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Frauenrechte

Zusammenarbeit mit Frauengruppen kann Gewalt eindämmen

von Glory Makena, Brianna Guidorzi

Hintergrund

Eine Gruppe von Frauen, die an einer Fortbildungsveranstaltung teilnehmen.

Eine Gruppe von Frauen, die an einer Fortbildungsveranstaltung teilnehmen.

Aufgrund der Covid-19-Pandemie kam es weltweit zu mehr Gewalt gegen Frauen – besonders betroffen waren krisengeschüttelte Länder wie der Südsudan. Humanitäre Organisationen sollten deshalb enger mit lokalen Frauengruppen zusammenarbeiten.

Auf dem Höhepunkt der Pandemie nahm die Gewalt gegen Frauen so stark zu, dass das Phänomen als „Schattenpandemie“ bezeichnet wurde. Lockdowns, Schulschließungen und Anweisungen, zu Hause zu bleiben, ließen die Spannungen in Haushalten eskalieren. Allgemein hat die Pandemie Frauen stärker getroffen als Männer.

Das bestätigt auch ein Bericht des International Rescue Committee (IRC) zur Lage in Afrika, der einen deutlichen Anstieg der geschlechterbasierten Gewalt feststellte. Die internationale humanitäre Organisation befragte in den ersten zehn Monaten der Pandemie 852 Frauen in 15 afrikanischen Ländern, die in Flüchtlings-, Vertriebenen- oder Postkonfliktsituationen lebten. Fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten berichteten von einer Zunahme der Gewalt durch einen Partner, 51 Prozent von einer Zunahme der sexuellen Gewalt und 32 Prozent von einer Zunahme der Früh- und Zwangsehen in ihrer Gemeinde.

Ein Beispiel ist der Südsudan. Vor der Pandemie hatte schätzungsweise ein Drittel der Frauen und Mädchen sexuelle Gewalt durch einen Nichtpartner erfahren, und bis zu 73 Prozent erlebten Gewalt durch einen Partner (IRC et al., 2021). Diese Zahlen stiegen im Zuge von pandemiebedingten Schließungen und einem allgemeinen Zusammenbruch der sozialen Ordnung sprunghaft an. Das Land steht vor vielen Herausforderungen:

  • Bürgerkrieg,
  • ununterbrochener Gewalt,
  • Wirtschaftskrise,
  • Gefahr einer Hungersnot,
  • Covid-19-Pandemie und
  • einem schwachen Gesundheitssystem.

Im Südsudan leisten internationale und lokale humanitäre Gruppen Hilfe. IRC arbeitet mit Unterstützung von Irish Aid mit lokalen Frauengruppen zusammen, um in Lagern für Vertriebene sichere Räume, Beratung und Schulungen anzubieten. Damit sollen die Frauen geschützt und gestärkt werden, ihr Leben zu verbessern.

IRC will die Häufigkeit geschlechterbasierter Gewalt insgesamt verringern. Die Organisation setzt auf Maßnahmen, die das individuelle Verhalten verändern sollen. Das Programm heißt „Engaging men through accountable practices“. Die Menschen müssen geschlechtsspezifische Einstellungen, die zu Gewalt gegen Frauen führen können, hinterfragen. Männer müssen verstehen, dass Gewalt kostspielig und keine Lösung für häusliche Probleme ist. „Ich habe beschlossen, Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen. Meine Ehe hat sich verbessert“, sagte ein Ehemann nach der Teilnahme.

Auf lokaler Ebene handeln

Nationale und lokale Frauenrechtsorganisationen sind wichtige Akteure bei der Bekämpfung der „Schattenpandemie“. Sie sind wertvolle Informationsquellen über die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen. Dennoch bemängelt IRC, dass Frauengruppen bei der Planung von humanitären Initiativen häufig übersehen werden. Meist werden sie in strategischen Dokumenten nicht einmal erwähnt.

Gleichzeitig kommen Frauenorganisationen nur schwer an Finanzmittel. Eine Aktivistin sagte IRC, dass sie keinen Zugang zu Geldgebern haben. Es erscheine ihnen „unmöglich“, in das System vorzudringen. Selbst wenn eine Gruppe Glück hat, eine indirekte Finanzierung von einer internationalen Organisation zu erhalten, beinhaltet diese in der Regel keine Unterstützung für das Wachstum der Organisation.

Es sollte anders sein – Frauenorganisationen sollten mehr Einfluss auf die Entscheidungen haben, die ihre Gemeinden betreffen. Immerhin steht Deutschland derzeit an der Spitze einer feministischen Außenpolitik. Außerdem ist es Politik der UN, bei humanitären Maßnahmen lokale Ansätze zu fördern. Entsprechende Verpflichtungen wurden im „Call to Action on Protection from Gender-Based Violence“ festgelegt, einer globalen Initiative, die 97 Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und internationale Institutionen unterzeichnet haben. Nothilfe durch Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen lokaler zu machen, ist ein wichtiger Schritt.

Ein stärkerer Fokus auf Partnerschaften mit lokalen Gruppen und ihre direkte Finanzierung stünde auch im Einklang mit den Zielen des Generation Equality Forum. Das 2021 erstmals von UN Women einberufene Forum, das gerade ein Jahr existiert, will die Gleichstellung der Geschlechter weltweit vorantreiben.

Die Absichten sind gut, aber in der humanitären Praxis hat sich viel zu wenig geändert. Systemische Reformen würden dazu beitragen, einen feministischeren Ansatz für die Partnerschaft umzusetzen. Diese drei Dinge sollten geschehen:

  • Das UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) sollte voraussetzen, dass Frauenorganisationen an jeder Phase der humanitären Programme beteiligt sind.
  • Internationale humanitäre Organisationen sollten die Anzahl und Qualität ihrer Partnerschaften mit Frauenorganisationen erhöhen.
  • Lokale und nationale Frauenorganisationen sollten mehr langfristige sowie flexible Finanzmittel erhalten, um ihre Kernausgaben decken, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen und ihre Maßnahmen an die Bedürfnisse der Zielgruppen anpassen zu können.

Wir brauchen ein anderes System. „Betrachten Sie uns als Gleichberechtigte“, sagte eine unserer Gesprächspartnerinnen, die eine Basisorganisation vertritt.


Links

IRC, 2021: Why not local? Gender-based violence, women’s rights organisations and the missed opportunity of Covid-19.
https://www.rescue.org/report/why-not-local-gender-based-violence-womens-rights-organisations-and-missed-opportunity-covid

IRC, 2020: What happened? How the humanitarian response to COVID-19 failed to protect women and girls.
https://www.rescue.org/sites/default/files/document/5281/ircwpecovidreportv7.pdf

IRC et al., 2019: What works to prevent violence against women and girls in conflict and humanitarian crisis.
https://www.whatworks.co.za/resources/policy-briefs/item/662-what-works-to-prevent-violence-against-women-and-girls-in-conflict-and-humanitarian-crisis-synthesis-brief


Glory Makena arbeitet für International Rescue Committee im Südsudan und ist spezialisiert auf den Schutz und die Stärkung der Rolle der Frau.
glory.makena@rescue.org

Brianna Guidorzi arbeitet für International Rescue Committee im Vereinigten Königreich und ist spezialisiert auf Politik zum Schutz und der Stärkung von Frauen.
brianna.guidorzi@rescue.org