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Sunnitisch-schiitischer-Konflikt

Saudi-Arabien zerstört den Jemen

von Maysam Behravesh

Meinung

Der Krieg im Jemen verursacht eine humanitäre Krise: Eine Mutter sitzt neben ihrem unterernährten Kind in einer Krankenstation in Sanaa.

Der Krieg im Jemen verursacht eine humanitäre Krise: Eine Mutter sitzt neben ihrem unterernährten Kind in einer Krankenstation in Sanaa.

Ende März 2015 begann Saudi-Arabien zusammen mit neun Alliierten eine Militäroffensive gegen seinen südlichen Nachbarn Jemen. Die Invasion hat seinen offiziellen Grund, den abgesetzten jemenitischen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi wieder an die Macht zu bringen, nicht erfüllt. Stattdessen hat es das ärmste arabische Land an den Rand einer Hungersnot getrieben.

Am zweiten Jahrestag des Kriegsbeginns gingen zehntausende Menschen auf die Straßen von Sanaa. Sie protestierten gegen die Saudi-geführte Militäroffensive und forderten ein Ende des Bürgerkriegs, der bereits mehr als 10 000 Tote und 40 000 Verletzte forderte. Heute benötigen laut UN rund 10 Millionen Menschen (80 % der Bevölkerung) dringend humanitäre Hilfe. Geschätzte 2 Millionen Kinder sind dem Hungertod nahe.

Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die die von Saudi-Arabien geführte Intervention vertreiben will, kontrollieren immer noch die westlichen Landesteile, einschließlich der Hauptstadt Sanaa. Der Konflikt scheint einen Stillstand erreicht zu haben und ist ein Zermürbungskrieg geworden. Die politischen, humanitären und finanziellen Kosten steigen. Berichte schätzen, dass Riad allein 2015 rund 5,3 Milliarden Dollar dafür ausgegeben hat. Reuters zufolge sollen allein die Luftangriffe Saudi-Arabien geschätzte 175 Millionen Dollar pro Monat kosten.

Es ist die Frage, warum Riad vor diesem Hintergrund unvermindert an der Militäroffensive im Jemen festhält. Grundsätzlich ist es ein emotionaler Krieg, den das Königreich im Affekt aus Frust über seinen regionalen Abstieg führt, während der Erzrivale Iran eine aufsteigende Macht ist und an Einfluss gewinnt. Die Militäroperation begann im Zuge der multilateralen Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den Weltmächten während der zweiten Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. Die Saudis beschuldigten die USA, sie zugunsten einer Annäherung an den wiedererstarkenden Iran fallenzulassen.

Auch wenn die Huthis eine potenzielle Gefahr für die nationale Sicherheit Saudi-Arabiens darstellen, haben sie Riad weder den Krieg erklärt, noch gibt es irgendeinen Hinweis darauf, dass sie den jemenitischen Bürgerkrieg nach Saudi-Arabien tragen wollen. Die saudische Intervention ist also kein Akt von Selbstverteidigung. Sie dient lediglich dazu, Stärke zu demonstrieren, und zeigt Wut und Frustration mit der aktuellen Lage im Nahen Osten. Es ist sehr zynisch, dass die Saudis laut Augenzeugen absichtlich auch zivile Ziele wie Fabriken und sogar Beerdigungen und Krankenhäuser bombardieren. Riad folgt nicht dem Beispiel Israels, Bedrohungen aus dem Gazastreifen durch Land- und Seeblockaden in Schach zu halten.

Außerdem sollte die Invasion Jemens den saudischen Nationalismus und die Popularität des Königshauses Saud stärken, das durch die großen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme im Land angekratzt ist. Das Haushaltsbudget des Königreichs verzeichnete 2015 ein Defizit von 38,7 Milliarden Dollar, und der Staat war gezwungen, 13 Prozent seiner Beteiligungen von insgesamt 9,2 Milliarden Dollar an europäischen Firmen zu verkaufen. Zugleich verordnete er sich eine Sparpolitik im öffentlichen Sektor.  

Auf nationaler Ebene hat die Intervention Saudi-Arabiens geholfen, seine Führungsstellung in der arabischen Welt zu stärken, vor allen in Ländern mit sunnitischer Mehrheit. In Ländern mit einem großen Anteil von Schiiten wie Syrien, Irak und Jemen will die saudische Regierung den Einfluss vom Iran begrenzen. Die Erfolge der Huthi im Jemen haben die Wahrnehmung Riads von seiner Stellung in der Welt angegriffen und eine „ontologische Unsicherheit“ und Angst vor Identitäts- und Statusverlust hervorgerufen. 

Der Saudi-geführte Krieg im Jemen scheint dazu zu dienen, die Aufmerksamkeit auf die Expansionspolitik des Erzrivalen Iran zu lenken. Saudische Diplomaten haben rund um die Welt große Anstrengungen unternommen, zu zeigen, dass Teheran und seine nichtstaatlichen Alliierten weiterhin eine Quelle internationaler Unsicherheit und Instabilität sind und deshalb in ihre Schranken verwiesen werden müssen. In gewissem Maß fühlt sich das saudische Regime durch den aktuellen US-Luftangriff auf Syrien bestätigt und durch den neuen Kurs der Trump-Administration, dass es keinen Frieden mit einem schiitischunterstützten Präsidenten Baschar al-Assad geben kann.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf hängt ein Ende des Krieges und die Lösung der Jemenkrise zu einem Großteil von einer Entspannung der saudisch-iranischen Beziehungen ab. Eine Politik der Anerkennung der saudischen Regionalstellung könnte den Weg dafür ebnen.


Maysam Behravesh ist Doktorand der Politikwissenschaft an der Universität von Lund, Schweden, und berichtet regelmäßig in Farsi-sprachigen Medien einschließlich BBC Persian.
[email protected]

 

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