D+C Newsletter

Liebe Besucher,

kennen Sie unseren Newsletter? Er hält Sie über unsere Veröffentlichungen auf dem Laufenden. Wenn Sie sich registrieren, bekommen Sie ihn jeden Monat zugesendet.

Herzlichen Dank,
die Redaktion

Registrieren

Fairer Handel

Kakaobauern leiden unter Preisverfall

von Linda Engel

In Kürze

Kakaoanbau in Ghana.

Kakaoanbau in Ghana.

Die Lebensbedingungen der Kakaobauern hängen von zahlreichen Faktoren ab. Der Weltmarktpreis spielt eine wichtige Rolle, aber auch die Bildung der Bauern, nachhaltiger Anbau und Vermarktung. Schokoladenproduzenten haben sich freiwillige Selbstverpflichtungen auferlegt, zudem sollten sie sich an die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte halten.

Kleine Betriebe in Côte d’Ivoire und Ghana bauen zusammen rund 60 Prozent des weltweiten Kakaobedarfs an. Die meisten dieser Familienbetriebe haben nur eine Handvoll Hektar Land. Viele Bauern leben unter der Armutsgrenze, und auch ihre Kinder müssen häufig mitarbeiten.

Seit Ende 2016 hat sich die Lage zusätzlich verschlechtert, da der Kakaopreis am Weltmarkt stark eingebrochen ist. Edward Akapire von Fairtrade Afrika betont, welch große Rolle dieser Preis spiele: Er bestimme, wie viel die Bauern investieren, aber zum Beispiel auch, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken können. Für junge Menschen sei ein Einstieg in den Kakaoanbau derzeit nicht attraktiv.

Die Branche steht zusätzlich unter Druck, weil sich für die nächsten Jahre Engpässe in der Produktion abzeichnen. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass die Bäume nur einige Jahre Früchte in guter Qualität tragen. Die Bauern müssen daher regelmäßig junge Kakaobäume nachpflanzen, die erst nach einigen Jahren erntereife Früchte tragen. Somit bringt nur ein Teil der Bäume Geld ein, und Investitionen rechnen sich erst spät. Viele Bestände in Ghana und Côte d’Ivoire gelten als veraltet.

Große Schokoladenproduzenten reagieren darauf unter anderem mit freiwilligen Selbstverpflichtungen. Die Firmen sind dem Käufer einer Tafel Schokolade zumeist unbekannt, dominieren aber das Geschäft mit der Weiterverarbeitung der tropischen Frucht. Der Weltmarktführer Barry Callebaut hat sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, bis 2025 die Lebensbedingungen einer halben Million Bauern zu verbessern und Kinderarbeit zu beenden. Marina Morari von Barry Callebaut sagt: „Wir wollen angemessene Lebensgrundlagen sehen.“

Der Weltmarktpreis sei dafür ein wichtiger Faktor, aber nicht der einzige, erklärte sie bei einer Podiumsdiskussion auf der Lebensmittelmesse Anuga im Oktober in Köln. Den Bauern fehle es häufig an Bildung und Informationen, um gut wirtschaften zu können. Viele wüssten beispielsweise gar nicht, wie groß ihr Land eigentlich sei und könnten somit auch nicht errechnen, wie viel Düngemittel sie benötigten.


Fairer Handel wächst

Engagierten Unternehmen geht es nicht nur um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sondern auch darum, Umweltschäden wie Entwaldung zu vermeiden. Sie arbeiten auf nationaler oder internationaler Ebene mit zivilgesellschaftlichen und staatlichen Akteuren zusammen. „Fortschritte lassen sich nur gemeinsam erzielen“, sagt Wolf Kropp-Büttner vom Forum Nachhaltiger Kakao, in dem sich die Bundesregierung, die deutsche Süßwarenindustrie, der deutsche Lebensmittelhandel und die Zivilgesellschaft zusammengeschlossen haben, um die Lebensumstände der Kakaobauern und ihrer Familien zu verbessern sowie den Anbau und die Vermarktung nachhaltig erzeugten Kakaos zu erhöhen.

Kropp-Büttner bewertet die Fortschritte der letzten Jahre vorsichtig optimistisch. Immer mehr Unternehmen bezögen zertifizierten Kakao nach anerkannten Standards beispielsweise von Rainforest oder Fairtrade. In Deutschland mache er mittlerweile knapp die Hälfte der Gesamtmenge aus. Kritische Stimmen fordern jedoch auch von den Schokoladenproduzenten wie Barry Callebaut, mehr Kakao aus fairem Handel zu verwenden. Derzeit reagierten die Hersteller lediglich auf Nachfrage ihrer Geschäftskunden.

Es wäre schon viel geholfen, wenn Unternehmen sich an die 2011 verabschiedeten UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte halten würden. Demnach sollen Firmen beispielsweise garantieren, dass Einzelpersonen oder Gruppen sich über Menschenrechtsverstöße beschweren können, die von den Unternehmen vor Ort verursacht werden. Die Verantwortung der Unternehmen ist dort besonders groß, wo der Staat fragil oder schwach ist. Auf Grundlage der Leitprinzipien haben mittlerweile rund 20 Länder sogenannte Nationale Aktionspläne entwickelt, darunter auch Deutschland. Damit wollen sie sicherstellen, dass die nationalen Unternehmen die Prinzipien auch international achten.

 

Kommentar hinzufügen

Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren