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Medien

Gefährlicher Job

von Sheila Mysorekar

In Kürze

Gedenken in Indonesien im Herbst 2014. Das Morden ging weiter: Ende Januar tötete ISIS den japanischen Journalisten Kenji Goto.

Gedenken in Indonesien im Herbst 2014. Das Morden ging weiter: Ende Januar tötete ISIS den japanischen Journalisten Kenji Goto.

Im Jahr 2014 wurden Medienschaffende in vielen Ländern massiv unterdrückt. Die internationale zivilgesellschaftliche Organisation Reporter ohne Grenzen (RoG) schreibt in ihrem jüngsten Bericht, dass letztes Jahr 66 Journalisten im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet, 178 inhaftiert und 119 entführt wurden. Die Zahl der Entführungen liegt demnach um ein Drittel höher als 2013.

RoG zufolge ist die weltweit tödlichste Region die Zone in Syrien und im Irak, die von der Terrormiliz IS kontrolliert wird. Rund 20 Journalisten wurden letztes Jahr dort umgebracht. In manchen Fällen stellten die Täter Videos der Morde ins Internet. Weil so viele Journalisten vor dem Terror fliehen mussten, sind manche Städte nun „schwarze Löcher der Information“, wie RoG es nennt.

Die zweitgefährlichsten Gegenden sind dem Bericht zufolge die pakistanische Provinz Belutschistan und die östliche ­Ukraine, wo sowohl reguläre Sicherheitskräfte als auch bewaffnete Milizen lokale Journalisten bedrohten und töteten. Das nordöstliche Kolumbien wird ebenfalls – wie schon seit Jahren – als Hochrisikozone identifiziert, weil Paramilitärs und kriminelle Gruppen dort mit Drogen handelten.

Um ihr Leben zu retten, gehen viele Journalisten ins Exil. Laut RoG verließen 139 Journalisten letztes Jahr ihre Heimat, ebenso wie 20 Bürgerjournalisten, die oft die gleichen Drohungen erhalten wie professionelle Medienschaffende. Die größte Gruppe, die ins Exil ging, stammt aus Libyen: Dort mussten 43 Journalisten das Land verlassen. Die Zahl der Journalisten, die aus dem Iran und Eritrea flohen, sei hingegen gesunken, berichtet RoG und ergänzt, dass nicht mehr viele unabhängige Journalisten überhaupt in diesen Ländern verblieben seien.

Rund 1000 Journalisten und Bürgerreporter wurden 2014 inhaftiert. Die Ukraine, Ägypten und der Iran führen die Liste an. Darüber hinaus zählte RoG 1846 Drohungen und Angriffe, die meisten Fälle in der Ukraine, Venezuela und in der Türkei. Die Organisation weist darauf hin, dass viele Attacken nicht bekannt würden, weil entweder die betroffenen Medienschaffenden zu viel Angst hätten, um die Polizei zu alarmieren, oder weil die Polizei sich weigere, die Anzeigen aufzunehmen.

Die Täter fühlen sich ermutigt, wenn sie wissen, dass sie sich für ihre Taten nicht vor Gericht verantworten müssen. Deswegen organisiert das Committee to Protect Journalists (CPJ), eine andere zivilgesellschaftliche Organisation, eine globale Kampagne gegen Straffreiheit. Deren Statistik zufolge werden neun von zehn Morden an Journalisten nicht bestraft. CPJ zählt 1110 Journalisten weltweit, die seit 1992 umgebracht wurden, und nennt diese Morde die “extremste Art der Zensur”.

Sheila Mysorekar


Links:
Reporter ohne Grenzen:
Jahresbilanz der Pressefreiheit: Angriffe auf Journalisten 2014.
https://www.reporter-ohne-grenzen.de/jahresbilanz/2014/
Committee to Protect Journalists:Campaign against Impunity.
https://www.cpj.org/campaigns/impunity/

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