durchschnitt liegt bei sieben Suiziden pro 100 000 Frauen und bei 15 Selbstmorden pro 100 000 bei den Männern.

Der Lancet-Artikel fordert, genauer zu untersuchen, warum sich vor allem viele verheiratete Frauen das Leben nehmen. Eine Rolle spielen dürften demnach „arrangierte und frühe Ehen, junge Mutterschaft, niedriger sozialer Status, häusliche Gewalt und wirtschaftliche Abhängigkeit“.

Die Forscher stellten erhebliche regionale Unterschiede fest. Tendenziell stieg die Suizidrate mit dem Entwicklungsstand: Im relativ reichen südindischen Bundesstaat Tamil Nadu etwa nahmen sich Frauen zehnmal eher das Leben als im ärmeren nordöstlichen Bundesstaat Mizoram.

„Alarmierend viele junge Erwachsene nehmen sich das Leben“, warnt der Lancet-Artikel. Es handele sich um eine „akute Gesundheitskrise“. Selbstmord sei in Indien unter 15- bis 29-Jährigen und 15- bis39-Jährigen die Todesursache Nummer eins, im globalen Vergleich rangiere Suizid in diesen Altersgruppen auf dem zweiten beziehungsweise dritten Platz.

Die Autoren begrüßten es, dass sich die 2014 eingeführte nationale Gesundheitspolitik für psychische Gesundheit explizit dem Thema Suizid widmet. Allerdings lasse „die Umsetzung des Programms für psychische Gesundheit viel zu wünschen übrig“. Eines der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung ist es, die Suizidrate zwischen 2015 und 2030 um ein Drittel zu senken. Doch die Forscher schätzen die Aussichten für Indien als „düster“ ein: „Die meisten indischen Staaten, in denen zusammen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leben, werden dieses Entwicklungsziel nur mit einer geringeren als zehnprozentigen Wahrscheinlichkeit erreichen.“ (dem)


Link
India state-level disease burden initiative suicide collaborators, 2018: Gender differentials and state variations in suicide deaths in India: the global burden of disease study 1990-2016. In The Lancet 2018/3.
https://www.thelancet.com/action/showPdf?pii=S2468-2667 %2818 %2930138-5

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