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Kommentar

Ein schwerer Schlag

von Mohammad Ali Khan
Pakistan hat den Kampf gegen militante Islamisten noch lange nicht gewonnen. Die UN haben nach einem Terroranschlag ihre Büros in Pakistan geschlossen. Inzwischen ist nicht einmal mehr das Hauptquartier der Armee vor Angriffen sicher. [ Von Mohammad Ali Khan ]

Am 5. Oktober zündete ein Selbstmordattentäter in der schwer bewachten Zentrale des UN-Welternährungsprogramms (WFP) in Islamabad eine Bombe und tötete fünf Mitarbeiter. Es war bereits der vierte Anschlag auf die UN in Pakistan in diesem Jahr.

Zuvor war der Leiter der Flüchtlingsbehörde UNHCR in Belutschistan entführt, monatelang festgehalten und erst nach hohen Lösegeldzahlungen wieder frei gelassen worden. Dann tötete im Juni ein Selbstmordattentäter in Peschawar zwei Mitarbeiter von UNHCR und dem Kinderhilfswerk UNICEF. Drei Tage später starb eine andere Führungskraft des UNHCR in einem Vertriebenenlager in Peschawar bei einem Entführungsversuch. Diese Verbrechen zeigen, dass die Islamisten Hilfsorganisationen ins Visier nehmen. Offensichtlich erkennen sie die Neutralität der Entwicklungshelfer, die unvoreingenommen ihr Leben für andere Menschen riskieren, nicht an.

Pakistans 170 Millionen Menschen erleben einen ausgewachsenen Aufstand. Das wahre Ausmaß der Probleme zeigten auch der Angriff auf das Armee-Hauptquartier im Oktober und Bombenanschläge auf Zivilisten.

Der Schlag gegen das WFP war aber wohl der schwerste, weil die UN sich daraufhin aus dem Land zurückgezogen haben. Fikret Akcura, der regionale UN-Koordinator, spricht von einer befristeten Entscheidung, um Sicherheitsvorkehrungen zu überdenken. Die Pakistaner erinnern sich aber noch gut daran, wie die Gewalt im Irak 2003 eskalierte, nachdem die UN wegen eines ähnlichen Anschlag ihre Leute zurückbeordert hatten.

Hoffentlich haben sich die UN jetzt wirklich nur für kurze Zeit zurückgezogen. Ihre Abwesenheit hat jedenfalls Folgen, denn alle ausländischen Hilfswerke überdenken nun ihre Anwesenheit in Pakistan. Zweifellos hoffen die Aufständischen, dass möglichst viele abziehen. Die Mächte des Terrors haben Pakistan also wieder einen Schritt weiter in die Isolation getrieben.

Eine besonders schlechte Nachricht ist der Abzug der UN für den Wiederaufbau in der Region Malakand. Dort haben die Sicherheitskräfte erst kürzlich militante Gegner besiegt. Für drei Millionen Vertriebenen wurden Hilfsaktionen gestartet; 90 Prozent sind wieder ihre Heimat zurückkehrt. Den verschiedenen UN-Ablegern war bei den Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen eine entscheidende Rolle zugedacht. Der Human Response Plan Pakistans gibt 12 UN-Organisationen eine führende Rolle in Bereichen wie Gesundheit, Ernährung, Obdach, Bildung, Schutz und Logistik.

Nachdem die UN nun plötzlich ausfallen, wird es, wie ein Beamter der Provinzregierung zugibt, noch schwerer werden, in den nächsten drei Monaten die Verteilung von Lebensmitteln zu organisieren. Das WFP hatte im vergangenen Jahr vier Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt.

Abgesehen vom Militär verfügt Pakistans Regierung kaum über wenig Ressourcen und Personal. Es fehlen die Mittel, um denen, die vom Konflikt in Mitleidenschaft gezogen werden, humanitäre Hilfe und Unterstützung beim Wiederaufbau zu leisten. Deshalb dürfte die Schließung der UN-Büros auch die Glaubwürdigkeit des Staates erheblich beeinträchtigen. Es besteht die Gefahr, dass trotz der Erfolge der pakistanischen Sicherheitskräfte der Kampf um die Herzen und Köpfe der Menschen verloren wird.

Tatsächlich haben Militäroperationen in Malakand und Teilen der Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan den Islamisten schwere Schäden zugefügt. Dank Geheimdienstinformationen wurden kürzlich ein paar Dutzend Verdächtige verhaftet. Große Teile der Terrornetzwerke in den Konfliktregionen wurden zerrissen, und viele Militante sind auf der Flucht oder völlig desorientiert.

Der Angriff auf das WFP und die Schließung der UN-Niederlassungen zeigt aber einmal mehr, dass der Kampf gegen die militanten Widerständler noch lange nicht vorbei ist. Die Regierung hat eine neue Offensive in Südwasiristan befohlen, einem Stammesgebiet an der afghanischen Grenze. Der Rest des Landes wird wieder eine große Menge von Vertriebenen aufnehmen müssen – und ohne UN-Unterstützung wird das noch schwerer sein.