D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Afrikanische Akademiker

Glücksuche im Ausland

von Isabella Bauer

Hintergrund

Faihda Dede Ombasa und Irene Dawa haben beide Arbeitserfahrung in Europa gesammelt und sind in ihre Heimat Uganda zurückgekehrt.

Faihda Dede Ombasa und Irene Dawa haben beide Arbeitserfahrung in Europa gesammelt und sind in ihre Heimat Uganda zurückgekehrt.

Nicht alle Afrikaner fliehen vor kriegerischen Konflikten in ihrer Heimat in den Westen. Viele Akademiker verlassen Zentral- und Ostafrika auch, weil es für sie kaum Arbeitsplätze gibt. In Europa oder Nordamerika dagegen werden bestimmte Qualifikationen gesucht. So kommen zum Beispiel immer mehr katholische Priester aus Ländern des Südens. Auch im sozialen Bereich sind afrikanische Fachkräfte gefragt. Aber nicht jeder findet sein Glück im Westen. Drei Menschen, die Uganda verlassen haben, berichten E+Z/D+C, was sie erlebt haben.

Faihda Dede Ombasa lebt in Arua, einer Stadt im Nordwesten Ugandas, die aus einfachen Lehmhütten und Häusern mit Wellblechdach besteht. Während des Bürgerkrieges in den späten 1970er Jahren bekam Faihda ein Stipendium und konnte als einziges Mädchen in der Region nach Vermont in die USA gehen und dort Abitur machen. Sie hatte erst Angst, doch es lief gut: „Ich war überrascht, wie warm und ehrlich ich willkommen geheißen wurde“, erinnert sie sich. Ein älteres Ehepaar nahm sich ihrer an und wurde ihre neue Familie. Das ländlich geprägte Vermont schien gerade der richtige Ort für sie zu sein: „Ich mochte die Stadt und ihre Menschen, mit ihren liberalen Ansichten und ihrem Glauben an Fairness, Gleichheit und Freiheit.“

Aber auch die Schattenseiten der Gesellschaft blieben ihr nicht lange verborgen: „Ich war so überrascht, als ich feststellte, dass es hier Armut gibt und Menschen, die als obdachlos bezeichnet werden. Und natürlich lernte ich bald, dass schwarz zu sein hier bedeutet, minderwertig zu sein.“

Ein weiteres Stipendium brachte Faihda nach New York, wo sie Sozialarbeit studierte. Als Sozialarbeiterin arbeitete sie dort dann viele Jahre mit gefährdeten Jugendlichen. Die erste Reise zurück in ihre Heimat Uganda war prägend: „Das war 1991, als ich zur Beerdigung meiner älteren Schwester kam, die an den Folgen von Aids gestorben war. Ich wusste sehr bald, dass ich nur in die USA zurückgehen würde, um meine Heimkehr nach Uganda vorzubereiten. Ich merkte plötzlich, dass ich in diesem Land nicht mehr leben wollte.“ Und so kehrte sie tatsächlich wenige Jahre später zurück in das Dorf, in dem sie aufgewachsen war.

Ihre Eltern waren überglücklich. Auch darüber, dass sie ihnen bald ein Enkelkind schenken würde. Doch der ugandische Vater des Kindes kam nicht wie versprochen aus den USA nach. Als alleinstehende Mutter hatte Faihda in dieser Gesellschaft keinen Platz und so willigte sie ein, die zweite Frau eines Mannes aus der Nachbarschaft zu werden. Mit diesem und seiner Erstfrau lebt sie bis heute zusammen.

Bald nach der Geburt ihrer Tochter wurde Faihda in einem staatlichen Entwicklungsprogramm angestellt. Dort setzte sie die Erfahrungen ein, die sie im Ausland gesammelt hatte: „Meine zweiten Eltern in den Staaten hatten mich mit völlig anderen Wertvorstellungen in Kontakt gebracht. Sie hatten mich zu einer selbstbewussten, mutigen Frau werden lassen.“ Sie versuchte, auch die Gemeinden um sich herum zu modernisieren: „Es war wichtig, nicht über die gesellschaftlichen Bedingungen zu urteilen. Langsam und mit viel Respekt habe ich versucht, die Menschen für Veränderung zu sensibilisieren. Es sind schließlich meine eigenen Leute.“

Bis heute arbeitet Faihda für unterschiedliche ugandische und ausländische Organisationen. Stets liegen ihr die einfachen Leute am Herzen. Einer jungen Frau, die wie sie damals in den Westen gehen möchte, würde sie raten: „Denk nicht, dass die Straßen im Westen mit Gold gepflastert sind. Du musst hart arbeiten, um etwas zu erreichen – dreimal so hart wie die Einheimischen. Versuche etwas aus dir zu machen. Und vergiss deine Herkunft nicht.“


Positive Erfahrungen

Irene Dawas stand früh dafür ein, ihre eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen. Sie hat eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen, für eine Frau, die im ländlichen Uganda aufgewachsen ist: „Ich bin nach Europa gegangen, um einen Master in Friedenswissenschaften zu machen. Dann war ich immer wieder in den Staaten, im Sudan und Südsudan und in der Karibik. In jedem Land habe ich einzigartige Erlebnisse gehabt. Aber in den westlichen Ländern habe ich immer wieder erlebt, dass die Menschen nicht glauben konnten, dass eine gut ausgebildete, unabhängige Frau aus einem Entwicklungsland kommen kann. Sie haben erwartet, dass ich nach einem besseren Leben im Westen suche, dass ich als Bittstellerin komme“, sagt sie.

Doch hat sie auch viele positive Überraschungen in den westlichen Ländern gemacht: „Ich war völlig überrascht, als ich das erste Mal nach Europa gekommen bin, dass völlig fremde Leute mir geholfen haben“, sagt sie. Und bereits seit ihrem Studium in Österreich hat sie viele Freunde aus der ganzen Welt. Diese trifft sie immer wieder bei ihren Einsätzen als Beraterin für internationale Organisationen. Die überzeugte Frauenrechtlerin hat sich auf Konfliktmanagement und Flüchtlingsarbeit spezialisiert. Zuletzt arbeitete sie im größten Flüchtlingslager Ostafrikas in Uganda, direkt an der Grenze zum Südsudan, aus dem die meisten Flüchtlinge kommen.

Es ist nicht immer einfach, sich in den unterschiedlichen Welten zu bewegen: „Wenn ich nach Uganda heimkomme, bin ich überglücklich, meinen Vater zu sehen und meine eigene Sprache zu sprechen. Aber oft streiten wir auch. Denn ich bin sehr selbstbewusst geworden im Ausland. Ich bin es gewohnt, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Zu Hause wollen dann andere für mich entscheiden und verplanen mein Geld – das nehme ich nicht mehr hin“, sagt sie. Und so muss die Familie nun alles mit ihr besprechen, an dem sie beteiligt ist.

Irene Dawa hat noch viele ehrgeizige Pläne für ihre Zukunft: Gerade hat sie ihre eigene Hilfsorganisation gegründet und bewirbt sich für ein Doktorandenprogramm in England. Ihr Ziel: eine große Frauenrechtsorganisation zu führen, die sich für Bildung und freie Entwicklungschancen für Frauen einsetzt.

Ihr Rat an andere jungen Frauen, die in den Westen gehen wollen: „Überlege dir erst gut, warum du dein Land verlassen willst. Und dann verfolge deinen Weg konsequent. Denn in den anderen Ländern kannst du leicht auf Abwege geraten, wenn du nicht weißt, was du dort suchst. Respektiere die Kultur der Menschen, und nimm das positiv auf, was darin gut für dich ist.“

Pater Joseph Adriga (Name geändert) bereitet den Sonntagsgottesdienst in seiner Gemeinde in der Voreifel vor. Das ist Routine, denn der Ugander ist bereits seit fast zehn Jahren als katholischer Pfarrer in Deutschland tätig. Begonnen hatte alles mit einem kirchlichen Promotionsstipendium: „Mein Bischof schlug mir vor, in Deutschland zu promovieren, und ich willigte ein. Damals war ich für eine leitende Position in unserer Diözese vorgesehen“, sagt Pater Joseph. Bereits zuvor war er einige Male in Deutschland gewesen und hatte Seminare besucht.

Seine Diskussionen mit Joseph Ratzinger, dem späteren Papst, und anderen afrikanischen Priestern hat er in lebhafter Erinnerung: „Wir haben immer gesagt, diese Dogmatik ist vielleicht gut für den westlichen Kontext, aber in Afrika funktioniert das Leben so nicht. Und wir haben Nächte lang diskutiert.“ Und so musste er sich in vielerlei Hinsicht umstellen, als er neben der Promotion auch begann, deutsche Gemeinden zu betreuen. Die größte Veränderung war jedoch, in fast leeren Kirchen zu sprechen: „Es war ein Schock, hier zu sehen, dass die Menschen nicht in diese wunderschönen Kirchen gehen. Und ständig werden mehr Gemeinden zusammengelegt. Wir Pfarrer können das kaum bewältigen“, sagt er.

Insgesamt gefällt es ihm jedoch, in Deutschland zu arbeiten und zu leben: „Als Pfarrer werde ich hier gebraucht. Und anders als in Uganda, wo ich immer von der Kollekte abhängig bin und davon, dass die Menschen, die ohnehin nicht viel haben, mir etwas geben, habe ich hier ein sicheres Einkommen. Die Kirche sorgt für mich“, resümiert er.

Was er vermisst, ist die Gesellschaft von Freunden und Familie, eine Sorge, die, wie er sagt, hier so viele Menschen umtreibt: „Diese Einsamkeit hier ist wirklich ein riesiges Problem. Die Menschen haben alles, außer Gemeinsamkeit“. Und so freut er sich jedes Jahr auf den Sommerurlaub in seiner Heimat. Auch wenn die Menschen daheim hohe Erwartungen daran haben, dass er sie finanziell unterstützt.

Die Werte daheim in Uganda und in seiner zweiten Heimat Deutschland sind auch in vielen anderen Bereichen unterschiedlich. Als Seelsorger ist das nicht immer einfach: „Am Anfang habe ich vor allem zugehört“, sagt er. „Mit der Zeit habe ich verstanden, dass es immer um Beistand geht und sich im Gebet auch das löst, was wir nicht verstehen können.“ Ob er für immer in Deutschland bleiben wird oder nicht, ist noch nicht entschieden. Solange seine Promotion nicht abgeschlossen ist, wird er bleiben dürfen. Danach entscheidet sein Bischof in Uganda. Doch Joseph hat Sorge, dass er daheim nicht mehr angenommen wird. Dass er als einer gesehen wird, der im unmoralischen Europa Fuß gefasst hat und die afrikanischen Werte und den wahren Glauben verlernt hat. Die einzige andere Möglichkeit für ihn ist, in eine deutsche Diözese überzutreten – für immer.

Einem jungen afrikanischen Kollegen würde er mit auf den Weg geben: „Wenn du einmal weggehst, kann das dein ganzes Leben verändern. Vielleicht ist es irgendwann sehr schwierig, zurück nach Hause zu gehen. Das solltest du bedenken.“


Isabella Bauer ist freie Journalistin und Beraterin. Sie ist auf Ostafrika, südliches Afrika und Deutschland spezialisiert.
[email protected]

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren