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Sommer-Special

Von jeder Kultur das Beste

von Godwin Drofenu

In Kürze

Godwin Drofenu

Godwin Drofenu

Godwin Drofenu aus Togo ist 22 Jahre alt und arbeitet seit Januar 2017 in einer Wohngruppe für Menschen mit geistiger Behinderung in der Stiftung Haus Lindenhof in Schwäbisch Gmünd. Zusammen mit sieben anderen internationalen Freiwilligen ist er in einer Wohngemeinschaft innerhalb der Stiftung untergebracht.

Die Wohngruppe, in der ich arbeite, besteht aus 17 Menschen zwischen 46 und 85 Jahren. Eigentlich waren es 18, aber ein Mitbewohner ist vergangene Woche verstorben. Damit habe ich nicht gerechnet, das war ein einschneidendes Erlebnis. Die Arbeit ist nicht einfach, aber ich habe ein tolles Team mit wunderbaren Kollegen und eine liebevolle Mentorin zur Unterstützung.

Das Wort „Stress“ kannte ich schon vorher, aber Stress richtig erlebt habe ich erst in Deutschland. Von den 17 Bewohnern können nur fünf selbstständig gehen, zwei gehen am Rollator, die anderen Bewohner sitzen im Rollstuhl und sind bei fast allem auf unsere Hilfe angewiesen. Das ist anstrengend, weil wir auch gegen die Zeit arbeiten. Im Frühdienst bereiten wir unsere Bewohner für die Werkstatt, den Förderbereich oder die Tagesbetreuung vor. Wir waschen sie im Bett oder Bad, messen Blutdruck und Körpertemperatur und prüfen die Atmung. Anschließend bereiten wir das Frühstück vor. Deshalb ist es vor allem morgens häufig hektisch.

Am Anfang war es schwierig für mich, aber mittlerweile bekomme ich fast jeden Tag Lob. Eigentlich wollte ich mit kleinen Kindern arbeiten. Aber ich bin der Meinung, alle brauchen Hilfe. Egal wo ich eingesetzt werde, ich schaffe das.

In dem Jahr als Freiwilliger habe ich viele Eigenschaften erworben, wie Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, aber auch Belastbarkeit. Ich hatte noch keine Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung. Aber hier in der Stiftung Haus Lindenhof ist alles gut organisiert, und ich habe sehr viel gelernt. Gleichzeitig denke ich, dass ich den Kollegen mit meiner fröhlichen Art und meinen Scherzen guttue. Oft gibt es für sie nur Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Ich persönlich bin sehr offen und flexibel, weil ich denke, dass man das in einem fremden Land sein muss. Bereits am Flughafen in Deutschland habe ich deutsche Jungs kennengelernt. Insgesamt kenne ich mittlerweile viele Leute hier. Bei der Trägerorganisation Initiative Christen für Europa bin ich Gruppensprecher und habe ständig Kontakt mit den fast 50 internationalen Freiwilligen, die gerade hier im Land sind. Für einige Freiwillige ist die Arbeit sehr kompliziert. Ein Freiwilliger hat aufgehört, da er nicht damit klarkam, auch intime Pflegearbeiten zu verrichten, wie beispielsweise Windeln wechseln.

Deutsch habe ich schon in Togo im Gymnasium und an der Universität gelernt, wo ich Germanistik studiert habe. Beim Abi­tur habe ich landesweit als Fünftbester in Deutsch abgeschlossen. In Togo habe ich bei der Organisation CHE (Cercle Humanitaire pour Enfants) gearbeitet und Freiwillige aus europäischen Ländern betreut. CHE hat eine Partnerschaft mit der Initiative Christen für Europa. So bin ich zum ersten Mal nach Deutschland gekommen.

Am Anfang hatte ich Heimweh, aber nicht lange, vielleicht einen Monat. Mir hat zu Beginn die Stimmung aus Togo gefehlt. Hier macht man nicht mal eben Komplimente. Aber Deutschland ist nicht Togo, und jedes Volk hat seine eigene Kultur. Ich denke, die perfekte Kultur gibt es sowieso nicht. Ich nehme einen Teil von meiner und einen Teil der deutschen Kultur und mache so das Beste daraus. Mir gefällt es, dass die Deutschen auch an sich selbst denken. In Togo macht man vor allem, was der Chef sagt, und stellt seine eigenen Bedürfnisse zurück. Hier in Deutschland kann man auch eigene Initiativen einbringen und muss nicht alles schlucken. Was mich an Deutschland fasziniert, ist, dass alles gut organisiert ist, manchmal aber auch „überorganisiert“.

Wenn ich nach Kpalimé, der fünftgrößten Stadt Togos, zurückkehre, würde ich gerne bei CHE weitermachen. Die Organisation ist auch eine Partnerorganisation von weltwärts. Ich würde gern weiter die Freiwilligen betreuen und ihre Einsätze koordinieren.

Ich bin sehr musikalisch und spiele Trompete in einer inklusiven Band, bestehend aus Menschen mit geistiger Behinderung und Mitarbeitern unserer Einrichtung. Vor ungefähr zwei Monaten habe ich den Bewohnern ein kleines Konzert mit meiner Trompete gegeben. Als die gelacht haben, war ich ebenfalls glücklich. Ich habe mich sehr gut und nützlich gefühlt.


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