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Südliches Afrika

Afrikanisches Vorbild

von Raphael Mweninguwe
Staple food: selling maize cobs at the road­side in Blantyre

Staple food: selling maize cobs at the road­side in Blantyre

Die malawische Regierung subventioniert Saatgut und Dünger. Die Ernteerträge sind in der Folge gestiegen, das politische Programm ist entsprechend beliebt. Die große Frage ist indessen, ob der Staat sich die Zuschüsse auf Dauer leisten kann. Zudem kann der Klimawandel einen Strich durch die Rechnung machen. Von Raphael Mweninguwe

Die Wirtschaft des Binnenstaats Malawi hängt größtenteils von der Landwirtschaft ab. Tabak ist das wichtigste Exportprodukt. Die Grundnahrungsmittel sind Mais, Reis und traditionelle Nutzpflanzen wie Maniok. Das Land ist stolz auf seine Nahrungsüberschüsse, die dank guten Regens und einer Agrarpolitik der Regierung, die Saatgut und Düngemittel bezuschusst, möglich wurden.

Das war nicht immer so. In der Saison 2001/02 gab es eine Dürre, die einige Fachleute mit dem globalen Klimawandel in Verbindung brachten. Die Dürre führte zu Nahrungsengpässen, etliche Malawier verhungerten. Rund fünf Millionen Menschen benötigten dringend Nahrung. Die malawische Regierung und internationale Hilfsorganisationen wie das World Food Programme (WFP) bemühten sich, Ressourcen für die Notleidenden zu mobilisieren. Für Aids-Kranke, deren Immunsystem bereits geschwächt ist, war das Hungern besonders gravierend. Rund 14 Prozent der Malawier sind HIV-positiv.

Nach der Krise wurde die Landwirtschaft zum Topthema der Politik. 2004 wurde Bingu wa Mutharika als Präsident vereidigt. Im Wahlkampf hatte er versprochen, dem Hunger mit einer Vielzahl von Maßnahmen inklusive Subventionen entgegenzuwirken.

Heute profitieren jährlich 1,7 Millionen Familien von den Zuschüssen. Ein 50-Kilo-Sack Dünger kostet mittlerweile umgerechnet vier Dollar. Ohne finanzielle Unterstützung läge der Preis bei etwa 50 Dollar. „Malawi kann sich selbst ernähren“, sagte der Präsident, als er das Programm einführte. „Wir haben ausreichende Ressourcen, und wir wollen unser Land von der Ernährungsunsicherheit in die Ernährungssicherheit führen.“

Malawi benötigt jährlich etwa 2,5 Millionen Tonnen Mais. Im ersten Jahr der neuen Agrarpolitik gab es einen Überschuss von 1,6 Millionen Tonnen. Ernährungssicherheit bleibt auch weiterhin die Priorität von Mutharika und seiner Democratic Progressive Party (DPP). Die Agrarpolitik hat sich nämlich auch politisch ausgezahlt: 2009 wurde der Präsident zum zweiten und letzten Mal für fünf Jahre gewählt.

Während der ersten Amtszeit Mutharikas entwickelte sich Malawi zum afrikanischen Vorzeigemodell für landwirtschaftliche Produktion. Das Land war plötzlich in der Lage, Nahrungsmittelüberschüsse in Nachbarländer wie Simbabwe oder Lesotho zu exportieren, wo Ernten aufgrund von Dürren oder schlechter Agrarpolitik fehlschlugen.

„Malawis Erfolgsgeschichte inspiriert die gesamte Region“, sagt Lindiwe Majele Sibanda, die Leiterin von FANPRAN, dem „Food, Agriculture and Natural Resources Policy Analysis Network“, das in mehreren Ländern im südlichen Afrika aktiv ist. Auch die internationale Gemeinschaft erkennt die malawische Politik der Ernährungssicherheit an. In den vergangenen Jahren erhielt Mutharika zahlreiche Auszeichnungen verschiedener internationaler Organisationen.

Rund 85 Prozent der 13,1 Millionen Malawier leben auf dem Land – die meisten von der Landwirtschaft. Etwa 56 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, und viele müssen mit weniger als der Kaufkraft eines Dollars pro Tag auskommen. Vor allem die Landbevölkerung unterstützt Mutharika. Geberregierungen haben den Erfolg seiner Agrarpolitik erkannt, und einige – wie die EU und die britische Regierung – unterstützen sie auch.

Die Regierung betont, das Subventionsprogramm habe die Armut reduziert. Laut Andrew Daudi, dem Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Nahrungssicherheit, förderte das Programm seit Beginn mehr als sechs Millionen Menschen. Präsident Mutharika versichert, er habe nicht vor, die Subventio­nen zu stoppen.

Trotzdem wird diskutiert, ob sich Malawi das Programm überhaupt leisten kann. Kritiker meinen, die Regierung stecke zu viel Geld in Agrarsubventionen – zum Nachteil anderer Politikfelder. Das nationale Budget 2010/2011 des Landes beläuft sich auf 297 Milliarden Malawi-Kwacha (umgerechnet 1,98 Milliarden Dollar), wovon fast zehn Prozent auf die Subventionen entfallen. Dies ist der größte Brocken im nationalen Haushalt.

Auch Geberinstitutionen wie etwa das britische Entwicklungsministerium (DFID – Department for International Development) warnen, das Subventionsprogramm sei zu teuer, und raten der Regierung, es herunterzufahren. Jim Drummond, DFID-Direktor für das westliche und südliche Afrika, sagte kürzlich vor Journalisten, die Agrarpolitik könne nicht ewig weiterlaufen. Es läge in der Verantwortung der Regierung, die Subventionen zu beenden. Die britische Regierung werde Malawi aber unabhängig von dieser Entscheidung weiter unterstützen.

Die Bäuerin Jane Tomasi meint, das Programm müsse weiterlaufen, weil „viele Bauern in Malawi davon profitieren“. Sie sagt: „Vor den Subventionen konnten wir uns weder Saatgut noch Dünger leisten. Aufgrund der staatlichen Düngergutscheine ist die Ernährung von vielen jetzt gesichert.“ Tomasis Maisernte deckt ihren eigenen Bedarf – und es bleibt auch noch etwas zum Verkauf übrig. Manford Lungu, Bauer und Landwirt im Norden Malawis, stimmt ihr zu: „Dank der Agrarpolitik kann ich heute meine Familie ernähren.“ Die Subventionen müssten weiterlaufen, egal, was sie die Regierung kosten.

Schlechtes Wetter

Der Erfolg der Agrarpolitik – und damit ihr Fortbestand – hängt indessen auch vom Niederschlag ab. In der Saison 2009/2010 regnete es so wenig, dass viele Bauern trotz des subventionierten Düngers nicht genug ernten konnten. Das Malawi Vulnerability Assessment Committee (MVAC) berichtete, dass 1,1 Millionen Menschen Not litten.

Wieder sprachen Experten vom Klimawandel. FANPRAN-Chefin Subanda sagte: „Die Landwirtschaft muss sich an stetig verändernde und unvorhersehbare Bedingungen anpassen. In diesem Jahr haben wir einen kurzen Blick in die Zukunft geworfen.“ Sie zeigte auf globaler Ebene auf, dass Landwirtschaft zum Klimawandel beiträgt. Das bestehende Wissen über bessere Landnutzungsmethoden tauge aber dazu, Kohlenstoff in Böden und Biomasse einzufangen: „Die Landwirtschaft hat das Potential, etwa 90 Prozent der eigenen Emissionen selbst wieder zu binden.“

Afrikanische Kleinbauern gehören nicht zu den Hauptverursachern des Klimawandels, aber sie werden mit seinen Folgen zurechtkommen müssen. Die meisten Bauern in Malawi sind arm und können weder lesen noch schreiben. Wissen über bessere landwirtschaftliche Praktiken müssen also Agrarberater verbreiten, von denen die meisten nicht mit dem Thema Klimawandel vertraut sind. Ohnehin können selbst ausgewiesene Fachleute nicht genau sagen, was der Klimawandel bewirken wird. Manche Bauern glauben, die Dürre vor einem Jahr sei ein normales Naturphänomen gewesen und habe nichts mit globalen Umwelttrends zu tun gehabt.

Im Oktober initiierte Präsident Mutharika, seinerzeit Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU), den afrikanischen Tag der Nahrung in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. Er wollte Afrikas politische Spitzenleute so daran erinnern, dass sie sich langfristig und aktiv mit Hunger auf dem Kontinent auseinandersetzen müssen. Er ist stolz auf das, was Malawi erreicht hat.

Im Agrarjahr 2010/11 rechnet Malawi wieder mit Überschüssen. Der Regen war in dieser Saison gut. Nun wäre also ein guter Zeitpunkt, über das Auslaufen der Subventionen nachzudenken. Aber 2014 stehen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an, und die Regierung wird sicher keine Politik ändern, die Massen von Wählern gut finden.