Entwicklung und
Zusammenarbeit

Juli/August-Heft

Leserbriefe

Zum Schwerpunkt „Arbeitende Frauen“ liegen zwei Stimmen vor.

Personen zweiter Klasse

Schwerpunkt E+Z/D+C 2011/7–8, S. 284 f., Interview mit Wanda Steindorf: Reiche Dienstmädchen

Ganz gut mit der sozialen Situation in Brasilien vertraut, bin ich enttäuscht über das Interview zur Situation der brasilianischen Hausangestellten, der Empregadas. Eine brasilianische TV-Dokumentation stellt die Arbeit der Em­pregadas als moderne Form der Sklaverei dar. Natürlich sind sie insoweit frei, als sie ja nicht arbeiten müssen – sie würden dann eben im schlimmsten Fall verhungern. Auch gibt es gewisse soziale Verbesserungen, wie die Garantie eines Mindestlohns, die aber häufig nur auf dem Papier bestehen. Dennoch bleiben die Empregadas Personen zweiter Klasse. Zum Beispiel werden Apartmentblocks noch immer mit einem getrennten Aufzug für Angestellte gebaut – obwohl diese doch sonst für die privatesten Tätigkeiten ihrer Arbeitgeber eingesetzt werden, wie zum Kochen oder zur Versorgung der Kinder. Auch gibt es bis heute die kleinen Zimmer für die Empregadas, meist neben der Küche. Ausgebildet wird die Empregada meist nur insoweit, als dies vom Arbeitgeber gebraucht wird, zum Beispiel zum Kochen. Warum aber kümmern sich die meisten Arbeitgeber nicht um die Allgemeinbildung ihrer Empregadas, zum Beispiel Lesen und Schreiben? Nur dann hätten sie Chancen auf einen sozialen Aufstieg. In dem Interview wird von „gut verdienenden“ Empregadas in São Paulo gesprochen. Doch diesen Verdienst muss man ins Verhältnis zu dem ihrer Arbeitgeber setzen, die in diesem Fall sicherlich zur brasilianischen Oberschicht gehören und damit wohl im Luxus schwelgen.

RiLG Prof. Dr. jur. Kai Ambos, Georg-August-­Universität Göttingen, Deutschland

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