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Religiöse Sitten

Schleierdebatten auf Facebook

von Basma El-Mahdy

Heutzutage

Bekleidungsregeln für Frauen sind nicht nur eine Frage der Mode. In Ägypten tobt eine religiöse und kulturelle Debatte über Frauenkleidung, vor allem über das Tragen des Schleiers (hijab).

In den 1970er Jahren bedeckten junge Frauen weder Arme oder Beine noch ihre Haare. Zwei Jahrzehnte später fordern dieselben Frauen nun ihre Töchter auf, den Hijab zu tragen, der zum Symbol einer guten Muslimin geworden ist. In anderen Worten: sich zu verschleiern ist nicht mehr eine persönliche Wahl; es ist inzwischen eine islamische Kleiderordnung, die von der Gemeinschaft getragen wird. In ägyptischen Städten gibt es jedoch einen neuen Trend – die junge Generation stellt populäre soziale und religiöse Überzeugungen in Frage, so auch die religiöse Notwendigkeit, einen Schleier zu tragen. Sie empfehlen, ihn abzunehmen. Viele Frauen teilen ihre Erfahrungen mit dem Hijab auf Facebook-Gruppen. Die meisten von ihnen gehören zur urbanen Mittel- und Oberschicht. Sie argumentieren, dass sie „ihre Schönheit zeigen“ wollen. Auch wenn sie nur wenige sind, verglichen mit den Millionen verschleierter Frauen in Ägypten, so betrachten die Befürworter des Schleiers diesen Trend als Bedrohung religiöser Normen.

Im August 2014 eröffnete eine junge Frau namens Manal Rostom eine Facebook-Gruppe, um Frauen in ihrer religiösen Überzeugung für den Hijab zu unterstützen, genannt „Surviving Hijab“ (den Schleier überleben). Sie gibt zu, dass ihr es „jeden Tag schwerer fällt, den Schleier aufzubehalten“, vor allem, wenn „gläubige Mädchen ihn abnehmen“. Trotzdem bleibt sie weiter bei dieser religiösen Norm.

Ihre Online-Gruppe hat inzwischen mehr als 49 000 Mitglieder. Sie posten Bilder zu Hijab-Mode und schreiben, dass sie auch mit Schleier das Leben genießen und ihn nicht missen mögen. „Ich trage Hijab, weil ich Gott liebe“, postete eine Frau. „Meine Liebe zu Gott ist stärker als mein Wunsch, schön auszusehen. Gott liebt Bescheidenheit.“

Diese Facebook-Gruppe ist auch offen für „Nichtverschleierte“. Eine Frau kommentiert, den Schleier abzunehmen könne als „normale Reaktion nach Jahren der Unterdrückung“ angesehen werden. Frauen sollten „allein darüber entscheiden.“
Das Tragen des Hijab hat viele Gründe. Manche meinen, sie befolgen Allahs Befehl, ihren Körper zu bedecken; für viele ungebildete Frauen ist es ein Schutz vor einem „schlechten Ruf“. Soziologen weisen darauf hin, dass der Schleier keine religiöse Pflicht, sondern ein traditioneller Brauch in Ägypten sei.

Der säkulare Politiker Bahaa Anwar sagt: „Der Schleier ist im Islam nicht bindend und wird von Klerikern dazu benutzt, Frauen zu kontrollieren. Ein Stück Stoff kann nichts darüber aussagen, wie religiös eine Frau ist.“ Psychologieprofessor Ra­shad Abdel Latif verbindet den Widerstand gegen den Schleier mit der Zunahme des Atheismus, als Antwort auf die einjährige Herrschaft der Moslembrüderschaft in Ägypten und seine strikte Auslegung des Islams.


Basma El-Mahdy ist eine Printjournalistin mit dem Schwerpunkt auf Menschenrechtsthemen. Sie lebt in Kairo, Ägypten.
[email protected]

 

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