- keine -

Landwirtschaft

Wertvolles Ackerland

von Floreana Miesen

In Kürze

Über ein Viertel der globalen Agrarfläche ist bereits degradiert, wie eine gemeinsame Studie des Bonner Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) und des International Food ­Policy Research Institute (IFPRI) zeigt. Dabei sind gute Böden essenziell für nachhaltiges Wirtschaften und menschliche Existenz.

Für Ackerbau in jeglicher Klimazone ist es von zentraler Wichtigkeit, dass die Böden mineralhaltig, gesund und ausreichend feucht sind. Doch für Landwirtschaft geeignete Flächen werden immer weniger. Der Schwund von fruchtbarem Boden betrifft etwa 1,5 Milliarden Menschen weltweit, die von Landwirtschaft abhängen. Über 42 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern bestreiten ihren Lebensunterhalt auf degradiertem, das heißt für Ackerbau eigentlich nicht mehr geeignetem Land.

Während die Weltbevölkerung und damit der Konsum von Agrarprodukten in den letzten 30 Jahren stark gewachsen sind, ist der Umfang der Nutzflächen für landwirtschaftliche Produktion praktisch fixiert. Kurzzeitig wurde die Differenz durch Steigerung der Ernteerträge ausgeglichen. Entscheidend ist jedoch laut der Studie von ZEF und IFPRI, dass sich die Ertragssteigerung mittlerweile deutlich verlangsamt hat. Außerdem werde der Klimawandel voraussichtlich die Erträge in vielen Teilen der Welt reduzieren. „Eine zunehmende Bodendegradation kann sich die Welt unter diesen Umständen einfach nicht leisten“, schreiben die Autoren.

Durch Staunässe, Verdichtung, Krustenbildung, Versauerung und Nährstoff­ungleichgewichte kann die Fruchtbarkeit eines Bodens schnell erschöpft werden. Trockene, heiße Regionen neigen zu natürlich vorkommenden Waldbränden, die wiederum zu Bodenerosion führen. Geringe und seltene Niederschläge führen genauso wie unberechenbare Monsune zu Erosion und Versalzung. Nicht nachhaltige Landwirtschaft führt jedoch meist weitaus schneller zu einem Verlust des Bodens: Rodung, Überweidung, Anbau auf Steilhängen und Buschbrände gehören zu den wichtigsten Ursachen der Bodendegradation und führen zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität.

Die Ursachen für Bodendegradation sind also zahlreich und komplex. Aus Sicht der Autoren ist sie aber jedenfalls das Ergebnis politischen und institutionellen Versagens. Viele Bauern arbeiten kaum profitabel und umweltzerstörend, weil sie unzureichende Landrechte haben, zu wenig Informationen bekommen sowie kaum Zugang zu Krediten erhalten. Die natio­nale und internationale Politik muss den Autoren zufolge klare Signale für nach­haltige Landbewirtschaftung setzen. Dabei komme es nicht nur darauf an, die Ackerflächen, sondern auch die Wasserressourcen zu schützen.

Es ist sehr aufwändig und kostspielig, die negativen physischen Auswirkungen der Bodendegradation anzugehen. Dadurch steigen die landwirtschaflichen Produk­tionskosten erheblich. Dabei dürfe die Steigerung der Bodenpreise aber nicht als Signal zur Finanzspekulation missverstanden werden, warnt die Studie. Es gehe vielmehr darum, Agrarland als lebenswichtiges Gut anzuerkennen.

Böden haben eine Vielzahl von Funk­tionen, die die Lebensbedingungen auf der Erde erhalten. Zu diesen „Ökosystemdienstleistungen“ gehören beispielsweise die Bereitstellung von Nahrung und Wasser, Luftreinigung, Nährstoff- und Wasserkreislauf, Regulierung von Überschwemmungen und Krankheiten und nicht zuletzt kulturelle Dienste wie die Bereitstellung spiritueller und medizi­nischer Elemente.

Die wichtigsten Ökosystemdienstleistungen würden bislang als selbstverständlich angenommen und ihr wahrer Wert werde noch immer unterschätzt, bemängeln die Autoren. Es gebe keinen Markt für sie. Weil ihr Wert unberücksichtigt bleibe, komme es zu weiterer Bodendegradation. Um adäquat Ökosystemdienstleistungen in der Lösungsfindung zu berücksichtigen, müsse ihr ökonomischer Wert bestimmt werden, raten die Autoren.

Eine nachhaltige, ökologisch vertretbare Wachstumsstrategie muss Degradationsneutralität anstreben. Das heißt, Boden­degradation sollte entweder vermieden oder durch Rekultivierung ausgeglichen werden. Ein solcher Ansatz dürfe nicht nur auf bio-physikalischer Grundlage ausgelegt sein, sondern müsse eine wirtschaftliche Untermauerung erhalten, mahnt die Studie.

Floreana Miesen