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Fragile Staatlichkeit

Männergewalt

von Floreana Miesen

In Kürze

A painting from the Democratic Republic of the Congo

A painting from the Democratic Republic of the Congo

Friedensprozesse in Nachkriegssituationen werden oft von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. In einer Studie des Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) rät Rita Schäfer, Männer aktiv in Problemlösungen einzubeziehen. Von Floreana Miesen

Exkombattanten stehen nach ihrem Einsatz oft vor einer unsicheren Zukunft und neigen zu häuslicher und sexualisierter Gewalt. Diese richtet sich nicht immer nur gegen Frauen, sondern zunehmend auch gegen Männer.

Rita Schäfer sieht die Ursachen in den Genderbildern der betroffenen Gesellschaften. Kriege und Konflikte prägten die Vorstellung von Männlichkeit. Kindersoldaten etwa lernten kaum gewaltfreie Formen der Konfliktlösung oder des Ausdrucks von Männlichkeit kennen. Nach Ende der Kampfhandlungen bedeute die Abgabe der Waffen für die Soldaten einen extremen Machtverlust, den viele durch fortwährende Gewalt kompensieren wollten.

Die Entwicklungsorganisation CARE (Cooperative for Assistance and Relief Everywhere) untersuchte im Jahr 2007 geschlechtsspezifische Gewalt in Südosteuropa, wo ökonomische und politische Umbrüche in den späten 1980er Jahren zu übersteigertem Nationalismus und in den 90ern zu Kriegen führten. Die Ergebnisse zeigten, dass Jugendliche die Polizei als Institution mit einer ausgeprägten Gewaltkultur wahrnahmen und sich an diesem Vorbild orientierten. Schäfer betont deshalb, dass Männer in einflussreichen Positionen sich ihrer Vorbildrolle bewusst werden und zur Überwindung der Stereotypen beitragen müssen.

Sie lobt Konzepte, die Gewalt geschlechtsspezifisch angehen. So fördern zum Beispiel Sportprojekte zugleich sozialen Rückhalt als auch Wettbewerbsgeist auf eine gesunde Weise. Auch die Medien könnten dazu beitragen, Gender-Stereotypen zu ändern und Gewaltakzeptanz zu reduzieren. Schäfer beklagt, dass es bislang vor allem Pilotprojekte gebe, die Arbeit aber längerfristig angelegt sein müsse. Sinnvoll sei beispielsweise, in Nachkriegsgebieten die HIV-Prävention an Anti-Gewaltprojekte zu knüpfen. Hohe Vergewaltigungsraten bedeuten schließlich auch, dass Krankheiten sexuell übertragen werden.

Floreana Miesen