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Weltwirtschaft

Kooperation statt Konfrontation

von Hans Dembowski

Meinung

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim und IWF-Chefin Christine Lagarde im vergangenen Herbst in Lima.

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim und IWF-Chefin Christine Lagarde im vergangenen Herbst in Lima.

Ökonomische Aussichten verdüstern sich derzeit vielerorts. Die Rohstoffpreise sind tief gefallen und der Dollar steigt. Viele Kreditnehmer dürften sich bald schwertun, Schulden in Dollar zu bedienen. Das macht Finanzkrisen wieder wahrscheinlicher.

Im Notfall sind internationale Finanzinstitutionen (IFI) die letzten Geldgeber. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank sind dabei besonders wichtig. Ihre Geschichte ist aber nicht nur von Erfolgen gekrönt. Ende der 1990er Jahre wurde multilateraler Schuldenerlass nötig, weil viele Länder im Teufelskreis von hohen Schulden, Sparpolitik und Stagnation feststeckten. Dabei hatten sie sich Strukturanpassungsprogrammen unterworfen, wie sie Bank und Fonds stets als Gegenleistung für Notkredite forderten.

Der Schuldenerlass war erfolgreich und Entwicklung setzte vielfach neu ein. Derzeit ist aber unklar, ob der Erfolg von Dauer ist, denn einige Länder sind wieder gefährlich hoch verschuldet.

Andererseits haben Strukturanpassungen manchen Ländern auch gutgetan. In Indien begann dank dieser Politik in den frühen 1990er Jahren ein regelrechter Boom, und das gilt ähnlich für Brasilien und die Türkei kurz nach dem Jahrtausendwechsel. Strukturanpassungen fallen also nicht immer gleich aus.

Beobachtern zufolge haben IWF und Weltbank manchmal mehr Wert auf die Sanierung der Staatshaushalte gelegt und manchmal mehr Wert auf die Liberalisierung von Märkten. In einigen Fällen ging es mit Volkswirtschaften schnell wieder aufwärts, aber in anderen verschärften und verstetigten sich Krisen. Es heißt manchmal, das sei durchaus intendiert gewesen, denn die Technokraten wollten bei kleinen Krisenländern abschreckende Exempel statuieren, große Ökonomien aber schnell wieder in Fahrt setzen, damit sie das globale System nicht beeinträchtigen. Als Strafinstanz sollten IFIs aber sicherlich nicht dienen, denn es ist unfair, die gesamte Bevölkerung für verfehlte Wirtschaftspolitik haften zu lassen.

In der nächsten Krise werden IWF, Weltbank und die schon lang bestehenden regionalen Entwicklungsbanken wohl nicht mehr die einzigen relevanten IFIs sein. In den vergangenen Jahren haben Schwellenländer nämlich neue lanciert. Am bekanntesten sind die Asian Infrastructure Investment Bank und die New Development Bank, die beide ihren Sitz in China haben und als Konkurrenz zur Weltbank propagiert wurden. Außerdem wurden Währungskörbe eingerichtet, die Schwellenländer im Notfall von IWF-Mitteln unabhängig machen sollen.

Die Leistungskraft der alten und neuen IFIs kann schon bald getestet werden. Beide Gruppen könnten sich als recht einflussreich erweisen, zumal es ihnen in Zeiten niedriger Zinsen leichtfallen dürfte, auf Kapitalmärkten Geld aufzunehmen. Staatliche Zuschüsse sind selbstverständlich auch möglich.

Noch lässt sich nicht beurteilen, ob sich die neuen und die etablierten Institute mit vereinten Kräften für das globale Gemeinwohl einsetzen werden oder ob sie in ruinösem Wettbewerb versuchen, so viele Projekte wie irgend möglich zu finanzieren. Beides ist möglich, aber Letzteres wäre destruktiv. Die Weltwirtschaft in Schwung zu halten ist ein globales öffentliches Gut. Die Menschheit braucht weltweite Kooperation, um die Sustainable Development Goals zu verwirklichen.


Hans Dembowski ist Chefredakteur von E+Z Entwicklung und Zusammen­arbeit / D+C ­Development and ­Cooperation.
[email protected]

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