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Peacebuilding

Wenn die Waffen schweigen

von Eva-Maria Verfürth

Meinung

Ein UN-Peacekeeper diskutiert mit Demonstranten in Mali.

Ein UN-Peacekeeper diskutiert mit Demonstranten in Mali.

Lange galt Mali als ein friedliches Land in Westafrika: Das Sahelland hatte seit Anfang der 90er Jahre eine relativ stabile Demokratie und war weitgehend frei von politischer Gewalt – abgesehen von hin und wieder aufflammenden Aufständen der Touareg-Nomaden im Norden.

Doch 2012 erschütterte eine Krise den gesamten Staat. Touareg-Milizen rebellierten, und militante Islamisten unterstützten sie mit Waffen aus Libyen. Malis Militär stürzte den gewählten Präsidenten, war dem Aufstand im Norden aber nicht gewachsen. Dort drängten die Islamisten die Touareg bald beiseite und führten die Sharia ein.

Mali zeigt: Frieden ist oft fragil. Ein alter Konflikt, religiöser Extremismus und leicht verfügbare Waffen bringen ein labiles Gleichgewicht schnell ins Wanken. Echter Frieden ist nämlich mehr als die Abwesenheit von Waffengewalt. Er muss externen Schocks standhalten.

„Friedensmission“ nennen die Vereinten Nationen Einsätze, bei denen bewaffnete Truppen Gewalt beenden sollen. Dies ist oft ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Frieden – der einzige ist es nicht. Maßnahmen, die darüber hinaus auf einen stabilen Frieden abzielen, fasst man unter dem Begriff „Peacebuilding“ zusammen.

Stabilen Frieden zu schaffen ist schwer, wenn Menschen frustriert sind, Ungerechtigkeit empfinden, sich ihrer Chancen beraubt sehen oder beispielsweise um Land und Wasser konkurrieren. In einer Welt, in der Gewehre billig zu haben und Bauanleitungen für Bomben im Internet zugänglich sind, bahnt sich Gewalt dann schnell ihren Weg.

Peacebuilding soll daher die grundlegenden Probleme eines Krisengebietes anpacken, wie schwelende Konflikte, Ungerechtigkeiten und alte Traumata. Wenn Gesellschaften Ruhe finden sollen, brauchen die Menschen wirtschaftliche und persönliche Perspektiven. Kontrahenten müssen aufeinander zugehen. Dafür muss es eine starke Zivilgesellschaft geben sowie ein Mindestmaß an Gerechtigkeit. Starke Institutionen sind wichtig, damit nicht die eigene Waffe zum besseren Schutz wird als der Staat, und Selbstjustiz nicht gerechter erscheint als Gerichtsurteile.

Die Konflikte von heute sind weniger Kriege zwischen Staaten und ihren Armeen, sondern oft asymmetrische Auseinandersetzungen, an denen offizielle Sicherheitskräfte und informelle Milizen beteiligt sind. Der Konflikt ist häufig komplex und die Methoden ähneln Guerillakämpfen. Bewaffnete Peacekeeper können in solchen Situationen oft nur wenig ausrichten.

Peacebuilding ist daher unverzichtbar, auch wenn sich Erfolge oft nicht messen lassen. Es dauert meist lange, bis Feinde dazu übergehen, Differenzen gewaltfrei auszutragen. Stabilen Frieden zu schaffen erfordert Zeit, Geduld und tiefe Überzeugung.

In Mali intervenierten schließlich französische Truppen. Auf Bitten der Übergangsregierung und mit afrikanischer Unterstützung stellten sie die Integrität des Staates wieder her. Seither hat Mali den ersten Schritt für einen neuen Frieden getan: Es hat schnell und glaubwürdig eine demokratische Präsidentenwahl durchgeführt. Das zeigt, dass die jüngste Krise die Entwicklungserfolge der vergangenen Jahrzehnte nicht völlig zunichte gemacht hat. Ob der Frieden auch dauerhaft hält, muss sich noch zeigen – er verdient aber eine Chance.

Eva-Maria Verfürth