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Editorial

Wasserwende

von Katja Dombrowski

Meinung

Mädchen an einem Brunnen in Äthiopien.

Mädchen an einem Brunnen in Äthiopien.

Es könnte grundlegender nicht sein: Ohne Wasser gibt es kein Leben. Der Mensch stirbt schon nach wenigen Tagen, wenn er nicht trinkt. Wasser ist das auf der Erde am häufigsten vorkommende Element und das wichtigste Lebensmittel. Doch obwohl rund drei Viertel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, haben hunderte Millionen Menschen nicht genug oder kein sauberes Trinkwasser. Nicht alle sterben deshalb. Aber viele leiden: Durch Wassermangel werden wichtige Funktionen des Körpers eingeschränkt.

Wer nur wenig Wasser zur Verfügung hat, benutzt es zum Trinken oder Kochen. Dinge wie Körperpflege, Wäschewaschen, Geschirrspülen bleiben auf der Strecke. Wo kein Wasser ist, gibt es auch keine vernünftige Sanitärversorgung. Bakterien florieren, Krankheiten haben leichtes Spiel. Zu Recht ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung seit 2010 ein Menschenrecht, auch dank der Millennium Development Goals (MDGs), mit denen die Weltgemeinschaft dieses Thema in den Fokus gerückt hat.

Doch damit nicht genug. Auch Tiere und Pflanzen sind auf Wasser angewiesen. Wenn eine Familie in einer Dürre mit ihrem Viehbestand ihr größtes Kapital verliert oder die Ernte des gesamten Jahres, ist das existenzbedrohend. Umgekehrt ist, wer bewässern kann, stark im Vorteil. Wasser schenkt nicht nur Leben, sondern auch Wohlstand.

Kein Wunder, dass um diese wertvolle Ressource seit jeher Konflikte toben – und in der Zukunft vermutlich umso mehr. Es heißt, Wasser sei das neue Öl: knapp, begehrt, lukrativ. Vor dem Hintergrund der wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels wird die Verteilungsfrage in vielen Regionen drängender – der Streit nimmt zu. Reich gegen Arm, Industrie gegen Landwirtschaft, kommerzielle Interessen gegen Gemeingut. Die fortschreitende Privatisierung von Wasser ist eine besonders gefährliche Entwicklung.

An Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel, an gerechterer Verteilung, an einem nachhaltigen Umgang mit Wasser führt kein Weg vorbei. Das Problem ist von globaler Bedeutung. Es betrifft auch Menschen, die in wasserreichen Gegenden leben, denn diese beuten auch Ressourcen in Ländern mit Wasserproblemen aus. Der externe Wasserfußabdruck, also der Verbrauch von Wasser aus anderen Ländern, ist beispielsweise in Deutschland größer als der interne Wasserfußabdruck, also die Nutzung heimischer Vorkommen.

In der Landwirtschaft wird das meiste Wasser verbraucht, vor allem in der industriellen. Die Fleischproduktion schluckt besonders viel, aber auch beliebte „Dritte-Welt-Produkte“ wie Baumwolle, Palmöl, Kaffee und Kakao. Unbedachter Konsum heizt Konflikte im Gazastreifen an, lässt den Aralsee versalzen und zerstört das ökologische Gleichgewicht ganzer Regenwälder.

Um der globalen Verantwortung gerecht zu werden, hilft es auch, UN-Forderungen zu beherzigen. Dazu gehören Subventionen für effiziente Bewässerungsmethoden und extensive Landwirtschaft. Weniger Atom- und Kohlekraftwerke, da sie viel Wasser zum Kühlen brauchen, dafür mehr Investitionen in erneuerbare Energien. Weniger Pestizide und andere Chemikalien, die das Grundwasser verseuchen. Mehr Kläranlagen, da Abwässer – auch aus der Industrie – größtenteils unbehandelt im Meer landen. Schutz der vorhandenen Grundwasserreserven. Was die Welt braucht, ist, kurz gesagt, eine Wasserwende.
 

Katja Dombrowski ist Redakteurin von E+Z Entwicklung und Zusammenarbeit / D+C Development and Cooperation.
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