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Naturwissenschaft

Was alle über den Treibhauseffekt wissen müssen

von Carmel McNaught

Meinung

Im Internet sind forschungsbasierte Informationen frei erhältlich: Titelseite eines Australien-Berichts von Climate Analytics.

Im Internet sind forschungsbasierte Informationen frei erhältlich: Titelseite eines Australien-Berichts von Climate Analytics.

Die Leugnung der Klimakrise ist weit verbreitet. Wer die wissenschaftlichen Grundlagen nicht kennt, fällt leichter auf Lügenpropaganda herein.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co-operation and Development – OECD) definiert „scientific literacy“ als die Fähigkeit, sich auf wissenschaftliche Themen einzulassen und relevante Fragen als Staatsbürger zu reflektieren. Dazu gehört, nur das, was empirisch belegt ist, als valides Wissen zu akzeptieren. Theorien müssen kritischem Denken standhalten und den Fakten entsprechen.

Die Naturwissenschaft dient dazu, die Welt um uns zu verstehen. Die Ergebnisse sind oft konterintuitiv. Individuelle Menschen könnten den Klimawandel nicht erkennen, denn dieses Phänomen ist viel zu komplex. Dennoch kann der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) zweifelsfrei festhalten: „Die Erhitzung des Klimasystems ist wissenschaftlich eindeutig belegt.“ Dem IPCC gehören führende Akademiker an; ihre Aufgabe ist es, weltweit den Forschungsstand zu erfassen und bewerten.

Tatsächlich gibt es viele Belege für den Klimawandel. Weltweit steigen die Durchschnittstemperaturen, Polareis schmilzt et cetera. Wie Klimaforscher seit Jahrzehnten warnen, kommen extreme Wetterlagen häufiger vor – und verursachen zunehmend Schäden. Die Fakten entsprechen der Theorie.


Wege aus der Krise

Positiv ist indessen, dass die Wissenschaft auch nachhaltige und ausbaubare Lösungen anbietet. Die Weltgesellschaft kann fossile Energie mit erneuerbarer ersetzen. Der Wandel zu einem klimafreundlichen Lebensstil erfordert allerdings entschlossenes Handeln.

Aber warum begreifen nicht alle, wie dringend die Angelegenheit ist, und unterstützen entsprechende Maßnahmen? Ich sehe zwei große Hürden. Mächtige Energieunternehmen lehnen Reformen ab und haben Klimaleugnung immer wieder gefördert. Andererseits kommt ängstlichen Menschen Desinformation gut zupass, der zufolge alles in Ordnung ist oder sie selbst zumindest keine Verantwortung tragen.
 

Fehleinschätzungen in Australien und Deutschland

Ich lebe in Australien, habe aber lange in Bildungs- und Entwicklungsprojekten in Asien und Afrika gearbeitet. In meiner Heimat sagen viele fälschlich, Australiens Beitrag zur Klimakrise sei gering. 2019 urteilte aber ein Bericht von Climate Analytics: „Pro Kopf ist Australiens CO2-Verbrauch neunmal so groß wie der Chinas, viermal so groß wie der der USA und 37-mal so groß wie der Indiens.“ Die Studie ist bekannt, hatte aber kaum Einfluss auf die öffentliche Meinung oder die Regierungspolitik.

Ähnlich halten sich viele Deutsche für „Klimaweltmeister“. Tatsächlich haben aber, abgesehen von vier anderen EU-Ländern, alle einen niedrigeren CO2-Ausstoß pro Kopf.

Was ist zu tun? Angstmacherei funktioniert nicht. Wissenschaftskenntnisse können dagegen helfen, sowohl die Probleme als auch die möglichen Lösungen zu verstehen. Wer die wissenschaftlichen Grundlagen nicht kennt, fällt eher auf Lügenpropaganda herein.

Schulen sind wichtig, um „scientific literacy” zu fördern. Sie reichen aber offensichtlich nicht. Oft sind sie auch katastrophal unterfinanziert – besonders, aber nicht nur in Entwicklungsländern. Ich kenne Beispiele von hervorragendem naturwissenschaftlichen Unterricht in vielen Ländern. Für erfolgreiche Klimapolitik brauchen wir aber mehr als ein paar vorbildliche Leuchttürme. Wir brauchen Flutlicht überall.

Fortschritt ist auf vielen Ebenen nötig – individuell, lokal, nationalstaatlich und weltweit. Jedes Mitglied jeder Gemeinschaft sollte die Grundlagen der Klimawissenschaft kennen. Wir müssen auf evidenzbasierten Argumenten bestehen, Informationen kritisch prüfen und Verschwörungstheorien zurückweisen. Dafür ist kein Hochschulstudium nötig. Es gibt gute populärwissenschaftliche Publikationen. Zudem geben sich viele Wissenschaftler Mühe, ihre Einsichten einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. TED Talks (www.ted.com) sind Videos mit Untertiteln in vielen Sprachen, in denen Experten ihr Wissen teilen. Sie sind im Internet gratis abrufbar.


Carmel McNaught ist emeritierte Didaktik-Professorin der Chinese University of Hong Kong und Gastprofessorin der University of Johannesburg.
[email protected]

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