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Benachteiligte Gemeinschaften

Mehr als 100 Millionen Menschen gehören zu Indiens Adivasi

von Suparna Banerjee

Hintergrund

Gond - die Tintenmarkierungen der Frauen zeigen, dass sie an den Wahlen im Bundesstaat Madhya Pradesh Ende 2018 teilgenommen haben.

Gond - die Tintenmarkierungen der Frauen zeigen, dass sie an den Wahlen im Bundesstaat Madhya Pradesh Ende 2018 teilgenommen haben.

Der Begriff „Adivasi“ leitet sich von dem Hindi-Wort „adi“ ab, für „ursprünglich“ oder „am frühesten“, und „vasi“, für Einwohner. Offiziell gelten die Adivasi als „scheduled tribes“ („registrierte Stammesgemeinschaften“), aber Name und Status variieren von Bundesstaat zu Bundesstaat. Einige Gemeinschaften gelten in einem Bundesstaat als „scheduled tribe“, in anderen nicht – wenn sie umsiedeln, verlieren sie möglicherweise Sonderrechte.

Außenstehenden mag die Lebensweise eines Adivasi-Dorfes im Wald als unorganisiert erscheinen, doch sie basiert auf genau ausgetüftelten Gewohnheitsrechten. Die Dörfer im Mandla-Distrikt von Madhya Pradesh etwa brauchen Waldprodukte, um ihr Einkommen zu sichern. Im März und April sammeln sie Mahua-Blüten, wobei sie die Blüten scheinbar wahllos pflücken. Tatsächlich aber gibt es etliche Regeln dafür. Traditionell ist jeder Baum einem Haushalt zugeordnet, dessen Mitglieder seine Blüten sammeln dürfen.

Die Adivasi-Bräuche weichen oft stark von dem ab, was die indische Gesellschaft als normal erachtet. So erlaubt die „Ghotul“ genannte Tradition im Bastar-Distrikt in Chhattisgarh unverheirateten Männern und Frauen, vor der Ehe herauszufinden, ob sie zusammenpassen. Das Paar kann vierzehn Tage zusammen in einem Haus verbringen, um sich kennenzulernen. Danach können sie heiraten oder getrennter Wege gehen. Diese Praxis ist weit liberaler als arrangierte Ehen, wo sich Mann und Frau oft am Hochzeitstag zum ersten Mal begegnen.

Mehr als 100 Millionen Menschen

Laut der indischen Volkszählung von 2011 gehören 104,2 Millionen Menschen zu den „scheduled tribes“. Das sind fast neun Prozent der Gesamtbevölkerung und mehr als elf Prozent der Landbevölkerung. Sie sprechen mehr als 100 Sprachen und unterscheiden sich in Sozialstruktur, Bräuchen, Sprache, Religion, Essensgewohnheiten, Kleidung, wirtschaftlicher Lebensgrundlage und in ihren kulturellen Ausdrucksformen.

Selbst in dicht besiedelten Gebieten leben die Adivasi-Gemeinschaften meist in getrennten Dörfern, obwohl sie sich regelmäßig mit anderen austauschen. In Waldgebieten sind die Adivasi-Stämme weitgehend sich selbst überlassen. Zu Konflikten kommt es, wenn Konzerne mit staatlicher Unterstützung auf ihrem Land Ressourcen abbauen wollen (siehe Hauptartikel).

Ende Juli wurde Droupadi Murmu vom Parlament zur indischen Präsidentin gewählt. Sie ist die erste Adivasi-Vertreterin, ist aber in ihrer Partei, der hindu-nationalistischen BJP, als gut vernetzte Politikerin bekannt. Die Rolle der Präsidentin ist weitgehend symbolisch, so dass sie für die Walddörfer in Zentralindien keine großen Veränderungen bewirken wird.


Suparna Banerjee hat kürzlich an der Universität Bonn in Entwicklungsstudien promoviert. Ihr Buch über Waldkonflikte in Zentralindien erscheint demnächst bei Routledge.
mail.suparnabanerjee@gmail.com

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