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Management von Schutzgebieten

Grenzüberschreitende Kooperation

von Laura Rupp, Maxi Springsguth, Alfons Üllenberg

Hintergrund

Die örtlichen Kajakguides mit dem Evaluationsteam in Sendelingsdrif am Grenzfluss Orange.

Die örtlichen Kajakguides mit dem Evaluationsteam in Sendelingsdrif am Grenzfluss Orange.

Wenn sich zusammenhängende Ökosysteme auf dem Gebiet mehrerer Länder befinden, ist ein gemeinsames Management sinnvoll. Erfolgreich wird grenzüberschreitende Kooperation, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen stimmen, die nötige Infrastruktur vorhanden ist und alle Akteure und Betroffenen einbezogen werden.

Ökosysteme machen vor Ländergrenzen nicht Halt. Daher gibt es zunehmend Bestrebungen, Schutzgebiete über nationale Grenzen hinaus zu verwalten. Solche grenzüberschreitenden Schutzgebiete (Transfrontier Conservation Areas, TFCA) sollen gleichermaßen dem Erhalt der Biodiversität und der nachhaltigen sozio-ökonomischen Entwicklung auf lokaler Ebene dienen.

In der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (Southern African Development Community, SADC), einer regionalen Organisation mit 15 Mitgliedsstaaten, gibt es 18 TFCA. Die Implementierung ist jedoch nicht immer ganz einfach. Probleme bereiten unter anderem mangelnde grenzübergreifende Koordination und lokale Partizipation.

Um grenzüberschreitendes Management natürlicher Ressourcen zu fördern, führen die SADC und die GIZ seit 2012 gemeinsam ein regionales TFCA-Programm durch. Mit Pilotvorhaben auf lokaler Ebene sollen Lernerfahrungen generiert und die grenzüberschreitende Kooperation verbessert werden. Die Projekte werden mit jeweils 50 000 Euro gefördert. Zwei Partnerorganisationen, die von beiden Seiten der Grenze stammen, sollen sie gemeinsam innerhalb von neun Monaten umsetzen. Vier der insgesamt neun Pilotprojekte sind bereits ausgewertet. So konnten Faktoren für eine erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit identifiziert werden, die im Folgenden anhand von zwei Tourismusprojekten dargestellt werden.


Wege für Kajak und Trekking

Das erste Tourismusprojekt befindet sich im Ai/Ais-Richtersveld Transfrontier Park (ARTP), der namibische und südafrikanische Schutzgebiete miteinander verbindet und eines der weltweit artenreichsten semiariden Ökosysteme umfasst. Im Zuge des Pilotvorhabens „Desert Kayak Trails“ entsteht auf dem Grenzfluss Orange ein Kajakwanderweg. Die beiden nationalen Parkverwaltungen setzen das Projekt unter Führung der halbstaatlichen Institution Namibia Wildlife Resorts um.

Das zweite Tourismusprojekt befindet sich in den Lubombo Mountains, die über die Grenze zwischen Mosambik und Swasiland hinweg Teil des Lubombo Conservancy-Goba TFCA (LCG TFCA) sind. Die Lubombo Conservancy in Swasiland umfasst mehrere Schutzgebiete mit unterschiedlichem Status. Ihre Stakeholder haben sich zur gleichnamigen NGO zusammengeschlossen.

Auf mosambikanischer Seite ist der Distrikt Goba als Teil des TFCA ausgewiesen worden. Er genießt bislang jedoch keinen Schutzstatus. Das Projekt „Mhlumeni Goba Community Tourism and Conservation Initiative“ beabsichtigt, ein grenzüberschreitendes Wegenetz für Wanderungen, Mountainbiking und Allradtouren aufzubauen. Damit verbunden sind Öko-Lodges und Campingplätze, die von den Gemeinden betrieben werden. Das Pilotprojekt wurde von der NGO Lubombo Conservancy und einer italienischen NGO mit Sitz in Maputo für eine Partnergemeinde auf jeder Seite geplant.


Vorhandene ­Strukturen nutzen

Eine Voraussetzung für grenzübergreifende Projekte in TFCAs sind bestehende Managementstrukturen. Im ARTP gibt es beidseits der Grenze etablierte Parkverwaltungen. Das TFCA wird vom Parkmanagementkommittee verwaltet, dem die Parkmanager der beiden Schutzgebiete sowie der Gebietsmanager von Namibia Wildlife Resorts angehören.

Sie sind für das tägliche Management zuständig, für die Planung gemeinsamer Schutzmaßnahmen und die Entwicklung touristischer Infrastruktur. Die beteiligten Staaten kooperieren auch auf strategisch-politischer Ebene im TFCA-Management miteinander. Diese vorhandenen Strukturen vereinfachen die grenzübergreifende Zusammenarbeit auch in Bezug auf neue Vorhaben wie das „Desert Kayak Trails“-Projekt.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die gleichberechtigte Zusammenarbeit. Im LCG TFCA, wo beide Projektpartner NGOs sind, waren mit ähnlichen Ausgangslagen, Interessen und Kompetenzen grundsätzlich gute Voraussetzungen dafür gegeben. Die Partner waren aber nicht ebenbürtig an der Entwicklung der Projektidee und der Kommunikation mit SADC/GIZ beteiligt: Die Projektabwicklung lief weitestgehend über den Projektpartner auf der Swazi-Seite, der auch die Fördergelder verwaltete. Diese dominierende Rolle der Lubombo Conservancy führte zu Disharmonien zwischen den Partnern und letztlich zum Ende der Kooperation.

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit müssen zudem alle Beteiligten auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene einbezogen werden. Im ARTP waren das neben der ministeriellen Ebene auch Vertreter der lokalen Gemeinden, die von dem Pilotprojekt profitieren sollen. Die Chancen auf eine langfristige Zusammenarbeit stehen daher sehr gut. Nichtsdestotrotz sollten Gemeindemitglieder künftig noch stärker in das Projekt und auch in das TFCA-Management einbezogen werden.

Von großer Bedeutung für das Gelingen der Kooperation ist außerdem bestehende Infrastruktur wie Verbindungsstraßen, Grenzübergänge und Kommunikationswege. Die Projektgebiete im LCG TFCA sind durch eine gut ausgebaute, asphaltierte Straße verbunden, und der Grenzübergang ist rund um die Uhr geöffnet.

Häufig führen grenzüberschreitende Projekte Gebiete mit unterschiedlichen sozio-kulturellen, politischen und ökonomischen Voraussetzungen zusammen. Für den Erfolg eines bi-nationalen Projektes müssen diese lokalen Kontexte berücksichtigt und Vorgehensweisen entsprechend angepasst werden. Hierzu ist eine gute Kenntnis der Projektregion durch die implementierenden Akteure wichtig. Alternativ müssen die ökologische und gesellschaftliche Ausgangssituation, die Bedürfnisse lokaler Gemeinden und potenzielle Risiken wie zum Beispiel Interessenkonflikte schon im Vorfeld genau erhoben werden.

Im Fall des Projekts im LCG TFCA war die Kenntnis der Ausgangslage insbesondere auf mosambikanischer Seite unzureichend. Die Projektpartner waren nur ungenügend über bestehende Institutionen, interne Konflikte, Schutzstatus des Gebiets etc. informiert. Informationsmangel und falsche Annahmen führten zur Zusammenarbeit mit einer lokalen Organisation, die die Gemeinde nicht vollständig repräsentierte und deren Rolle und Zuständigkeit ungeklärt war. Des Weiteren wurden administrative Strukturen und interne Konflikte ignoriert. Schließlich scheiterte die Arbeit mit der Projektgemeinde.

Wenn gesetzliche Rahmenbedingungen der Einzelstaaten aufeinander abgestimmt sind, erleichtert das die grenzüberschreitende Kooperation. Entscheidend für länderübergreifende Tourismusaktivitäten ist zum Beispiel die Visaregelung innerhalb des TFCA. Im ARTP gibt es nicht an allen Stellen, an denen Touristen den Grenzfluss Orange während der geführten Kajaktour überqueren, Grenzposten. Aufgrund eines Übereinkommens zwischen Namibia und Südafrika besteht jedoch die Möglichkeit, Touristen von der Visumspflicht zu befreien, solange sie sich innerhalb des TFCA aufhalten.

Die Erfolge beziehungsweise Misserfolge in den beiden Tourismusprojekten lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  •  Im ARTP ist aufgrund der gelungenen Kooperation im Pilotprojekt „Desert Kayak Trails“ das erste dauerhafte bi-nationale Tourismusteam entstanden. Es setzt sich aus Personal der Parkverwaltung und Kajakguides aus den umliegenden Gemeinden zusammen, die vom Projekt angestellt sind. Nach erfolgreichen Test-Kajaktouren im Frühjahr 2015 wird die Tour ab Oktober 2015 kommerziell angeboten. Basierend auf den Erfahrungen und den Ergebnissen der Evaluationsstudie plant das TFCA-Management weitere Tourismusprojekte mit stärkerer Einbeziehung lokaler Gemeinden.
  •  Im Pilotprojekt „Mhlumeni Goba Community Tourism and Conservation Initiative“ im LCG TFCA hingegen ist die grenzübergreifende Kooperation im ersten Anlauf gescheitert. Die im Projekt verbleibende Lubombo Conservancy ist nun dabei, die versäumte Situationsanalyse nachzuholen und einen neuen Partner für ein langfristiges Engagement zu suchen. Für die Arbeit mit der mosambikanischen Gemeinde sind zunächst vorbereitende Aktivitäten und Sensibilisierungsmaßnahmen geplant.  

 

Laura Rupp nahm im Rahmen ihres Postgraduiertenstudiums am Seminar für Ländliche Entwicklung (SLE) der Humboldt-Universität Berlin am Projekt „Grenzübergreifendes Management natürlicher Ressourcen in der SADC-Region“ teil
[email protected]

Maxi Springsguth nahm ebenfalls im Rahmen ihres Postgraduiertenstudiums am Seminar für Ländliche Entwicklung (SLE) der Humboldt-Universität Berlin am Projekt „Grenzübergreifendes Management natürlicher Ressourcen in der SADC-Region“ teil.
[email protected]

Alfons Üllenberg
ist freier Gutachter und war im Rahmen des SLE-Projektes Teamleiter zur Evaluierung der GIZ-Projekte zur Verbesserung des grenzüberschreitenden Managements natürlicher Ressourcen in der SADC-Region.
[email protected]

Links:
Evaluating cross-border natural resource management projects:
https://www.sle-berlin.de/files/sle/auslandsprojekte/2014/Studie_SADC.pdf
SADC TFCA-Netzwerkportal:

http://www.tfcaportal.org

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